Steckborn: Werner Strasser packt aus

STECKBORN. Der Steckborner GPK-Präsident Werner Strasser wirft dem amtierenden Stadtammann Thomas Baumgartner mangelndes Demokratieverständnis vor. Die GPK erhält nur noch zensierte Stadtratsprotokolle.

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Der Stadtrat macht der GPK das Leben schwer, sagt Werner Strasser. (Bild: Reto Martin)

Der Stadtrat macht der GPK das Leben schwer, sagt Werner Strasser. (Bild: Reto Martin)

In einem Leserbrief spricht GPK-Mitglied Marcel Hauser davon, dass der Stadtammann ein GPK-Mitglied zum Rücktritt aufforderte. Ging das an Ihre Adresse?

Werner Strasser: Ja. Als ich 2007 zur GPK kam, habe ich über das schlechte Verhältnis zwischen GPK und Stadtrat gestaunt. Der Kanton schreibt grundsätzlich keine GPK vor, sondern nur eine RPK.

Deshalb haben wir gesagt: Entweder vernünftige Zusammenarbeit oder ändert die Gemeindeordnung und hebt die GPK auf! Dieses Katz-und-Maus-Spiel bringt nichts. Dann hat sich GPK-Präsident Roman Donatsch entschieden, zurückzutreten, und ich wurde als Nachfolger gewählt.

Weshalb hat Sie der Stadtammann zum Rücktritt aufgefordert?

Strasser: Weil GPK-Mitglieder, insbesondere ich, mit Leserbriefen dazu beigetragen haben, dass die erste Zonenplanänderung bachab geschickt wurde.

Die gröbsten Fehler wurden daraufhin korrigiert und im zweiten Anlauf kam die Abstimmung durch. Die GPK ist der Meinung, dass wir uns als Privatpersonen zu Geschäften äussern dürfen. Wir dürfen dabei keine Interna verwenden.

Haben Sie damals aus dem Nähkästchen geplaudert?

Strasser: Nein, wir haben nur Bezug genommen auf die bereits versandte Abstimmungsbotschaft, und das ist erlaubt.

Kann ein Stadtammann den vom Volk gewählten GPK-Präsidenten zum Rücktritt auffordern?

Strasser: Wer ein Problem hat mit dem grundsätzlichen Demokratieverständnis, der handelt so.

Das ist deutlich.

Strasser: Natürlich. So wie es im Feldbach heute läuft, darf ich als Privatperson den Steckbornern empfehlen, den Hans-im-Glück-Brunnen beim Seeschulhaus ins Feldbach zu verlegen. Der Stadtrat wird es fertigbringen, im Feldbach Ost aus einem Goldklumpen einen Mühlstein zu machen.

Wie meinen Sie das?

Strasser: Die Stadt erbringt mit Abbruch und Erschliessung Vorleistungen in Millionenhöhe, hat Mietzinsausfälle und muss einen Teil der Hafeninfrastruktur verlegen. Der Baurechtszins fliesst erst in zwei bis drei Jahren und wird die Schulden lange nicht amortisieren. Für den durchschnittlichen Stimmbürger ist das ein schlechtes Geschäft. Kein Unternehmer würde so investieren. Auf das hat die GPK aufmerksam gemacht und Vorschläge zur Verbesserung eingereicht.

Das hat dem Stadtrat nicht gepasst. So kam es zur heutigen Situation.

Die GPK soll nur noch gekürzte Stadtratsprotokolle erhalten.

Strasser: Richtig, die GPK erhält nur noch gekürzte und zensierte Protokolle. Dadurch wird unsere Arbeit mühsamer und verzögert sich, denn wir müssen die fehlenden Unterlagen entsprechend nachfordern. Wer sich seiner Amtsführung und seines Tuns und Handelns sicher ist, der braucht solche Aktionen nicht.

Empfehlen Sie Stadtammann Baumgartner zur Abwahl?

Strasser: Das darf ich nicht. Der aufmerksame Leser stellt aber fest, dass niemand von der GPK im Wahlkomitee von Baumgartner zu finden ist.

Brennt noch etwas auf der Seele?

Strasser: Ja, nach der Abstimmung am 13. Februar werden wir, so wie es aussieht, mangels Kandidaten in Steckborn keine RPK mehr haben. Das wird in diesem Wahlkampf bis anhin gar nicht thematisiert. W

essen Aufgabe ist es denn, für die nötige Besetzung der Gremien entsprechend der Gemeindeordnung zu sorgen?

Interview: Gudrun Enders

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