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STEUERN: Rekord der kleinen Steuersünden

Der bevorstehende Informationsaustausch mit andern Ländern hat im Thurgau 2017 so viele straflose Selbstanzeigen bewirkt wie noch nie. Die zusätzlichen Steuereinnahmen sind relativ gering.
Thomas Wunderlin
Im Steuerbereich ist viel in Bewegung; unter anderem wird der Sitz der Thurgauer Steuerverwaltung neu gebaut. (Bild: Reto Martin (8. November 2016))

Im Steuerbereich ist viel in Bewegung; unter anderem wird der Sitz der Thurgauer Steuerverwaltung neu gebaut. (Bild: Reto Martin (8. November 2016))

Thomas Wunderlin

thomas.wunderlin

@thurgauerzeitung.ch

238 Thurgauer Steuerzahler haben sich im vergangenen Jahr angezeigt. So viele waren es noch nie, seit das eidgenössische Parlament 2010 jedem Steuerzahler das Recht gewährte, einmal im Leben unversteuertes Vermögen gegenüber den Steuerbehörden straflos offen zu legen. Zu bezahlen sind nur die Steuern der vergangenen zehn Jahre inklusive Verzugszinsen. Üblicherweise gehen nach Angaben des Chefs der Thurgauer Steuerverwaltung, Jakob Rütsche, jährlich 140 straflose Selbstanzeigen ein. Im Jahr 2016 waren es 162 Fälle, 2015 gab es 150. Die seither beobachtete Steigerung ist auf den Automatischen Informationsaustausch (AIA) zurückzuführen: die derzeit 38 AIA-Partnerstaaten werden die Schweizer Steuerbehörden ab September 2018 mit Bankdaten beliefern.

Selbstanzeigen bringen 6,5 Millionen Franken

Der Rekord der Selbstanzeigen bedeutet aber keinen Rekordertrag. Den Mehrertrag aus den Selbstanzeigen beziffert Rütsche für 2017 mit 6,5 Millionen Franken. Das liegt deutlich unter den 10,5 Millionen Franken extra, die nach seinen Angaben 2015 in die Kantonskasse flossen: «Unser bisher bestes Jahr.» Den Grund für den verhältnismässig bescheidenen Ertrag 2017 sieht der Chef der Steuerverwaltung darin, dass «Peanuts» deklariert worden seien. Dazu zählen etwa Häuser, die Gastarbeiter in ihrer Heimat gebaut haben. Viele glaubten, sie seien gar nicht verpflichtet, diese Häuser den Schweizer Steuerbehörden anzugeben. Denn oft zahlen sie bereits in ihrem Heimatland, beispielsweise Portugal, Steuern für ihre dortige Immobilie und sie werden dies auch weiterhin tun müssen. Die Liegenschaft im Ausland trägt nur dazu bei, dass der Steuersatz erhöht wird, mit dem das Vermögen und allenfalls das Einkommen in der Schweiz besteuert werden. Dazu kommt, dass verhältnismässig wenige Thurgauer ihr Geld im Ausland angelegt haben, wie Rütsche erklärt. Im Verhältnis zur Einwohnerzahl nutzen deshalb in kaum einem anderen Kanton weniger Steuerzahler die straflose Selbstanzeige.

Von 2010 bis 2017 haben nur 1204 Thurgauer freiwillig bislang verborgene Vermögen aufgedeckt, bestätigt der Chef der Steuerverwaltung einen Bericht des «Sonntags-Blicks». Dies bei einer Gesamtzahl von 170000 natürlichen und 12000 juristischen Steuerzahlern. Das heisst: Nur einer von 224 Thurgauern hat sich selber verpetzt. Schweizweit hat es einer von 90 getan.

Thurgau im Steuervergleich im vorderen Mittelfeld

In der Rangliste der steuergünstigen Kantone befindet sich der Thurgau sowohl bei den natürlichen wie auch bei den juristischen Personen etwa auf dem 10. Platz, sagt der Chef der kantonalen Steuerverwaltung, Jakob Rütsche. Je nach Einkommens- und Vermögensverhältnissen kann dabei die Klassierung etwa acht Plätze besser oder schlechter ausfallen. Bei den juristischen Personen wird die Steuervorlage 17, die Nachfolgerin der gescheiterten Unternehmenssteuerreform III, Bewegung in die kantonalen Steuersätze bringen. Was dabei herauskommt, sagt Rütsche, «wissen wir noch nicht». Verglichen mit Zürich, müssen natürliche Personen mit tiefen Einkommen im Thurgau tendenziell weniger Steuern zahlen. Bei Einkommen bis 200000 Franken ist die Steuerbelastung im Kanton Zürich laut Rütsche tiefer, bei noch höheren Einkommen ist sie wiederum im Thurgau tiefer. Bei einem Vergleich, wie er kürzlich im «Landboten» angestellt worden ist, seien nicht alle Faktoren berücksichtigt worden: «Freibeträge und übrige Abzüge sind in den Kantonen unterschiedlich.» Kantonale Vergleiche sind auch schwierig, weil etwa Thurgau und St. Gallen im Unterschied zu Zürich und Schaffhausen das Vollsplitting bei den Ehepaaren eingeführt haben, was eine tiefere Steuerrechnung nach sich zieht. Abgesehen von diversen überall nutzbaren Steuersparmethoden wie Einzahlungen in die Altersvorsorge spielt auch der Unterschied zwischen den Gemeinden eines Kantons eine wichtige Rolle. Die Steuerfüsse der Schulgemeinden sind dabei wichtiger als jene der politischen Gemeinden. So haben zwar Horn und Warth-Weiningen 2018 mit 32 Prozent die tiefsten Steuerfüsse aller 80 Thurgauer Gemeinden. In der Gesamtrechnung zahlen Bottighofer trotzdem weniger, obwohl die politische Gemeinde einen Steuerfuss von 36 Prozent erhebt. Der Unterschied zwischen diesen Gemeinden ist gering; als kantonale Steuerparadiese können sie sich alle bezeichnen. Beträchtlich ist jedoch der Unterschied zu Arbon, das sich am andern Ende der innerkantonalen Rangliste befindet. So zahlt ein wohlhabendes Bottighofer Paar (Tabelle, Profil 3) 27133 Franken Gemeinde- und Kantonssteuern, ein Arboner Paar mit derselben Steuererklärung wird mit 36666 Franken zur Kasse gebeten. Im Vergleich über die Kantonsgrenzen hinweg relativiert sich die Arboner Steuerbelastung wieder. Laut Rütsche ist sie vergleichbar mit jener der Stadt St. Gallen. (wu)

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