Stau im Parkhaus statt im Kreisel

FRAUENFELD. Wie der Stau im unterirdischen Kreisel von Frauenfeld verschwinden soll, darin sind sich das städtische und das kantonale Tiefbauamt einig: Er soll auf privaten Grund verlagert werden, also ins Parkhaus. Das Problem behindert den weiteren Ausbau des Einkaufszentrums Passage.

Thomas Wunderlin
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Vor der Einfahrt des Parkhauses stauen sich die Autos und behindern die Durchfahrt durch den unterirdischen Kreisel. (Bild: Reto Martin)

Vor der Einfahrt des Parkhauses stauen sich die Autos und behindern die Durchfahrt durch den unterirdischen Kreisel. (Bild: Reto Martin)

Im unterirdischen Kreisel in Frauenfeld stockt öfters der Verkehr, wenn die Migros-Kundschaft ins Einkaufszentrum Passage strebt. Vor allem am Freitagabend und Samstagvormittag wird es eng.

«Zu Spitzenzeiten kommt es zeitweise zu Verkehrsbehinderungen im Kreisverkehr, hervorgerufen durch wartende Fahrzeuge auf Einlass im Parkhaus», bestätigt Benedikt Eberle, Leiter der Abteilung Planung und Verkehr im kantonalen Tiefbauamt. Zurzeit ist Eberle dabei, die Verkehrs- und Parkhauszahlen zu überprüfen, die bei der letzten Erweiterung der Passage vor fünf Jahren vorausgesagt wurden.

Klar ist für ihn, dass die Verkehrsbehinderungen und Rückstaus nichts mit der Kapazität der Kantonsstrasse zu tun haben. «Der Stauraum respektive die Einfahrtsmöglichkeit ins private Parkhaus Passage muss verbessert werden.»

Die Durchfahrt durch den Kreisel müsse möglich bleiben, wenn das Parkleitsystem Vollbesetzung anzeige, das heisst, dass ein Anhalten und Warten vor der Einfahrt Passage untersagt wird. «Eine Lösung muss zusammen mit dem Betreiber gesucht werden», sagt Eberle.

Barrieren sollen offen bleiben

Der Chef des städtischen Tiefbauamts Thomas Müller analysiert das Problem ebenso. «Sobald die Tiefgarage annähernd voll ist, gehen die Barrieren nicht mehr hoch», sagt Müller. «Das ist die wichtigste Ursache, die zum Stau führt.» Der Verkehrsexperte sieht drei Massnahmen, mit denen die Störung des Durchgangsverkehrs im unterirdischen Kreisel behoben werden könnte:

• Wenn die Barrieren auch bei grosser Auslastung weiterhin geöffnet werden können, würde sich der Rückstau in den unterirdischen Kreisel reduzieren.

• Rot-grüne Signallichter könnten freie Plätze besser sichtbar machen. In neuen Parkhäusern gehört das laut Müller heute zum Standard.

• Die für Mieter reservierten Parkplätze könnten am Wochenende für alle Benützer frei gegeben werden. «Ich gehe davon aus, dass sie jetzt vorwiegend unter der Woche benützt werden.»

Eine verstärkte Umleitung der Garagenbenützer auf den Hintereingang hält Müller für schwierig. Denn dadurch würde der Verkehr über die von Fussgängern stark frequentierte Grabenstrasse zunehmen.

Die überfüllte Parkgarage schreckt auch die Kundschaft ab; statt zur Migros, der Passage-Hauptmieterin, fahren sie weiter zum Coop-Schlosspark, ebenfalls im Stadtzentrum gelegen und mit einem grosszügigen Parkhaus versehen. Die Migros will der Abwanderung der Kundschaft nicht untätig zusehen und sucht deshalb einen weiteren Standort in der Stadt, wie der Immobilien-Chef der Migros Ostschweiz, Martin Hitz, kürzlich ankündigte (Thurgauer Zeitung vom 26. Juli). Fünf Jahre nach der letzten Erweiterung sei es in der Passage wieder eng geworden. Wenig erfreut über diese Äusserungen war dem Vernehmen nach Josef Räschle, Architekt und Haupteigentümer des Einkaufszentrums Passage. Auf Anfrage wollte er sich nicht dazu äussern.

Auch zu den Vorschlägen des Chefs des städtischen Tiefbauamts nahm Räschle nicht Stellung. Die Migros äussert sich ebenfalls nicht, wie Migros-Sprecher Nico Canori sagt. Die Verwaltung des Parkhauses unterstehe nicht der Migros; deshalb sei es nicht an ihr, diese Vorschläge zu prüfen, beziehungsweise umzusetzen.

Bereits 2010 hatte der damalige Passage-Chef Heinz Vögeli gegenüber der Thurgauer Zeitung geklagt, dass die 300 Parkplätze des Parkhauses zu wenig seien und er sich dreimal so viele wünschte. Um die vorhandenen Parkplätze für die Kundschaft zu reservieren, war den 400 Passage-Mitarbeitern verboten worden, das Parkhaus während der Arbeitszeit zu benützen.

Stau bremst Ausbau

«Solange der Rückstau der Parkgarageneinfahrt den Kreiselverkehr behindert, sind weitere Parkierungsausbauten im Einkaufszentrum Passage schwierig zu realisieren», sagt Benedikt Eberle vom kantonalen Tiefbauamt.

Damit wird auch die Erweiterung der Ladenfläche schwierig. Dass er eine diesbezügliche Erweiterung plane, sagte Passage-Besitzer Räschle im Juni 2010 bei der Einweihung des Fussgänger-Eingangs Rheinstrasse. Er hatte deshalb den Altbau an der Grabenstrasse 7 gekauft. Seither ist in dieser Hinsicht nichts mehr bekannt geworden.

Die Migros ist Mieterin des gesamten Einkaufszentrums mit Ausnahme der Apotheke. Sie wäre interessiert an einer Erweiterung. Migros-Sprecher Canori bestätigt: «Sollten weitere Verkaufsflächen erstellt werden, würde die Migros ein Angebot prüfen.»

Josef Räschle, Haupteigentümer des Einkaufszentrums. (Archivbild: Nana do Carmo)

Josef Räschle, Haupteigentümer des Einkaufszentrums. (Archivbild: Nana do Carmo)

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