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STECKBORN: Wenn das die Kühe wüssten

Stadtrat Gregor Rominger hat eine Engadiner Heusuppe gekocht. Verspeist wurde diese an einer Stubete mit subversivem Charakter im Haus zur Glocke.
Margrith Pfister-Kübler
Heu vom ersten Schnitt aus Zuoz ist die Grundlage der besonderen Engadiner Spezialität, die Gregor Rominger kochte. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Heu vom ersten Schnitt aus Zuoz ist die Grundlage der besonderen Engadiner Spezialität, die Gregor Rominger kochte. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

STECKBORN. Künstlerin Judit Villiger lud am Wochenende zur Stubete in die Stube des Hauses zur Glocke. Es ist das Haus just gegenüber des im 14. Jahrhundert erbauten Hauses «Zur alten Tanne» an der Seestrasse, wo die in Stettfurt aufgewachsene Judit Villiger mit Ehemann Christoph Ullmann lebt. Die Häuser sind verbunden mit weissen fadenscheinigen Linien: für jedermann sichtbar, auch für ab und zu verdutzt schauende oder lyrisch ergriffene Passanten. Hinter den Mauern des Hauses zur Glocke erfreuten mit Konzerteinlagen Stéphanie Lobmaier & friends, die auch unter dem Namen «Katzesteffan, das Lügenorkestar» mit musikalischen Interaktionen begeistern, wo auch den Fröschen Lieder und Texte gewidmet sind. Schliesslich sind diese in der Ausstellung «Transkantonales Tauschgeschäft» ein Thema (siehe nebenan).

Es muss vom ersten Schnitt sein

Die Stubete erfüllte aber speziell am Samstag kulinarische Gelüste mit einer schöpferischen Suppe aus Engadiner Bergheu. Es war ein Akt von Stadtrat Gregor Rominger, dem Engadiner, für den Thurgau. Gekocht wurde die Suppe schon am Freitag bei Romingers zu Hause, weil die Herstellung sehr aufwendig ist. Stadtrat Rominger stand einen halben Tag am Herd, unterstützt von Ehefrau Gabi. «Sie ist die Spitzenköchin von uns», sagt Rominger. Er bringe nicht viel Praxis mit im Kochen. Das «mise en place» rief nach dem Sud vom Heu aus Zuoz, nach Kartoffeln, nach geriebenen Zitronenschalen, Zwiebeln, Wein und so weiter. Es gibt Rezepte im Internet. «Aber Vorsicht», sagt Rominger. «Den Sud nicht zu lange ansetzen, sonst wird's bitter.»

Auch dürfe der Geschmack nicht verfälscht werden. Es müsse Bergheu sein vom ersten Schnitt, denn nur da hat es viele Blumen drin, rund 50 Arten auf einem Quadratmeter, versicherte Gabi Rominger und zählte sie auf. Emd tauge nicht für die Suppe, denn da fehlen die Blumen. Alle Zutaten und das Ritual sind durch eine Sensibilität der Auswahl gesiebt worden.

Im Haus zur Glocke wurde nur noch aufgewärmt, verfeinert, mit frisch geschlagenem Rahm und mit getrockneten Engadiner Blumen dekoriert. Beim Ausschöpfen schwebte ein Duft von Ursprünglichkeit daher.

«Nid gruusig. Es ist wie Brei. Witzig!»

Die Fünftklässlerin Lovis Dierauer mag eigentlich keine Suppe, probiert aber trotzdem: Ihre Augen leuchten: «Guet, nid gruusig. Es ist, als hätte es Brei drin, witzig.» Judit Villiger spürte den Wein, Zwiebeln und Butter heraus. «Délicieux», lobte Christoph Ullmann. Kurt Krucker vom Lokalfernsehen musste erst die Luft aus der Nase herauslassen, um genüsslich festzustellen: «Es duftet tatsächlich nach Heu», was auch Susanne Eggmann von der Vollmondbar mit viel Lob erwähnte, denn gutes Kochen löse Stärke im Kopf aus, bringe Gleichgewicht, schöpferische Leistung, Wahrheit und lasse sich auch in die Werteskala der Politik einbringen.

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