STECKBORN: Immer im Gespräch

Im Städtchen am Untersee bleibt das 2016 in vielerlei Hinsicht in Erinnerung: vom Wiederaufbau der Altstadt über die Asylunterkunft bis zur Lindenareal-Abstimmung.

Géraldine Bohne
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Géraldine Bohne

geraldine.bohne

@thurgauerzeitung.ch

Eine grosse Lücke klafft zwischen den Häusern der Altstadt in Steckborn. Sie erinnert an die Nacht auf den 21. Dezember 2015, in der vier Liegenschaften niederbrannten. 30 Personen wurden über Nacht obdachlos, es entstand ein Sachschaden von sechs Millionen Franken. In der Folge organisiert die Stadt zusammen mit der Stiftung Ortsbild einen öffentlichen Architektenwettbewerb. Gereicht hat es für das Projekt «L’Aquilino» aus dem Zürcher Architektenbüro von Sebastian T. Pater. Dieses erfüllt laut den Verantwortlichen alle Bedingungen der drei Liegenschafsbesitzer und fügt sich gut ins national geschützte Ortsbild ein. Nebst dem Wiederaufbau der Altstadt gibt auch eine geplante Asylunterkunft zu reden. Seit Anfang Jahr sucht das Staatssekretariat für Migration (SEM) nach Lösungen für einen möglichen starken Anstieg an Asylgesuchen in der Schweiz. Vor allem in Grenznähe will das SEM zusätzliche Strukturen für die Erstaufnahme und die Registrierung schaffen. In Steckborn soll in einer Zivilschutzanlage des Feuerwehrdepots ein provisorisches Erstaufnahmezentrum für 300 Asylbewerber entstehen. 36 Stunden wären die Bewerber dann in Steckborn, ehe sie in andere Kantone verteilt werden. Die Steckborner sind skeptisch, was den Mehrverkehr, das Rauchen und die Ausgangsregelung betraf. Nun steht der Vertrag.

Ganz in der Nähe des Feuerwehrdepots wünschen sich die Steckborner laut einer Umfrage generationenfreundliche und bezahlbare Mietwohnungen für das Lindenareal. Um dies zu realisieren, organisiert die Stadt wie schon beim Wiederaufbau der Altstadt einen Wettbewerb. «Fiorino» heisst das Siegerprojekt von den Zürcher Architekten Ramser Schmid. Auf der 8300 Quadratmeter grossen innerstädtischen Landreserve sollen günstige Mietwohnungen, kantonale Verwaltung, der Polizeiposten und ein Ärztezentrum entstehen.

Unterschriften zum Schutz des Ortsbildes

Anfang Juni stimmt die Bevölkerung dem Baurechtsvertrag fürs Lindenareal zu – trotz Nein-Parole der CVP. Nicht weniger Aufhebens bereitet die Diskussion um die Überbauung Scheitingerwiese. Auf dieser sind sieben Wohnblöcke einer Ebengemeinschaft geplant. Doch eine Interessengruppe sammelt bis Juni 171 Unterschriften und will eine Abstimmung zur Zonenzuteilung. Die Parzelle 704 soll einer Zone für Ein- und Zweifamilienhäuser zugeteilt werden. Die Blöcke würden das Ort- und Landschaftsbild beeinträchtigen, denn bis jetzt gebe es nur Ein- und Doppel­einfamilienhäuser, ist die Rede. Doch eine Abstimmung hat bislang nicht stattgefunden. Im November gibt der Stadtrat bekannt, dass er eine solche Zone auf der Wiese nicht möchte. Daraufhin legt die IG Rekurs ein. Fortsetzung folgt im Jahr 2017.