STETTFURT: Wegen Dumpinglöhnen: Unia erneuert Kritik an Thurgauer Schloss Sonnenberg

Die Gewerkschaft Unia hat ihre Vorwürfe gegen die Schloss & Gut Sonnenberg AG erneuert: Sie habe Lohnabrechnungen zugespielt erhalten, die zeigten, dass für Bauarbeiten Gehälter von brutto 2970 Franken ausbezahlt würden. Die Bauherrin weist die Kritik in einer Stellungnahme zurück.

Drucken
Teilen
Anke Gähme, Regionalleiterin Unia Ostschweiz (links), und Stefan Brülisauer, Sektionsleiter Unia Thurgau, zeigen die Lohnabrechnung eines Bauarbeiters des Schlosses. (Bild: Andrea Stalder)

Anke Gähme, Regionalleiterin Unia Ostschweiz (links), und Stefan Brülisauer, Sektionsleiter Unia Thurgau, zeigen die Lohnabrechnung eines Bauarbeiters des Schlosses. (Bild: Andrea Stalder)

STETTFURT. Am Montag hat die Gewerkschaft Unia an einer Medienorientierung in Arbon frühere Vorwürfe präzisiert. Neu beruft sie sich dabei auf Arbeitsverträge und Lohnabrechnungen, die sie in Form von anonymisierten Kopien vorlegte.

Das Schloss Sonnenberg in Stettfurt gehört dem vermögenden österreichischen Fondsmanager Christian Baha. An den laufenden Renovationsarbeiten ist auch die öffentliche Hand beteiligt. Bereits im Frühjahr hatte die Unia gegen Tieflöhne protestiert.

Im Juni erwirkte dann die Schloss & Gut Sonnenberg AG beim Thurgauer Obergericht eine superprovisorische Verfügung. Seither ist es der Gewerkschaft untersagt, eine klar definierte Reihe von Kritikpunkten öffentlich zu äussern.

Stundenlohn von 13 Franken
«Eigentlich müssten wir mit einem Pflaster vor dem Mund hier sitzen», spielte Anke Gähme, Regionalleiterin der Unia Ostschweiz-Graubünden, auf die Verfügung an. Es hätten sich aber neue Sachverhalte ergeben, die es notwendig machten, zu informieren.

Einige der Arbeiter setzten sich inzwischen juristisch gegen die tiefen Löhne zur Wehr, erklärte sie. Die Unia habe Kopien von Lohnabrechnungen vom letzten September erhalten. Darin werde ein Bruttogehalt von 2970 Franken ausgewiesen.

Ein dazu gehörender Arbeitsvertrag zeige, dass die Wochenarbeitszeit 50 Stunden betrage. Überstunden würden nicht verrechnet. «Das ergibt einen Stundenlohn um 13 Franken», rechnete Gähme vor.

Solche Gehälter seien in der Schweiz weder branchen- noch ortsüblich. Ein gelernter Bauarbeiter erhalte in der Schweiz einen Anfangslohn um 5200 Franken, für ungelernte Arbeiter liege er bei 4500 bis 4800 Franken.

Kanton zahlt die Renovation
Die Vorwürfe seien keine Behauptungen, betonte Stefan Brülisauer, Sektionsleiter der Unia Thurgau. Die Gewerkschaft gehe davon aus, dass das Obergericht in Kürze die superprovisorische Verfügung aufheben werde.

Brülisauer erinnerte daran, dass die öffentliche Hand an die Renovation des denkmalgeschützten Schlosses rund 700'000 Franken beisteuere. Solche tiefen Löhne hätten deshalb noch mehr Sprengkraft: Die Bevölkerung frage sich, wie so etwas bei Arbeiten an einem Wahrzeichen des Thurgaus möglich sei.

Vorwürfe zurückgewiesen
An der Medienorientierung war auch eine Vertreterin der Bauherrin anwesend. Sie verteilte ein Communiqué, in dem die Kritikpunkte zurückgewiesen wurden: Die Schloss & Gut Sonnenberg AG baue nur für den Eigenbedarf und unterstehe rechtlich keinem Gesamtarbeitsvertrag, heisst es darin. Dies sei von Anwälten, Steuerberatern und Behörden mehrfach überprüft worden.

Alle Mitarbeiter bekämen zusätzlich zu ihrem Gehalt freie Kost und Logis. Dies bedeute «in etwa zusätzliche Naturalleistungen in vierstelliger Höhe». Die meisten Mitarbeiter verdienten mehr als das Doppelte verglichen mit den letzten Angestelltenverhältnissen im Ausland. Sie wohnten während der Arbeiten in neuen Wohncontainern, die sehr gut ausgestattet seien, teilte die Schloss & Gut Sonneberg AG mit. (sda)