STEIN AM RHEIN: Für ferrophile Nostalgiker

Heute rollt die grösste je hierzulande erbaute Modelleisenbahn vom Stapel. Bevor sie in den USA zum Einsatz kommt, dürfen Besucher sie noch besichtigen.

Margrith Pfister-Kübler
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Charles Ball schraubt an letzten Details an der Caboose, dem hintersten Wagen des Güterzugs. Nachgebaut ist er nach dem historischen Original aus den USA. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Charles Ball schraubt an letzten Details an der Caboose, dem hintersten Wagen des Güterzugs. Nachgebaut ist er nach dem historischen Original aus den USA. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Margrith Pfister-Kübler

unterseerhein

@thurgauerzeitung.ch

Verrückt, unfassbar, wunderschön: Es ist die grösste Krokodil-Modelllokomotive, die in der Schweiz je gebaut wurde. Eine RhB Ge 6/6 C-C, dazu vier RhB-Personenwagen und ein Caboose. Die Chance für den Bau dieser Bahn kam vor rund zwei Jahren: «Weil wir die Besten sind», lacht Charles Ball von der Balson AG. Ein Pionier, wie schon sein verstorbener Vater, der voll auf technische Präzision und formvollendete Schönheit stand. Ein Verrückter seines Fachs, sympathisch und ob seiner Leistungen extrem bescheiden.

Die Balson AG in Stein am Rhein baut seit rund 40 Jahren Loks, welche mit Kohle betrieben werden. Ein hervorragendes Renommee kann Balson belegen. Um all die Details für den exklusiven Zug vollendet zu gestalten, stand Ball mit vielen Fachleuten in Kontakt. So sind die Polsterarbeiten im Caboose von der Sattlerei Rutishauser in Frauenfeld gefertigt. Voller Stolz weist Spengler-Sanitär Paul Angele aus Wil auf das Kupferdach des amerikanischen Schlusswagens, dem Caboose, der in den Original-USA-Zügen stets am Schluss der Güterwagen angehängt war, mit Aufpassern drin. Überfälle waren schliesslich an der Tagesordnung. Jedes Detail des gesamten Zuges ist authentisch nachgebaut. «Das Krokodil ist die grösste Modelllokomotive, im Massstab 1 zu 2,7, Spurweite 15 Zoll (381 mm), welche je in der Schweiz produziert wurde.»

Doch wozu der Aufwand eines Roll-Outs beim Firmengelände? «Nur um den Leuten eine zu Freude machen», sagt Charles Ball nicht ohne Stolz. Es sei schon einmalig, so etwas Grosses zu bauen, auch emotional.

Wert eines «richtig schönen Hauses»

Über Kosten für diese exklusive Zugkomposition spricht Ball nicht. Er gibt aber zu, dass man «dafür ein richtig schönes Haus bauen könnte». Insgesamt wiegt der Zug über zehn Tonnen, und die gesamte Zugkomposition hat eine Länge von 40 Metern. «Die Sicherheit, die Produktehaftung für die USA. Da muss wirklich alles narrensicher sein», erzählt Ball über die Herausforderungen beim Bau. So musste zum Beispiel eine Spezialfirma die Kippstabilität nachrechnen. Es muss alles nachgewiesen werden, selbst wer «ein Löchli gebohrt hat». Denn sollte dieses «Löchli» Ursache eines Unfalls sein, dann werde im Schadensfall jeder zur Rechenschaft gezogen. Die seetüchtige Verpackung und die Verschiffung wird durch eine Schweizer Spezialfirma getätigt. 60 Tage, alles verpackt in Container, dauert die Reise des Zuges ab Stein am Rhein bis zum Weingut Halter Ranch Vineyard Paso Robles in Kalifornien. Dort dürfen die Fahrgäste auf einer vier Kilometer langen Eisenbahnstrecke als Attraktion die Rebberge besichtigen und Wein geniessen.

Roll-Out: Heute, 13.30 Uhr, Kaltenbachstrasse, Stein a. Rh.