STECKBORN: Nette Videos reichen nicht

Um Kaffee- statt um Nähmaschinen ging es vergangene Woche in der «Bernina». Kantischüler versuchten sich in der Wirtschaftswoche als freie Unternehmer.

Christof Lampart
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Die Kanti-Schüler präsentieren die Geschäftszahlen ihrer fiktiven Aktiengesellschaft. (Bild: Christof Lampart)

Die Kanti-Schüler präsentieren die Geschäftszahlen ihrer fiktiven Aktiengesellschaft. (Bild: Christof Lampart)

STECKBORN. Kritische Zahlen, kritische Fragen: Auch wenn alles nur ein Spiel war – den Frauenfelder Kantonsschülern wurde schnell klar, dass es nicht reicht, an einer Generalversammlung ein paar nette Videos zu zeigen, um die Gunst der Aktionäre zu gewinnen. 18 Schülerinnen und Schüler schlüpften vergangene Woche in die Rollen der Geschäftsleitung und führten drei fiktive Hersteller von Kaffeemaschinen von der Gründung der Aktiengesellschaft am Montag bis hin zur Generalversammlung am Freitag, wobei jeder Tag einem Geschäftsjahr entsprach.

Es ist in der realen Wirtschaft nicht immer alles so einfach, wie man es sich als Jungunternehmer erhofft. Das zeigte sich, als sich die Firmen vorstellten. Die Firma Kampala wirbt mit dem Slogan «Günstiger Genuss für alle», Hersteller De Mocca sagt: «Auch Clooney findet unsere Kaffeemaschine besser». Die dritte fiktive Firma schliesslich, Xpresso, ist laut der Geschäftsführung «Ökologisch und ökonomisch nachhaltig» und «Xpresso».

Um einige lehrreiche Erfahrungen reicher

Zwar stimmte bei allen drei Firmen das Preis-Leistungs-Verhältnis, doch entweder liess die Rendite zu wünschen übrig oder die Performance des Unternehmens war – über alle fünf Jahre gesehen – zu sprunghaft. Dabei hatten sich alle Jungunternehmer während der ganzen Woche wirklich sehr ins Zeugs gelegt. Anfänglich mit viel Enthusiasmus und wenig Erfahrung aus der Praxis, am Ende zwar nicht mit weniger Feuereifer, dafür jedoch um einige lehrreiche Erfahrungen reicher.

Nicht alle hätten in der Realität bestanden

Wie es ist, wenn man die Verantwortung für eine Firma und deren Kunden, Mitarbeiter, Lieferanten und Kapitalgeber trägt, das erfuhren die Frauenfelder Kantischüler im Rahmen dieser Wirtschaftswoche in Steckborn. Am Ende der Woche sollte eine ökologisch und ökonomisch nachhaltige Marke stehen, die sowohl bei den Mitarbeitern als auch beim Konsumenten beliebt ist. Und natürlich ein zu erzielender Gewinn von 2,5 Millionen Franken. Und an der Generalversammlung am Freitag wollten sie den Aktionären den Beweis erbringen, dass sie noch mehr geleistet als versprochen hatten – und nicht umgekehrt.

Ob das eine oder andere Managementteam die fünf Spieljahre im realen Wirtschaftsleben schadlos überstanden hätte, lässt sich zumindest bezweifeln. Doch eines steht fest: Die Wirtschaftswoche, stiess bei den Jugendlichen auf ein reges Interesse. «Man merkte, dass es einige Schülerinnen und Schüler dabeigehabt hat, die schon mit ziemlich viel Vorwissen hier ankamen. Das hat dann natürlich auch uns Kursleitern die Aufgabe ziemlich erleichtert», sagt Nadia Aebli von der Zürcher Kantonalbank.

Und auch wenn nicht alle durchgängig ihre Ziele erreichten – als Gewinnerinnen und Gewinner durften sich alle fühlen, denn für die wirtschaftlichen Zusammenhänge wurden garantiert alle sensibilisiert.