Stimmung gut – Finanzen rot

Das Eidgenössische Musikfest hat zwar über 20 000 Musiker und rund 150 000 Gäste nach St. Gallen gelockt – es hat aber auch ein Defizit von rund 400 000 Franken hinterlassen.

Markus Wehrli
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ST. GALLEN. Das Musikfest 2011 ist Geschichte – für das OK steht indes noch Arbeit an. Zum Beispiel Bilanz ziehen. Diese falle positiv aus, hält das OK in einer Mitteilung fest. Vor allem die Rückmeldungen der Musikvereine seien «sehr gut, zum Teil fast euphorisch» ausgefallen. Mindestens in einem Punkt ist das Fazit aber ernüchternd: Die vorläufige Schlussrechnung geht von einem Defizit von rund 400 000 Franken aus – die Rechnung kann nur mit Hilfe der Defizitgarantien von Kanton und St. Gallen ausgeglichen gestaltet werden.

Musikfest, nicht Volksfest

Zwischen 150 000 und 200 000 Besucher seien am Musikfest erwartet worden, sagt OK-Präsident Hubert Schlegel, rund 150 000 sind dann gekommen. Enttäuscht? – Mitnichten. Die Musikwettbewerbe, die Konzerte, die Parademusik, das alles seien Erfolge gewesen. Auch in organisatorischer Hinsicht habe alles wie am Schnürchen geklappt. Ein Zweifel bleibt: «Wir fragen uns, ob die Ausweitung des Musikfestes zu einem eigentlichen Volksfest richtig war», sagt Schlegel.

Tatsächlich: Das Eidgenössische Musikfest gibt es nur alle fünf Jahre – in St. Gallen vielleicht alle 50. Gut verständlich, dass die Organisatoren den Anlass zum Volksfest erheben wollten. Die Verbindung des Olma-Areals als Kern des Musikfestes mit der St. Galler Innenstadt zu einem grossen Festplatz hat dann aber nicht ganz geklappt. Hinzu kam am ersten Wochenende schlechtes Wetter – die Besucher blieben aus. «Vielleicht wäre es besser gewesen, wir wären beim Musikfest als Musikfest geblieben», bilanziert Schlegel. In den wichtigsten Punkten seien die Ziele aber erreicht: «Attraktive Bedingungen für die Musiker, schöne Erlebnisse für die Zuschauer, eine ausgeglichene Rechnung.»

Wetter- und Publikumspech

Gleichwohl bleibt, «ausgeglichen» ist die Rechnung nur dank der Defizitgarantie. «Ein Dämpfer», wie Schlegel sagt. Die Rechnung schliesst bei einem Ertrag von rund sechs und einem Aufwand von 6,4 Millionen Franken mit einem Defizit von 400 000 Franken ab. Für dieses kommen nun Stadt und Kanton mit je 200 000 Franken auf.

Wetterpech und weniger Publikum als erhofft: «Weniger Einnahmen machten wir in der Eigenbewirtung und in der Bewirtung durch Dritte», sagt Walker. Ebenfalls negativen Einfluss hatte die Ausweitung zum Volksfest. «Für die Integration von Olma-Gelände und Innenstadt mit einer Festmeile mussten wir einiges Geld ausgeben – für die Infrastruktur genauso wie für die Unterhaltung und Shows», sagt Walker. Weitere Ausfälle habe es gegeben, weil das OK nach dem ersten verregneten Wochenende Ermässigungen bei den Eintritten erlassen habe.

Die Rechnung ist noch nicht definitiv. Offen sei noch ein Teil der Einnahmen aus den vermieteten Ständen an Dritte. Diese wollen nur einen Teil der vereinbarten Miete bezahlen, weil das Geschäft auch für sie nicht wie erwünscht verlaufen ist. «Es geht um wenige 10 000 Franken.»