Stöckling steigt ins Rennen

Martin Stöckling (FDP) kandidiert in Rapperswil-Jona – Bruno Hug zieht sich zurück. Dass Stadtpräsident Erich Zoller (CVP) wieder antritt, ist wahrscheinlich, aber noch nicht definitiv.

Magnus Leibundgut
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Martin Stöckling, der Sohn von alt Regierungsrat Hans Ulrich Stöckling, will Stadtpräsident von Rapperswil-Jona werden. (Bild: PD)

Martin Stöckling, der Sohn von alt Regierungsrat Hans Ulrich Stöckling, will Stadtpräsident von Rapperswil-Jona werden. (Bild: PD)

Die Katze ist aus dem Sack. Was seit Monaten kolportiert wird, wurde gestern an einer Pressekonferenz bekanntgegeben: Der 42jährige Anwalt Martin Stöckling (FDP) steigt ins Rennen um das Stadtpräsidium in Rapperswil-Jona. «Ich habe aus meinen Ambitionen für dieses Amt nie ein Geheimnis gemacht», sagte Stöckling. Allerdings habe er vorgehabt, frühestens in vier Jahren in die Stadtpräsidentenwahl einzugreifen. «Es ist anders gekommen. Nach den Ergebnissen des ersten Wahlgangs hat sich die Ausgangslage grundlegend geändert», erklärte Stöckling. «Die Wählerschaft will offensichtlich neue Verhältnisse, mehr Kommunikation, Vertrauen und Stärke.» Gespräche mit den beiden parteilosen Kandidaten Bruno Hug und Felix Hof sowie Kurt Kälin (SVP) hätten aufgezeigt, dass diese seine Kandidatur unterstützten. Bruno Hug hatte im ersten Wahlgang am meisten Stimmen erzielt.

Stöckling will als Stadtpräsident für ein vertrauensvolles Klima in der Stadtverwaltung sorgen. «Hängige Blockaden müssen möglichst rasch beseitigt werden, auf dass wir uns auf die wesentlichen Themen fokussieren können», sagte Stöckling. Er will sich für die Lösung des Verkehrsproblems einsetzen und für attraktive Bildungsstätten in Rapperswil-Jona sorgen. «Natürlich müssen die Finanzen im Lot bleiben», sagte der 42jährige Joner an der Pressekonferenz: «Dies muss durch eine mutige Politik und allenfalls auch schmerzliche Einschnitte gesichert bleiben.»

Hat sich durch die neue Ausgangslage auch die Situation für den Stadtpräsidenten Erich Zoller (CVP) geändert? «Es ist nun durch den Rückzug von Bruno Hug und die Kandidatur von Martin Stöckling eine klare Situation entstanden. Ich gehe davon aus, dass ich kandidiere, werde aber erst nach Gesprächen mit meiner Familie definitiv über meine Teilnahme entscheiden», sagte Zoller.

«Hug soll Verantwortungübernehmen»

Trotz den Gerüchten war Bruno Hugs Rückzug gestern eine Überraschung. «Heute bin ich 62 Jahre alt. Weil ich als Stadtpräsident nur eine Legislaturperiode absolvieren würde, will ich für eine bessere Lösung einstehen, die sich nach dem ersten Wahlgang eröffnet hat», sagte Hug. Im ersten Wahlgang sei Martin Stöckling mit dem besten Resultat der Stadträte im Nebenamt gewählt worden. «Als 42-Jähriger hätte er eine bedeutend längere Regierungszeit vor sich, als dies bei mir der Fall wäre», sagte Hug. «Kontinuität ist wichtig für unsere Stadt und hilft mehr als ein Übergangspräsident, wie ich es wäre. Ich bräuchte ja nur schon zwei Jahre, um mich in den Verwaltungsapparat einzuarbeiten.»

Bruno Hugs Verzicht löste Irritationen aus: «Er sollte nun Verantwortung übernehmen und antreten», sagte GLP-Politiker Nils Rickert. «Man könnte doch erwarten, dass Hug nun konsequent ist und das Stadtpräsidium anstrebt.» Andere Politiker bewerten Hugs Rückzug als «Verhöhnung des Wählerwillens». Hug widerspricht: «Es ist keine Missachtung des Wählers. Ich hätte mein Amt angetreten, wenn ich am 25. September zum Stadtpräsidenten gewählt worden wäre. Oder wenn Stöckling nicht antreten würde.»

Mindestens zwei Kandidaten

Auch Felix Hof verkündete gestern seinen Verzicht auf eine Kandidatur im zweiten Wahlgang. «Die Stadt soll eine neue Führung erhalten. Der amtierende Stadtpräsident ist de facto abgewählt. Dafür bin ich mit aller Vehemenz eingetreten.» Die SVP hat beim ersten Wahlgang keine Wahlempfehlung abgegeben, weil keine der Kandidaten die Partei überzeugt hat. Nun unterstützt sie den FDP-Kandidaten: «Martin Stöckling ist als Person geeignet: Er ist jung und voll im Saft und in der Lage, eine zukunftsfähige Politik zu betreiben», sagte SVP-Präsident Kurt Kälin, der neu in den Stadtrat gewählt wurde. Stöckling sei stark vernetzt in St. Gallen und im Kanton, was der Stadt zugute komme, vor allem in Sachen Lösung des Verkehrsproblems.

Der zweite Wahlgang findet am 6. November statt. Nebst der Kandidatur von Martin Stöckling ist jene von Hubert Zeis (parteilos) bestätigt.