STECKBRIEF: «Jedes Pferd ist eine neue Herausforderung»

Mini Büez

Larissa Flammer
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Ich bin mit Pferden aufgewachsen und daher selber im Pferdesport unterwegs. Springen, Dressurreiten; ich mache alles. Heute habe ich zwei eigene Pferde: Junior und Senior – auch wenn sie natürlich nicht wirklich so heissen. Aber das eine ist 6, das andere 21 Jahre alt. Aufgrund dieser Leidenschaft hatte ich von klein auf den Berufswunsch, etwas mit Pferden zu machen.

Zuerst habe ich in den Beruf Bereiterin reingeschnuppert, bei dem man Pferde und Reiter ausbildet. Davon raten einem aber alle ab, weil es ein richtiger Knochenjob ist. Als dann mal der Sattler bei uns vorbeigekommen ist, bin ich auf die Idee mit diesem Beruf gekommen. Ich habe mich umgesehen und bei der Reit- & Fahrsport-Sattlerei Ruedi Gerber in Berg eine Lehrstelle gefunden. 30 Minuten Weg hatte ich damals mit dem Töffli. Die ÖV-Verbindungen vom Seerücken nach Berg sind leider nicht so gut. Der Beruf des Sattlers ist nicht mehr so verbreitet.

Beim Familienbetrieb in Berg bin ich mittlerweile seit elf Jahren. Heute bin ich die Werkstatt- chefin, wir bilden noch immer Lehrlinge aus. Ich bin etwa zu 50 Prozent in der Werkstatt, die anderen 50 Prozent im Aussendienst. Dabei bin ich Verkäuferin und Beraterin in Sachen Pferdesattel. Der Kundenkontakt ist mir sehr wichtig. Jeder Kunde und jedes Pferd ist eine neue Herausforderung. Einige sagen: Der Sattel muss einfach aufs Pferd passen. Dabei ist das falsch, ein Sattel muss für Tier und Reiter passen. Vor Ort lege ich verschiedene Modelle auf den Rücken des Pferdes und teste, was passt.

Auch in der Werkstatt konzentriere ich mich auf Sättel. Wir stellen sie nicht komplett selber her, sondern vertreiben die Sättel der Marke Prestige Italia. In der Lehre lernt ein Sattler unter anderem, wie man Leder zuschneidet und verarbeitet. Gegenüber Händlern sind wir gelernten Sattler im Vorteil, weil wir wissen, was alles möglich ist.

Für mich ist der Beruf als Sattlerin – oder als Fachfrau Leder und Textil, wie es heute heisst – durch den Kundenkontakt im Aussendienst sehr vielseitig. Nur die Weiterbildungsmöglichkeiten sind beschränkt. Ein Sattler sammelt jedoch sehr viel eigene Erfahrung. Man kann nicht sagen: So ist es richtig und so nicht. Jeder macht etwas ein wenig anders. Schlussendlich muss ein Sattel passen und gefallen. Mich motiviert vor allem die Tatsache, dass ich Pferd und Reiter bei ihrem gemeinsamen Training unterstützen kann.

Für das Fachgeschäft der Reit- & Fahrsport-Sattlerei Ruedi Gerber stellen wir unter anderem auch Pferdegeschirre, Töfftaschen, Hundeleinen und -halsbänder sowie Polsterarbeiten für den Öffentlichen Verkehr her. Wir fertigen handwerklich anspruchsvolle und für den Kunden individuell passende Produkte aus Leder.

Notiert: Larissa Flammer