STETTFURT: Ungestüm auf der Überholspur

Karim Slama wäre ein toller Pantomime, doch er quasselt wie ein Wasserfall. Er macht das ziemlich unverständlich, dafür aber umso unterhaltsamer, wie zuletzt im Kultur-Keller.

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Karim Slamas Mimik spricht Bände. (Bild: Christof Lampart)

Karim Slamas Mimik spricht Bände. (Bild: Christof Lampart)

Im auch zum Saisonschluss bis auf den letzten Platz gefüllten Stettfurter Kultur-Keller setzte der selbst ernannte «Araberkopf» aus der Romandie, Karim Slama, im wahrsten Sinne des Wortes ganz eigene «Akzente».

Schon sein lustiges «Welschdütsch» führte dazu, dass der ungestüm-begeisternd Daherkommende nicht nur dem Publikum die eine oder andere «Knacknuss» – so der Titel seines Programms – aufgab, sondern er sich manchmal selbst. Das führte dann unvermittelt schon einmal zu einem fragenden Blick in die Runde. «Was heisst ‹entrée› beim Essen in Restaurant, doch nicht «Eintritt»? Solche Szenen waren nicht gespielt, sondern aus der Situation heraus geboren. Doch das Publikum half ihm gerne. Denn es spürte, dass sich der Tausendsassa auf der Bühne in seinen Nummern immer irgendwie auf der «Überholspur» befand und manchmal sich dabei auch gerne selbst verlor. Durchschnaufen? Warum auch! Dafür ist doch das Leben viel zu kurz – auch wenn ihm dies garantiert die eine oder andere «Knacknuss» erspart hätte.

Gut genug Deutsch und zugleich schlecht

Das Publikum hatte seine grosse Freude am ständig sprudelnden, sympathisch welschdütsch Plappernden. Slama spricht gut genug Deutsch, damit ihn alle verstehen, und zugleich «schlecht» genug, dass es für das eine oder andere kuriose Missverständnis reicht. Doch dies alles kümmert ihn mitnichten. Denn Karim Slama hat noch ein anderes wichtiges und in seinem Fall auch mächtiges Instrument zur Verfügung; sein extrem wandelbares Gesicht, dass ihn, je nach Bedarf, mal als brüllendes Kleinkind, mal als genervter Flugpassagier (Stichwort: Araberkopf), dann aber auch plötzlich wieder als ganze Band inklusive Tänzer oder einfach als gefrusteter Karim Normalverbraucher auftreten lässt. Manchmal nimmt er sich den «Knacknüssen» des Alltags an, nicht selten aber scheitert er auch ziemlich absehbar daran. Das Publikum spendete dem Künstler auf jeden Fall am Ende des Abends einen ebenso langen wie auch absolut verdienten Applaus.

Christof Lampart

frauenfeld@thurgauerzeitung.ch