STECKBORN: Täublein mit Tiefgang

Das Basler Theaterensemble Maria Thorgevsky und Dan Wiener zeigt am 7. Januar im Phönix-Theater seine Eigenproduktion «Tejbele». Der Stoff dafür stammt von Nobelpreisträger Isaac Bashevis Singer.

Drucken
Teilen
Maria Thorgevsky spielt die Figur Tejbele. (Bild: Bernhard Fuchs/PD)

Maria Thorgevsky spielt die Figur Tejbele. (Bild: Bernhard Fuchs/PD)

Was ist das wahre Leben? Das «normale» für alle sichtbare Leben, oder das verborgene Leben unserer Wünsche und Vorstellungen? Es ist keine einfache Frage, mit der sich das Theaterensemble Maria Thorgevsky und Dan Wiener auseinandersetzt. «Tejbele» – jiddisch für «Täubchen» – heisst ihr Stück, mit dem die zwei Basler am 7. Januar auf der Bühne des Steckborner Phönix-Theaters stehen. Nach «75000» nach Sholem Alejchem ist «Tejbele» nicht nur eine neue Übersetzung eines jiddischen Stoffes durch Thorgevsky und Wiener, sondern auch eine eigene neue Umsetzung der literarischen Urfassung des Nobelpreisträgers Isaac Bashevis Singer.

Gleichwohl haben es Thorgevsky und Wiener, selber Preisträger des Salzburger Stiers, trotz der eingangs aufgeworfenen Frage geschafft, ein «leichtes» Stück auf die Bühne zu bringen – wenn auch keine leichte Unterhaltung. Vielmehr überzeugen sie mit einem äusserst einfachen, dafür umso effektvolleren Bühnenbild. Mit Humor und Musikalität ist eine tiefgründige Liebesgeschichte entstanden.

Der Dämon und seine Kräfte

Tejbele lebt ein unspektakuläres Leben im Stedtl. Ihr Mann geht eines Tages für immer weg, aber da er noch lebt, kann sie nicht wieder heiraten. Ihre grosse Sehnsucht nach Liebe und Zärtlichkeit bleibt unerfüllt. Der einzige Ausweg liegt für sie in der Fantasie und der Spiritualität. Diese Sehnsucht nützt der Hilfslehrer Alchonon schamlos aus, als er sich als Dämon ausgibt, um von Tejbele Besitz zu nehmen. Der kümmerliche Nichtsnutz entwickelt als Dämon ungeahnte Kräfte. Was als Betrug beginnt, wandelt sich immer mehr zu einer wahren Liebesgeschichte, leidenschaftlich handfest, leicht und unbekümmert, doch stets auf die von Alchonon geschaffene Phantasiewelt beschränkt.

Maria Thorgevsky und Dan Wiener haben seit 1989 eine eigene Theatersprache entwickelt. Sie verbinden Theater mit Musik, Ost mit West, Gefühl mit Unterhaltung. Ihr Handwerk umfasst dabei nicht nur Schauspiel und Gesang. Maria Thorgevsky hat als Dramaturgin und Regisseurin ebenso zum Erfolg der letzten 27 Jahre beigetragen wie Dan Wiener als Komponist von Theatermusik, als Übersetzer aus dem Russischen und als Produzent. (red/kuo)

Phönix-Theater, Samstag 7. Januar, 20.15 Uhr, www.phoenix-theater.ch und www.wiener.ch