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STETTFURT: Singende Bilder aus dem Alltag

«Mondjammer» heisst das neue Programm des Pianisten und Sängers David Lang, mit dem er seit Freitag auf Tournee ist. In seinen Liedern besingt er unter anderem Spiessbürger und frustrierte Autofahrer.
Christof Lampart
Der Pianist und Sänger David Lang während seines Auftritts im Steffurter Kulturkeller. (Bild: Christof Lampart)

Der Pianist und Sänger David Lang während seines Auftritts im Steffurter Kulturkeller. (Bild: Christof Lampart)

Christof Lampart

frauenfeld@thurgauerzeitung.ch

Nach dem Auftakt im gut besuchten Kulturkeller folgen noch bis und mit 10. März neun weitere Konzerte von David Lang, wovon noch drei im Thurgau zu hören sein werden.

Wer plant, eines dieser noch ausstehenden Konzerte zu besuchen, der bekommt ein Programm zu sehen und zu hören, das sich nicht so einfach einordnen lässt. Zuerst einmal betrifft dies die Musik an sich. Denn musikalisch nimmt David Lang überall bei der Unterhaltungsmusik des 20. Jahrhunderts gekonnt Anleihen und formt diese für die eigenen Bedürfnisse um. Mal swingt es, dann hat der den Blues, beispielsweise beim Lied «modrig». Ein anderes Mal wirken seine Lieder, wenn im flapsigen Stil der Roaring Twenties vorgetragen, ein wenig liederlich – was wohl seinem langjährigen Berlinaufenthalt zuzuschreiben ist. Die berühmte «Berliner Schnauze» scheint da ganz massiv abgefärbt zu haben, gibt sich doch Lang in seinen Liedern mal als rauer, mal herzlicher, aber immer ehrlicher Beobachter.

Als Liedermacher besingt David Lang seine Heimat

Wenn bei Lang etwas garantiert ist, dann ist es der unerwartete Schwenk. Kaum glaubt man sich «eingehört» zu haben, provoziert der Poet am Piano sein Publikum durch eine weitere inhaltlich-stilistische Pirouette, indem er sich als klassischer Liedermacher, dem nichts näherliegt als die heimatliche Scholle, der See vor Haustüre, gibt. Die Art und Weise, wie er sie besingt, wirkt leicht pathetisch, doch ist an der Echtheit der Gefühle nicht zu zweifeln, wurde doch seine im All- gemeinen warme und schön tragende Tenorstimme gerade bei solchen Heimatliedern ein wenig laut – zumindest für den eher kleinen Stettfurter Kulturkeller.

Lang ist niemand, der aus seinem Herzen eine Mördergrube macht. Er zielt in seinen Liedern höchstens in Spurenelementen, auf die Vermittlung tiefgründiger Botschaften ab. Was bei ihm im Vordergrund steht, sind Sprachwitz, Humor und ganz viel Emotionen. Er beschwört singend Bilder aus Alltagssituationen herauf, die alle irgendwie zu kennen glauben. Da darf ein Song über Kleopatra schon einmal in der Erkenntnis enden, dass es über die Schöne vom Nil einen Asterix-Band gibt. Oder Lang setzt frustrierten Autofahrern, welche einem zur Zuckermühle Frauenfeld zuckelnden «Runggletransport» hinterherkriechen müssen, ebenso ein kleines Klang gewordenes Denkmal, wie dem gehässigen Spiessbürger, der nur deshalb eine Einsprache gegen das Bauvorhaben seines neuen Nachbarn einreicht, weil er einst auch unter einer solchen Schikane gelitten hatte. Es sind nicht immer die sympathischsten Figuren, deren sich Lang annimmt – was bei der Zuhörerschaft das Gefühl aufkommen lässt, dass es in seinen Liedern nicht in erster Linie um Kunst, sondern um die humorvolle Erklärung von nur allzu menschlichen Verhaltensweisen geht. Und das mitzuverfolgen macht nun einfach einmal Spass.

Dies sah auch das Premierenpublikum so und spendete dem Künstler einen langen, verdienten Applaus, worauf sich dieser wiederum mit einigen Zugaben bedankte. Langs Fangemeinde, dies war unschwer zu erkennen, dürfte nach diesem Abend nicht kleiner geworden sein.

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