STEIN AM RHEIN: Mit Respekt und Kundennähe

Manche bedeutende Persönlichkeit lebt unauffällig in der Region von Untersee und Rhein. So wie Obi-Gründer Manfred Maus. An der Bundesfeier in Wagenhausen trat er als Festredner auf. Ein Porträt.

Gudrun Enders
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Manfred Maus am Rhein. (Bild: Gudrun Enders)

Manfred Maus am Rhein. (Bild: Gudrun Enders)

«Ich habe in meinem Leben noch nie gearbeitet.» Das sagt ausgerechnet Manfred Maus. Tatsächlich ist er mit über 80 Jahren noch äusserst aktiv und wach. Aber mit solchen Aussagen verblüfft er zielsicher seine Zuhörer. Rasch schiebt er die Erklärung nach: Er mache, was ihm Freude bereite. Deshalb fühle es sich nicht wie Arbeit an. Deshalb wurde er Unternehmer. Deshalb gründete er den Baumarkt Obi und brachte die Franchise-Idee nach Deutschland.

Dabei hatte ihm sein erster Chef bescheinigt, er sei nicht clever genug für die Geschäftswelt. Das war in den 50er-Jahren im Nachkriegsdeutschland, denn Maus ist im nahen Hegau in Gottmadingen zur Welt gekommen. Er absolvierte dort eine kaufmännische Ausbildung in einer Eisenwarenhandlung. Dabei kam ihm nicht in den Sinn, seine Kunden übers Ohr zu hauen. Er liess Kohlen vor den Regentagen ausliefern. Andernfalls hätte er aber für eine Tonne mehr Wasser und weniger Brennstoff auf die Waage gebracht. Das fand jedenfalls sein Chef und beschied dem jungen Maus: «Aus dir wird mal nichts.»

Respekt und Konsequenz

Schon damals waren Werte und Respekt ein zentrales Thema für Maus. Das beschäftigt ihn als Unternehmer permanent und auch heute noch, da er sich zumindest emotional Tag und Nacht mit Obi verbunden fühlt. Diese Konsequenz in Sachen christlicher Werte hat ihm letztlich den Silvester-Orden eingebracht, die höchste päpstliche Auszeichnung für Laien.

Manchmal haben ihn seine Werte auch vor grössere Schwierigkeiten gestellt. In China weigerte er sich, Schmiergeld zu zahlen, obwohl das dort als Teil der Geschäftskultur angesehen wird. Auch fingierte Rechnungen akzeptierte er nicht, um Obi an einem Standort zu etablieren. Tatsächlich gab es 14 Obi-Märkte in China. «Meines Wissens war das ohne Bestechung möglich.»

Maus sieht sich stark von seiner Grossmutter geprägt, die eine Mühle samt Sägewerk in Tengen betrieb. Sie schärfte ihm ein: «Buebli, wenn Du nicht mehr weiter weisst, dann sag die Wahrheit.» Als Ministrant sah er zudem im Pfarrer einen Ersatzvater. Sein leiblicher Vater kam 1945 aus dem Krieg zurück, genauer geht Manfred Maus nicht darauf ein. Er ist mit einem älteren Bruder – dem legendären Konstanzer Landrat Robert Maus – und einer Schwester aufgewachsen. Manfred Maus hat selbst drei Kinder, die sich alle selbständig machten. Mit seinen Enkeln geht er gerne shoppen, etwa in London, wenn gewünscht.

Ans andere Rheinufer hinüber

Der eigene Vater war es, der Manfred Maus vor langer Zeit nach Stein am Rhein brachte. Der Vater genoss es, mit den drei Enkeln am Rhein zu spazieren, und kaufte schliesslich in Stein am Rhein ein Haus. Dieses schenkte er der Schwiegertochter, also der Gattin von Manfred Maus. Mit den Steuern habe das rein gar nichts zu tun gehabt, sagt Maus, der einen zweiten Wohnsitz bei Köln hat. Der Obi-Gründer ist voll des Lobes über die Schweiz, die er für das wohl innovativste Land der Welt hält. Das Unternehmertum von Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler lernte er einst in Rüschlikon kennen. Er bewundert dessen grosse Kundennähe gepaart mit einer sozialen Einstellung.

Mit über 80 Jahren zeigt sich Manfred Maus weiterhin sehr lebendig und präsent. Kaum ist das Interview in der Gaststätte Camping in Wagenhausen beendet, verwickelt er die Serviertochter in ein lockeres Gespräch – vielleicht über Baumärkte.