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STECKBRIEF: «Mein erstes Tattoo habe ich mir selber gestochen»

Mini Büez
Silvan Meile

Der bekannte Tätowierer Herbert Hoffmann hatte zu mir gesagt: «Das Gen hast du, oder du hast es nicht.» Damit meinte er das Flair für Tattoos. Für die Abschlussarbeit meiner Lehre als Koch hatte ich damals Hoffmann in Heiden interviewt. Das entsprechende Gen, wie Hoffmann es nannte, habe ich, so viel steht fest. Ich will tätowiert sein, so viel wie möglich. Tattoos haben eine sehr lange Tradition. Auch die über 5000 Jahre alte Gletschermumie Ötzi weist zahlreiche Tätowierungen auf.

Mit 18 Jahren habe ich mein erstes Sujet gestochen, an mir selber, an meinem Bein, unter Beaufsichtigung meines damaligen Meisters. Früher war es deutlich schwieriger, an die nötigen Geräte und Kenntnisse heranzukommen, um ein anständiges Tattoo stechen zu können. Man musste sich jemanden suchen, der einen als seinen Praktikanten akzeptierte und seine Tricks verriet. Heute kann beides vermeintlich einfach mit wenigen Klicks im Internet besorgt werden. Dadurch kommen ab und zu auch Leute zu mir, die sich zu Hause vom Kollegen tätowieren liessen und dann fragen, ob ich es allenfalls etwas verbessern könne.

In zwei Studios in der Schweiz habe ich ursprünglich tätowieren gelernt. Auch während Aufenthalten in den USA konnte ich viel profitieren und lernte Leute aus dieser Szene kennen. Ab und zu schauen wirklich gute Tätowierer aus Übersee in meinem Studio in Sirnach vorbei, bieten ihre Dienste an.

So richtig zu tätowieren angefangen, habe ich an Kollegen aus der Punk- und Skateboarderszene. Da gehört es zum Lebensstil. Die haben keine Fragen gestellt, sondern nur gesagt: «Tätowier mich.» Heute hab ich natürlich viele anspruchsvolle Kunden, die mehrmals vorbeikommen, bevor sie sich tatsächlich entscheiden. Das läuft jetzt professionell ab. Tätowieren ist für mich als Familienvater mit drei Kindern zum Beruf geworden. Letzthin durfte ich den Schwinger Daniel Bösch tätowieren, das hat mich gefreut.

Mein Studio zeichnet sich dadurch aus, dass es sehr persönlich ist. Ich geh auf die Kunden ein, suche das Gespräch. Das schätzen vor allem die Älteren. Die älteste Kundin war eine 75-jährige Frau. Sie liess sich von mir die Initialen ihres verstorbenen Ehemanns und das Hochzeitsjahr auf die Schultern stechen. Die vielen bekannten Sportler mit ihren tätowierten Unterarmen sind gute Publicity für mich. Sie helfen mit, Tattoos salonfähig zu machen. Gleichzeitig ist aber die Konkurrenz in diesem Geschäft in den letzten Jahren riesig geworden. Früher bist du weit gereist, um zum Tätowierer zu gelangen. Heute musst du nur noch ins Nachbardorf.

Normalerweise müssen meine Kunden 18 Jahre alt sein. In Begleitung der Eltern geht es auch ab 16. Ich verlange dann von beiden die Identitätskarten. Man muss vorsichtig sein. Ein Kollege in den USA hat einen 16-Jährigen in Begleitung seines Vaters tätowiert. Danach bekam er grosse Probleme, weil der Vater das Sorgerecht nicht hatte. Das könnte theoretisch auch hier passieren.

Ich tätowiere alles, ausser rassistische Symbole. Wenn einer hier mit Springerstiefel und Glatze reinspaziert und sagt, er wolle ein Hakenkreuz, dann steig ich nicht ein. Jeder muss so etwas selber abwägen. Als Tätowierer steht man zumindest zu einem Teil hinter der Bedeutung der Symbole. Bei gewissen Wünschen musste ich auch schon sagen: «Du, das sieht aber nicht so cool aus.» Ich versuche jedenfalls, jemanden vor Peinlichkeiten zu bewahren. Ein Trend ist, dass die Leute heute zuerst jene Körperstellen, die sichtbar sind, tätowieren lassen. Etwa die Unterarme. Früher war das anders. Da fing man dort an, wo man es noch einfach verdecken kann. Ich habe auch schon Gesichter tätowiert. Selber habe ich dort noch kein Tattoo. Ich fülle zuerst die restlichen Körperstellen, viel Platz bleibt aber nicht mehr.

Notiert: Silvan Meile

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