STECKBORN: Nach dem Altstadtbrand wurde jetzt das erste Gebäude renoviert

Der verheerende Altstadtbrand ist Geschichte. Als erstes der betroffenen Häuser ist der kleine Riegelbau an der Seestrasse 105 wieder bewohnbar. Eigentümer Daniel Nobs lud am Montag zur Besichtigung.
Judith Meyer
Eigentümer Daniel Nobs mit den Architekten Peter Dransfeld und Erkan Gönc sowie Stadtpräsident Roger Forrer bei der Besichtigung des wiederaufgebauten Hauses an der Seestrasse 105. (Bild: Donato Caspari)

Eigentümer Daniel Nobs mit den Architekten Peter Dransfeld und Erkan Gönc sowie Stadtpräsident Roger Forrer bei der Besichtigung des wiederaufgebauten Hauses an der Seestrasse 105. (Bild: Donato Caspari)

Judith Meyer

unterseerhein@thurgauerzeitung.ch

Sichtlich bewegt begrüsst Daniel Nobs am Montag kurz vor Mittag zur Führung durch sein renoviertes Altstadthäuschen. Nach dem grossen Brand vom 21. Dezember 2015 in Steckborns Altstadt hat er es mit viel Einsatz und der professionellen Hilfe des Büros Dransfeldarchitekten AG aus Ermatingen wieder bewohnbar gemacht. «Ich weiss noch genau, als wir von der Feuerwehr geweckt wurden und innert fünf Minuten unser Haus mit der Katze auf dem Arm und wenigen Effekten verlassen mussten», erzählt Nobs emotional.

Es sei eine seltsame Gefühlslage gewesen damals. Die Solidarität der Steckborner, welche die Familie in der ersten Phase grossartig unterstützt hatten, rührte ihn, und er sei heute noch sehr dankbar dafür. Mit Architekt Peter Dransfeld habe er für den Wiederaufbau einen guten Partner gefunden. Dransfeld erzählt über die erste Begegnung als noch Unbeteiligter mit dem grossen Brand von Weihnachten 2015. Dann erhielt er überraschend den Auftrag zur Wiederherstellung des kleinen, blauen Altstadthauses. Erst auf den zweiten Blick wurde offensichtlich, dass die Schäden des Löschwassers viel Arbeit zur Renovation mit sich bringen würden.

Renovation in Altstadt ist aufwendig

Gleich loslegen konnten sie aber nicht. Denn zuerst musste die Zusage für die Finanzierung durch die Versicherung stehen, dies dauerte ein Jahr. Und um wirklich die benötigten Arbeiten einschätzen zu können, brauchten die Fachleute sogar anderthalbe Jahre. Denn Renovationen in einer Altstadt sind komplex. Zum Beispiel stellte sich beim Haus von Nobs die Frage nach dem echten Verlauf der Gebäudegrenze. Es sei ein «Wahnsinnseinsatz der 28 beteiligten Firmen und eine gute Zusammenarbeit» gewesen, sagt Dransfeld. Dann bietet Nobs die Anwesenden zur Hausführung. Auf engen Treppchen schlängelt sich die Truppe in das Altstadthaus empor. Dem Betrachter bietet sich ein tolles Bild. Mit viel Licht und dezenten Farben punkten die kleinen Räume. In der Küche liess man ein Stück alte Steinwand von 1699 unverputzt stehen. Ein besonderes Highlight für die Familie ist der dritte Stock mit einem hellen Wohnzimmer, das sich auf die ganze Stockwerkfläche ausdehnt und mit einem Schwedenofen pure Gemütlichkeit ausstrahlt.

Auch im Laden wird sich etwas ändern. Mit dem 30 Quadratmeter grossen Showroom gibt es keine Möglichkeit mehr, ein Warenlager zu unterhalten. Doch das Sortiment des Ladens im Erdgeschoss wird dasselbe sein: mit Basics zum Bedrucken und Besticken sowie Modeteilen wird der Palm-Beach-Laden am 10. April wiedereröffnet werden. Zum Schluss erinnert Stadtpräsident Roger Forrer an die mitreissenden Ereignisse der Brandnacht und daran, dass der Wiederaufbau in der Altstadt nicht für alle einfach werden wird. Aber: «Ich bin froh und dankbar, dass Daniel Nobs und seine Familie das Projekt durchgezogen haben und nun wieder hier in ihrem alten Haus leben können.»

Der Altstadtbrand kurz vor den Weihnachtsfeiertagen

Amfrühen Morgen des 21. Dezembers 2015 brach an der Seestrasse in Steckborns Altstadt ein Brand aus, der sich später über mehrere Gebäude ausdehnte. Es dauerte Stunden, bis das Feuer eingedämmt war. Sechs Gebäude wurden beschädigt und 30 Personen obdachlos, aber niemand verletzt. Die Solidarität der Steckbornern war legendär. Mit Spenden und tröstenden Worten standen sie den Betroffenen zur Seite. Die Brandursache war ein schnell aufladbarer Lithium-Polymer-Akku, der sich in einem der betroffenen Gebäude befand. Der Sachschaden belief sich auf sechs Millionen Franken. Nach der Brandkatastrophe wurde von der «Stiftung Ortsbild Steckborn» öffentlich ein Architekturwettbewerb ausgeschrieben. Das Siegerprojekt heisst «L’aquilino» und wird vom Büro Pater aus Zürich betreut. (jme)

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