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STECKBORN: Halber Ofen erzählt Geschichten

Hafner Roger Pernet baut derzeit einen Steckborner Kachelofen von 1789 im Turmhof-Museum auf. Der Clou: Vom Kachelnkunstwerk steht am Ende nur die Hälfte. Das bietet den Besuchern tiefe Einblicke.
Margrith Pfister-Kübler
Im Turmhof-Museum: Hafner Roger Pernet arbeitet am historischen Ofen. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Im Turmhof-Museum: Hafner Roger Pernet arbeitet am historischen Ofen. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Margrith Pfister-Kübler

unterseerhein@thurgauerzeitung.ch

Wegen Renovationsarbeiten ist das Museum zum Turmhof derzeit geschlossen. Das bedeutet jedoch nicht, dass der Vorstand des Vereins Museum zum Turmhof, hervorgegangen aus dem Verein Heimatvereinigung Steckborn, den Winterschlaf geniesst. Im Gegenteil. Da wird intensiv gearbeitet. Denn zentral war bei der Umsetzung des neuen Konzepts, das Museum fit zu machen für die Ansprüche heutiger Museumsbesucher.

In diesem Zusammenhang sollte sich beweisen, dass es der Schlüssel zum Erfolg sein kann, einen rückgebauten Kachelofen aufzubewahren. Das Sammeln alter Kachelöfen ist in den Genen der Hafner-Familie Pernet angelegt. Alte Kacheln? «Nie wegwerfen», empfehlen sie. Irgendwann kann so ein Weiterbestehen aufleben. Heimatliebe inklusive.

Innenleben für Besucher einsehbar

Für die Steckborner Ofenbau-Traditionsfirma Pernet Ofen- und Cheminéebau Plattenbeläge GmbH sind alte Öfen Sammelgut. Denn: Moderne Menschen leisten sich wieder Historisches. Doch hier spielte ein fabelhafter Zufall mit: Seit Jahrzehnten lagerten, säuberlich aufgeteilt und in Kisten verpackt, ganze Teile und Scherben, eines Steckborner Ofens aus dem Jahre 1789 im Antiklager der Pernets. Roger Pernet, eidgenössisch diplomierter Hafnermeister und Plattenlegermeister, dritte Generation der vor über 70 Jahren gegründeten Firma sagt: «Ich hätte diesen Ofen mal verkaufen können. Aber ich konnte mich nie dazu überwinden. Ich wollte, dass er in Steckborn bleibt.» Im Dialog mit den Vorstandsleuten vom Museumsverein wurde der Schlüssel zur Wiederbelebung gefunden: Dieser kleine Steckborner Ofen wird im Museum zur Hälfte aufgebaut, also so, dass für Besucher das Hafner-Handwerk und auch das Innenleben eines historischen Steckborner Ofens anschaulich wird. «Ich bin total glücklich, dass das Museum zum Turmhof diesem Ofen-Projekt Raum bietet», sagt Pernet.

Museumskurator René Labhart erklärt dazu: «Unser neues Museumskonzept hat zum Ziel, mehr Spezialitäten von Steckborn zu zeigen.» Deshalb werde dieser Ofen nur zum Teil aufgebaut, damit das Innenleben, die unterschiedlichen Baumaterialien und die Techniken für Besucher nachvollziehbar werden. «Dieser Ofen kann viele Geschichten erzählen», meint Pernet. Steckborner Öfen würden erkennen lassen, was in der Welt vorgeht. Auf der Ofenplatte mit der Jahrzahl 1789 steht: «Herr Hs. Kaspar Labhart alt Pfleger – Frau Maria Elisabeta Gräftlig.»

Einst stand dieser Ofen in der Liegenschaft Weierstrasse 17 in Steckborn, früher war dort das Lebensmittelgeschäft Nyffenegger, heute ein Blumengeschäft. Den Zeitpunkt, als diese rückgebauten Ofenteile zu Pernet ins Lager kamen, kann er nicht nennen. Schon bei Grossvater Alfred Pernet und Vater Bruno Pernet spielten die Steckborner Kachelöfen eine Hauptrolle. Die antiken Ofenschätze transportieren die Gedanken in eine andere Welt. Das sind keine Werke ab der Stange, jede Kachel, jede Zeichnung erzählt Geschichten. Es scheint fast so, als hätte man mit diesem Projekt eine neue Kraftquelle für Museumsbesucher entdeckt. «Immer wieder spüre ich auch im Ausland Steckborner Öfen auf», sagt Kurator Labhart.

Es ist Detektivarbeit.

Ein wenig Chemiker muss man sein

Wer finanziert dieses Projekt fürs Museum? «Etwas wird aus den Mitgliederbeiträgen des Museumsvereins finanziert. Beim Rest hoffen wir auf Spenden», sagt Labhart und spricht von Kosten in einem höheren vierstelligen Bereich. Man muss die Qualität des Handwerks und der Materialien erleben, zum Ereignis für die Menschen machen. Dem Hafnermeister Pernet zuzuhören, wenn er erzählt, aus welcher Lehmgrube in der Umgebung von Steckborn Ton gewonnen wurde, erkennbar an Kalkeinschlüssen, wie er Chemie und Biologie nachspürt, lässt erahnen, wie es sein wird, wenn das Museum wieder eröffnet und das Publikum in eine spannende historische Welt führt.

«Strahlungswärme fängt damit an, dass man die Menschen einbezieht», sagt Roger Pernet und mischt Lehm und Sand, heute «Sackware». Früher habe man mehr studieren müssen. Lehmsteine mussten in Wasser eingelegt werden, damit sich der Lehm auflöste, dann wurde Sand dazugemischt. Alle Scherben sind mit Nummern angeschrieben: «Es ist nicht ganz einfach, diesen Ofen zum Leben zu erwecken, aber es ist wunderbar», sagt Pernet. Seine Begeisterung inspiriert. Man kann nicht aufhören, zuzusehen. Sein Kindheitstraum – «Ich gang jetzt go hafnere in Turmhof» – wird wahr. Die Eröffnung des Museums im Turmhof ist für die Zeit um die Osterzeit geplant.

www.turmhof-museum.ch

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