STECKBORN: In kleinen Schritten kürzertreten

Bea Petris Leben liest sich wie eine Soap: mit Schickssalschlägen, Triumphen und Durchhaltewillen. Mittlerweile wohnt die gebürtige Bernerin in Steckborn. Die bekannte Unternehmerin hat hier ihren Rückzugsort am Untersee gefunden.

Alexandra Looser
Merken
Drucken
Teilen
Blick auf den Untersee: Bea Petri und ihr Hund Gödeli haben es auf der Couch bequem. (Bild: Reto Martin)

Blick auf den Untersee: Bea Petri und ihr Hund Gödeli haben es auf der Couch bequem. (Bild: Reto Martin)

Als Bea Petri von ihrem ersten Mann geschieden wurde, fälschte sie ein Arbeitszeugnis, um von nun an als moderne Frau über die Runden zu kommen. Das war Anfang der 80er-Jahre. Petri stand vor dem Nichts. Frühere gemeinsame Freunde wandten sich ab, das Geld war knapp. Sie zog mit ihren beiden Töchtern Kim und Lia in eine Frauen-WG in Bern und erfand nach einem Nachtessen bei den Nachbarn ihr Leben von Grund auf neu.

«Jemand erzählte, wie toll das Arbeitsklima im Fernsehstudio des Bundeshauses sei», erzählt Petri. Sie habe nachgefragt, ob sie sich dort nicht vorstellen könne. Zwei Wochen später klingelte ihr Telefon: «Wir suchen eine Schminkerin», hiess es. «Das kann ich», sagte Petri. Weniger zur Stimme am Telefon, als zu sich selbst. Kurzerhand schrieb sie sich ein Arbeitszeugnis, das ihre Fähigkeiten als Schminkerin lobte und liess es von einem befreundeten Fotografen unterschreiben. Das Fernsehstudio engagierte sie. Eine lebenslange Passion begann.

Dürrenmatts Stirn gepudert

Seit damals sind mehr als 30 Jahre vergangen. Petri besitzt mittlerweile sechs Beautysalons namens Schminkbar in Zürich, Winterthur und einer Franchise in Basel. Sie baute die Schule Nas Mode in Burkina Faso auf, erhielt 2012 den Preis Unternehmerin des Jahres und Anfang dieses Jahres wurde ihre Autobiographie veröffentlicht. Sie gilt als eine der bekanntesten Maskenbildnerinnen der Schweiz. Hat im Bundeshaus nicht nur die hohe Stirn Friedrich Dürrenmatts matt gepudert, oder dafür gesorgt, dass Bundesräte wie Ogi oder Schlumpf hauttechnisch nicht zu sehr in die Kamera glänzten, sondern war später auch als Maskenbildnerin auf Filmsets die Verantwortliche für die Looks von Stars wie Harald Juhnke und Mathias Gnädinger. Nun, mit 61, steht Petri vor einer neuen Lebensphase.

«Das Älterwerden ist schon ein komischer Prozess», sagt Petri, «ich entdecke plötzlich ganz andere Bedürfnisse.» Bern hatte sie damals verlassen, weil es ihr einfach verleidete. «Eines Tages wurde mir die Mentalität, das Langsame, die Enge zu viel. Ich musste raus.» Heute scheint ein Prozess in die umgekehrte Richtung in Gang zu sein. Petri verabschiedet sich langsam aus der Hektik Zürichs und hat sich im Thurgau eine Oase der Ruhe kreiert. Mit ihrem vierten Mann – dem ehemaligen Schaffhauser Stadtpräsidenten Thomas Feurer – wohnt Petri seit zwei Jahren in Steckborn.

Das ehemalige WG-Leben in Bern, Hochs und Tiefs ihrer vergangenen drei Ehen, zuletzt das Gondeln zwischen Zürich und Schaffhausen sind einer grosszügigen Altstadtwohnung am Ufer des Untersees gewichen. Ein Wohlfühlort durch den Petri barfuss und im weissen Tunika-Kleidchen schreitet. Sie trägt kaum Make-up und erzählt ungeschminkt von ihrem Leben. «Ich musste buchstäblich viele Frösche küssen, um meinen Prinzen zu finden», sagt sie. Dass Feurer ihr vierter Ehemann ist, diese Zahl mache sie nicht stolz. Die erste Liebe war jedoch eine Kinderliebe, wie Petri sagt. Dass die folgenden zwei scheiterten – Schicksal. In Steckborn sei sie nun aber angekommen.

An drei Tagen doch noch Stadtluft

Die Hektik gänzlich aussperren, dazu ist Petri noch nicht bereit. Von Dienstag bis Donnerstag lebt sie in Zürich. «Meine Töchter, die beiden Enkelkinder, Freunde und Geschäfte sind dort.» Zwar leiten die Töchter mittlerweile das familiäre Unternehmen, «mich ganz in Steckborn niederlassen, ist zur Zeit aber nicht geplant.» Petris Unternehmerinnen-Gespür schlägt sich jetzt auch im Thurgau nieder. Seit November liegt auf der gegenüberliegenden Strassenseite ihr jüngstes Projekt. Der Laden Bea Petri – Schönes zum Wohlfühlen. Ganz die Füsse stillhalten, kann Bea Petri wohl nie.