Stokholms Bild hat sich bestätigt

Anders Stokholm zieht eine positive Bilanz seiner ersten 100 Tage als Stadtpräsident. Dank Angelus Hux und dem Stadtbus hat er Frauenfeld besser kennengelernt. Bald legt der Stadtrat die Legislaturziele und ein Mobilitätskonzept vor.

Markus Zahnd
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Motiviert, weiterhin anzupacken: Anders Stokholm blickte auf die ersten 100 Tage als Stadtpräsident zurück. (Bild: Donato Caspari)

Motiviert, weiterhin anzupacken: Anders Stokholm blickte auf die ersten 100 Tage als Stadtpräsident zurück. (Bild: Donato Caspari)

FRAUENFELD. Unlösbare Probleme hat Anders Stokholm bis jetzt nicht angetroffen, «aber einige Herausforderungen». Stokholm war am Dienstag 100 Tage im Amt als Stadtpräsident und zog gestern vor den Medien eine erste Bilanz. «Ich hatte schon viele schöne Begegnungen und bin gut angekommen. Die Einarbeitung dauert aber schon etwa ein Jahr», sagte Stokholm.

Am 1. Juni hat der 49-Jährige im Rathaus seine Arbeit aufgenommen. Als erstes hat er sich um den innersten Kreis gekümmert: «Ich wollte alle kennenlernen – und habe auch allen Mitarbeitern der Stadt das Du angeboten.» In einem zweiten Schritt konzentrierte er sich auf einen weitergehenden Kreis ausserhalb des Rathauses, wie zum Beispiel den Waffenplatz oder die Regio. «Zudem hat mich Lokalhistoriker Angelus Hux durch die Stadt geführt. Und ich bin mit dem Stadtbus alle Linien abgefahren», sagt Stokholm, der bis zu seinem Amtsantritt in Eschenz gewohnt hat. Bereits seit seiner Wahl hat er an den Sitzungen des Stadtrates teilgenommen, zahlreiche Dossiers gelesen und sich mit Vorgänger Carlo Parolari ausgetauscht.

Warten aufs Mobilitätskonzept

In seinen ersten drei Monaten als Stadtpräsident hat sich für Stokholm vor allem ein Bild bestätigt: «Frauenfeld ist in einer ausgezeichneten Verfassung und verfügt damit über eine hervorragende Ausgangslage für den Weg in die Zukunft.» In den nächsten Monaten oder auch Jahren geht es für Stokholm also darum, diese «hervorragende Ausgangslage» zu nutzen. Wobei er betont, dass er das allein nicht schafft. «Dazu braucht es alle: den Stadtrat, den Gemeinderat und vor allem auch die Bevölkerung.»

Zumindest die Leitlinien gibt aber der Stadtrat vor. So hat sich die Exekutive seit dem 1. Juni auch schwerpunktmässig mit dem Leitbild sowie den Legislaturzielen und -schwerpunkten auseinandergesetzt. Im Detail vorgestellt werden Leitbild und Ziele im Oktober. Klar ist: Es geht um die bekannten Themen wie Mobilität, Arealentwicklung und Arbeitsplätze. «Wir haben nicht alles komplett verändert, sondern die bestehenden Dokumente weiterentwickelt», sagt Stokholm. Die ersten richtungsweisenden Entscheide folgen daher in den kommenden Wochen. Denn im November will der Stadtrat auch ein Mobilitätskonzept vorlegen, dieses wird derzeit erarbeitet.

Was passiert mit den Steuern?

Die Umsetzung des Konzepts hängt auch von den Finanzen der Stadt ab – dieses Thema hat Stokholm in seinen ersten 100 Tagen ebenfalls beschäftigt. Der Voranschlag für dieses Jahr rechnete erstmals seit Jahren mit einem Defizit. Deshalb hatte der Bund der Steuerzahler das Referendum ergriffen, was den Haushalt bis im April blockierte.

«Es wird auch dieses Jahr nicht leicht, ein ausgeglichenes Budget präsentieren zu können», sagt Stokholm. Die Einnahmen würden wegen Steuerausfällen bei juristischen Personen zurückgehen, während die Ausgaben eher anstiegen. Ob der Stadtrat deshalb wie im Finanzplan angekündigt eine Steuererhöhung vorschlägt oder ob es weitere Sparmassnahmen gibt, konnte Stokholm noch nicht sagen. Er betonte aber, dass «im Stadtrat niemand wirklich eine Erhöhung der Steuern will».

Rückkehr in die Kantonspolitik

Während sich Stokholm und der Stadtrat in vielen Punkten noch etwas Zeit lassen, beantwortet der Stadtpräsident eine Frage deutlich: «Ja, ich werde im April wieder für den Grossen Rat kandidieren.» Stokholm war bereits von 2004 bis 2008 im Grossen Rat. Auch Stadträtin Christa Thorner ist Kantonsrätin, Elsbeth Aepli trat kürzlich zurück. Urs Müller und Ruedi Huber dürfen nicht gewählt werden, da sie beim Kanton angestellt sind.