STECKBORN: Mit viel Mut und noch mehr Disziplin

Bea Petri, eine der bekanntesten Maskenbildnerinnen der Schweiz und Geschäftsfrau, liess sich im Phönix-Theater Steckborn hinter die Schminke blicken.

Margrith Pfister-Kübler
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Theaterleiter Philippe Wacker im Gespräch mit Bea Petri. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Theaterleiter Philippe Wacker im Gespräch mit Bea Petri. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

STECKBORN. Jeder Platz war besetzt, Besucher kamen von weither, sogar aus Fulda. Auch die Witwe von Schauspieler Matthias Gnädinger, Ursula Gnädinger, sass mit Tochter Laura im Publikum.

Unter dem Titel «Buchpräsentation – Bea Petri – Ungeschminkt» startete das Phönix-Theater Steckborn in die neue Saison am Donnerstagabend. Der Autor des Buches ist Andreas Turner. Das Vorwort für Bea Petris Buch hätte Mathias Gnädinger schreiben sollen, doch der Tod kam ihm zuvor.

Deshalb ist als Vorwort ein Brief Petris an Gnädinger abgedruckt. Erinnerungen an Filmdreharbeiten in Afrika, Sizilien, für die Serie «Lüthi und Blanc» und weiteren sowie eine Liebeserklärung an die Freundschaft.

«Frauen, bleibt unabhängig!»

Da sass sie nun in Turnschuhen, sonnengebräunt, ganz in Weiss gekleidet, die Bernerin, die Weltbürgerin, die nun mit ihrem Mann Thomas Feurer, Ex-Stadtpräsident von Schaffhausen, in Steckborn lebt. gegenüber sitzt Philippe Wacker, der Theaterleiter und Interviewer. Lockeres Plaudern. Warum dieses Buch? Ihre Botschaft kam ohne Umschweife «Frauen, bleibt unabhängig, ohne schlechtes Gewissen! Auch wenn es anstrengender ist als zu resignieren.» Träume mit Mut und viel Fleiss umsetzen, das ist ihr Rezept. Sie blendete in ihre Kindheit in Bern, Vater Drogist mit Herzblut und witzig, Mutter wahnsinnig streng. So ihre Erinnerung. Als sie als Teenager verliebt war, hat die Mutter sie in die USA geschickt. «Ich musste in einer Garage hausen und hatte furchtbar Heimweh und nahm 20 Kilo zu», erzählt sie. Die Lesung unterbricht sie immer wieder mit temporeichen Erzählungen. In der Schweiz zurück heiratete sie Laszlo Petri, bekommt die Töchter Kim und Lia, dann Trennung.

Um einen Job zu bekommen, stellte sie sich selbst Zeugnisse aus. «Mir ging es schlecht, auch finanziell.» Doch mit grosser Disziplin kam der unaufhaltsame Aufstieg. Ihr kunterbuntes Leben auf Film-, Theater- und Fernsehproduktionen, als Gründerin der Firma Schminkbar – heute sechs Filialen und 100 Mitarbeiter – und als Schweizer Unternehmerin des Jahres 2012 wurden mit Worten und Bildern erlebbar gemacht. Von Harald Juhnke bis George W. Bush. Sie lachte ihr herzliches Lachen: «Ich kann gut mit schwierigen Leuten umgehen.» Ab und zu ging ein Raunen und spontaner Applaus durchs Publikum.

Sie ist eine, welche die Menschen liebt

Offen sprach sie über Kosmetik und Schönheitsoperationen. Interviewer Philippe Wacker bezeichnete Petri als «Stehauffrau». Aus ihren Worten ging viel soziale Verantwortung für Mitarbeiter hervor. Auch das Thema Alter liess sie nicht aus. Sie liebt die Menschen, das muss man ihr lassen, und sie erweist sich bei näherem Zusehen als eine schweizerische Pippi Langstrumpf, natürlich eine erwachsene Pippi Langstrumpf.

Der Abend bot blitzblanke Lebensschule und das Buch – klar und klug geschrieben – vervielfacht das Gehörte. Das Steckborner Publikum war mehr als begeistert. Danach wurde im Foyer beim Schlummertrunk diskutiert, während Bea Petri ihre Bücher signierte.