Steckborn verliert Kern-Zimmer

Nach der Turmhof-Renovation ist kein Platz mehr für das Zimmer des berühmten Seebuben Johann Konrad Kern. Die Museumsverantwortlichen fürchten, dass im Turmhof am Ende überhaupt kein Platz mehr fürs Museum ist.

Gudrun Enders
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Im Zimmer des berühmten Kern sprechen Peter Imhof, Hans Peter Hausmann und Peter Röthlisberger (v. l.) über die Zukunft des Museums. (Bild: Reto Martin)

Im Zimmer des berühmten Kern sprechen Peter Imhof, Hans Peter Hausmann und Peter Röthlisberger (v. l.) über die Zukunft des Museums. (Bild: Reto Martin)

StECKBORN. «Das tut weh», sagt Hans Peter Hausammann zum Verlust des Kern-Zimmers. Seit fast 30 Jahren engagiert er sich ehrenamtlich für das Heimatmuseum. «Es gab Besucher, die allein wegen des Kern-Zimmers gekommen sind», sagt Peter Röthlisberger, der als Nachfolger von Hausammann gehandelt wird.

Minister Johann Konrad Kern, ein Seebub aus Berlingen, war ein wichtiger Politiker (siehe Kasten). Das Mobiliar seiner Pariser Wohnung kam zunächst nach Berlingen zu Grossnichte Albertina. Die vermachte das Zimmer dem Kanton Thurgau. Genaugenommen gehört es dem historischen Museum, beheimatet im Schloss Frauenfeld. Dahin geht es auch im Sommer zurück.

Kein Platz fürs Kern-Zimmer

«Wir haben zurzeit keine Räumlichkeiten, um es auszustellen», sagt Alexander Leumann, beim historischen Museum für Bildung und Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Vermutlich werde das Kern-Zimmer die nächsten Jahre im Depot liegen. Nach Steckborn kann es nicht zurück, denn dort ist kein Platz mehr. Das Museum muss sich nach der Turmhof-Renovation mit viel weniger Ausstellungsfläche zufriedengeben.

Überhaupt räumt das Museum zurzeit den Turmhof, damit umgebaut werden kann. Den Umzug organisiert Peter Imhof; der das Museumsdepot betreut. Vieles kann er in einem Zivilschutzraum in Steckborn einlagern.

Museum muss kämpfen

Zusätzlich schwelen Interessenkonflikte zwischen Museum und Turmhof-Stiftung. Dabei geht es um Geld. Eine halbe Million Franken werde der Stiftung vom Kanton für die Infrastruktur des Museums zur Verfügung gestellt, sagt Hausammann. Doch die Meinungen gingen auseinander, was darunter zu verstehen sei. Die Stiftung will damit Bauliches wie Heizung und Fluchtwege zahlen. Das Heimatmuseum würde aber gerne zum Beispiel eine neue Inneneinrichtung anschaffen.

Hans Peter Hausammann sitzt seit acht Jahren im Stiftungsrat: «Ich kämpfe seit acht Jahren fürs Museum», sagte er. In dieser Zeit schrumpfte die Ausstellungsfläche um etwa zwei Drittel, dafür sind Wohnungen im Turmhof vorgesehen, die die Stiftung vermieten will. Die Angst der Museumsverantwortlichen ist, dass sich die Stiftung mit dem Millionenprojekt übernimmt und anschliessend die Miete derart erhöhen muss, dass sich das Museum eine Ausstellungsfläche im Turmhof gar nicht mehr leisten kann.

Ausserdem müsste das Heimatmuseum in Steckborn dringend Geld sammeln, um das neue Museumskonzept umzusetzen. Dabei erweise sich die Turmhof-Stiftung zusätzlich als Klotz am Bein, finden die Museumsverantwortlichen. «Das Konzept der Turmhof-Stiftung wird von der Bevölkerung nicht getragen, deshalb spenden sie nicht», sagt Röthlisberger. Und so hoffen die Museumsleute auf mehr Einsicht seitens der Stiftung. Oder auf einen Lottogewinn.