STECKBORN: Unterirdische Erinnerungen

Zurzeit untersuchen Spezialisten den Boden im Feldbach auf Fremdstoffe und chemische Belastungen. Diese sind Überbleibsel aus Zeiten der Industrialisierung, für den Menschen stellen sie aber keine Gefahr dar.

Samuel Koch
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Von 1925 bis 1974 stand auf der Feldbachhalbinsel die Kunstseiden AG samt hohem Kamin. (Bild: PD/alt-steckborn.ch (Anfang 1950er-Jahre))

Von 1925 bis 1974 stand auf der Feldbachhalbinsel die Kunstseiden AG samt hohem Kamin. (Bild: PD/alt-steckborn.ch (Anfang 1950er-Jahre))

Samuel Koch

samuel.koch@thurgauerzeitung.ch

Sie bohren kleine Löcher, 35 insgesamt, verteilt auf die ganze Feldbach-Halbinsel: vom Parkplatz über das Schulhausareal an der Überbauung Nautilus und dem See & Park Hotel vorbei bis über die Wiesen nach vorne zum Untersee. Noch bis heute Freitag sind dort Ingenieure damit beschäftigt, den Boden nach Altlasten aus der Zeit der Industrialisierung zu untersuchen.

Seit 2012 sind Bereiche des Feldbachareals im Kataster der belasteten Standorte als «prioritär untersuchungsbedürftige Ablagerungsstandorte» dargestellt. «Die Resultate sind nicht ganz unerwartet», sagt Steckborns Bauverwalter Egon Eggmann. Die Auflagen erlasse das kantonale Amt für Umwelt (AfU), weshalb das Unterseestädtchen diverse Abklärungen in Auftrag gegeben hat.

Trotz Entwarnung noch kontaminierte Bereiche

Im Bereich der Uferauffüllungen seien schon vor drei Jahren vier Rotationskernbohrungen durchgeführt worden, um anhand von fixierten Messstellen Wasserproben zu entnehmen und zu prüfen. «Je nach Rückständen erkennt man, wie und ob sich die Uferauffüllungen auf die Seewasserqualität auswirken», sagt Eggmann. Erkennbare Gefahr für den Menschen bestehen aber keine, «sonst hätten wir längst Alarm geschlagen.» Trotzdem weisen die Uferauffüllungen kontaminierte Bereiche auf. «Es handelt sich dabei um mehrheitlich unbedenkliche Abbruchmaterialien alter Gebäude wie Ziegelstein, Metall oder Beton und weitere Fremdstoffe», sagt Eggmann. Damals seien diese von der Regierung bewilligt worden, «heute haben Altlasten aber einen anderen Stellwert als noch vor 40 oder 100 Jahren». Nachdem die Untersuchungen des Uferbereichs vom Surfplatz bis zur ARA abgeschlossen worden sind, folgt jetzt die Analyse des inneren Bereichs der Feldbach-Halbinsel.

Analyse der Erde, aber auch der Luft

Dafür verantwortlich zeichnet die CSD Ingenieure AG mit Sitz in Frauenfeld. Irène Meier zeichnet die Markierungen, die Bohrungen und die Tests übernimmt die Umweltmess GmbH im Auftrag. «Wir haben es hier mit zwei Methoden der Sondierung zu tun, einerseits der Rammkern, andererseits die Porenluft», sagt Meier. Bei ersterer bohren die Arbeiter rund vier Meter tief und entnehmen im Durchmesser von rund acht Zentimetern Untergrundproben. «Diese beurteilen wir mittels Augenschein und Geruch», sagt Meier. Zusätzlich schickt sie die Proben weiter ins Labor, wo noch exaktere Resultate zu erwarten sind. Bei der Porenluftbohrung hingegen bohren sie drei Meter tief, entnehmen Luft aus dem Boden und messen sie auf leichtflüchtige Gase oder Schadstoffe.

Die Erkenntnisse aus den Analysen fasst die CSD in einem technischen Schlussbericht zusammen. Diesen übergibt sie der Gemeinde sowie der kantonalen Behörde. Bis die exakten Messergebnisse aber vorliegen, dauert es noch, heisst es beim AfU.