STETTFURT: Es geht voran auf Sonnenberg

Erstmals informiert die Denkmalpflege über die Renovationen auf Schloss Sonnenberg: Die Zusammenarbeit mit dem Bauherrn sei gut. Geplant ist, dass Kapelle, Rittersaal und Bibliothek für Anlässe – wie etwa Hochzeiten – gemietet werden können.

Ida Sandl
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Die seitlichen, verzierten Stützen der Kirchenbänke werden repariert. (Bilder: pd)

Die seitlichen, verzierten Stützen der Kirchenbänke werden repariert. (Bilder: pd)

STETTFURT. Fragen zu Schloss Sonnenberg gibt es viele. Zwei hört Denkmalpfleger Urs Fankhauser besonders oft. Die erste: Gibt es wieder eine Beiz? Die zweite: Funktioniert der Kran überhaupt? «Ja», antwortet er dann, «es wird wieder ein Restaurant geben» und «Ja, der Kran wird tatsächlich genutzt.»

Seit etwa einem Jahr betreut Fankhauser die Renovation von Schloss Sonnenberg hoch über Stettfurt. Und auch das wirft Fragen auf. Wieso wechselt der Denkmalpfleger mitten im Umbau und warum holt man einen Pensionierten?

Renovation eng begleiten

Von Unstimmigkeiten mit der Bauherrschaft wird gemunkelt. «Das stimmt so nicht», widerspricht Ruedi Elser, der Chef der Denkmalpflege. Ein freundlicher Mann, den so schnell nichts aus der Ruhe bringt. Der Wechsel sei der besonderen Bedeutung von Sonnenberg geschuldet. «Das Schloss ist uns sehr wichtig», sagt er. «Wir wollten die Renovation eng begleiten.» Das macht Fankhauser jetzt. Jede Woche ist er mindestens einen halben Tag auf der Baustelle. Für einen Festangestellten wäre das neben dem Tagesgeschäft ein zu grosser Aufwand. Ausserdem habe Fankhauser sehr viel Erfahrung. Er hat schon die Renovationen der Schlösser Wellenberg und Liebenfels begleitet. «Da holen wir den Fachmann», hat sich Elser gedacht.

Die rote Tabuzone

Sonnenberg ist eine anspruchsvolle Baustelle. Rittersaal, Kapelle, Bibliothek und Treppenhaus sind in der höchsten denkmalpflegerischen Kategorie eingestuft. Roter Bereich: «Besonders wertvoll.»

Derart ausgewiesene Räume seien «absolut tabu», erklärt Fankhauser. Hier dürfe nichts verändert werden und daran halte sich der Bauherr auch. «Da gehen wir mit feinem Pinsel ran.» Rittersaal, Kapelle und Bibliothek sollen nach der Renovation der Öffentlichkeit eingeschränkt zugänglich sein. «Es ist geplant, dass man die Räume für Hochzeiten oder Anlässe mieten kann», bestätigt der Stettfurter Gemeindepräsident Thomas Gamper. So sei es der Gemeinde vom Bauherrn, dem österreichischen Multimillionär Christian Baha, versprochen worden. Eine schriftliche Vereinbarung gebe es aber nicht.

Gamper sagt: «Wir sind sehr guter Dinge.» Vielleicht kommt Stettfurt sogar zu einem Traulokal, das weitherum seinesgleichen sucht. Im Rittersaal wird auch der wertvolle Steckborner Kachelofen stehen, der gerade repariert wird.

Neben dem Tabubereich, gibt es die mittlere Kategorie. Hier dürfe mit Einschränkungen etwas verändert werden. Der Kompromiss, den man auf Sonnenberg für die Privaträume gefunden hat, sind Vorsatzwände. Das heisst: Vor die alte wird eine neue Wand gestellt, zwischen beiden Wänden können dann beliebig viele Leitungen eingezogen werden. Die alte Wand sei zwar verdeckt. «Aber es ist nichts zerstört», sagt Fankhauser. «Die Anliegen der Denkmalpflege sind gewahrt.»

Anders, aber nicht schlechter

Etwa zehn Prozent des Baus sei grüner Bereich. Hier macht die Denkmalpflege keine Auflagen. Da würden zum Beispiel die Bäder eingebaut, das Treppenhaus oder ein Lift. Denn Familie Baha will auf Sonnenberg wohnen. «An eine private Baustelle kann man nicht gleich hohe Anforderungen stellen wie an eine öffentliche», sagt Fankhauser.

Er lobt die Zusammenarbeit mit der Bauleitung. Der Bauherr sei durchaus kostenbewusst, aber: «Sie hören auf unsere Ratschläge.» Zu reden gibt, dass vor allem ausländische Arbeitskräfte auf Schloss Sonnenberg arbeiten. Das sei «sein eigener kleiner Bautrupp», der auch schon ein Schloss in Wien für Baha renoviert habe, weiss Elser. Fankhauser sagt, eine Schweizer Bauleitung würde manches vielleicht anders machen. «Aber das Ergebnis ist deshalb nicht schlechter.» Ausserdem würde die Denkmalpflege bei heiklen Fragen eigene Experten hinzuziehen. Insgesamt stellt Fankhauser dem Team ein gutes Zeugnis aus: «Es passieren auf Sonnenberg nicht mehr Fehler als auf anderen vergleichbaren Baustellen.»

Vom Wohntrakt enttäuscht

Gianni Christen, Geschäftsführer der Thurgauer Heimatschutzvereinigung, hat die Renovationsarbeiten besichtigt. Sein Eindruck: Die historischen Räume würden unter Leitung der kantonalen Denkmalpflege bestimmt sehr gut renoviert. Vom Wohntrakt ist er jedoch enttäuscht. Durch die vorgesetzten neuen Wände werde zwar keine Bausubstanz zerstört, der Charakter der Räume werde aber total verändert. Das passe nicht zu einem Objekt von nationaler Bedeutung, das im Hinweisinventar als besonders wertvoll eingestuft sei, sagt Christen. «Bei anderen Objekten erlebe ich die Denkmalpflege anspruchsvoller und konsequenter, auch was die Wahl der Fenster oder Baumaterialien anbelangt.»

Im Rittersaal wird der restaurierte alte Parkettboden neu verlegt.

Im Rittersaal wird der restaurierte alte Parkettboden neu verlegt.

Blick von Südwesten: Stich von Johann Melchior Füssli (1677–1736).

Blick von Südwesten: Stich von Johann Melchior Füssli (1677–1736).