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«Statistisch betrachtet ist Sterben vernachlässigbar»

Hazel Brugger kennt man nicht erst seit der «Heute-Show» im deutschen Fernsehen. Ihre Kolumnen und Auftritte sind scharfsinnig und verquer. Nun sorgte sie vollmundig im ausverkauften «Casino» für Begeisterung.
Hazel Brugger an einem früheren Auftritt in Frauenfeld. (Bild: Andrea Stalder (14. Februar 2016, Eisenwerk))

Hazel Brugger an einem früheren Auftritt in Frauenfeld. (Bild: Andrea Stalder (14. Februar 2016, Eisenwerk))

Freitagabend im «Casino». Auf der Bühne ein Tisch, ein Notizbuch, ein Stuhl und eine Frau. Hazel Brugger liest nichts ab. «Ich bin Profi, an dieser Stelle sollte jetzt niemand lachen.» Treffer. Die Slam-Poetin, Kabarettistin, Kolumnistin und Moderatorin verrät, dass die Tierbilder im Notizbuch mit rasierten, epilierten Koalas sie beim Zumba beruhigen.

Brugger ist Linkshänderin, und die denken ja angeblich anders: ganzheitlich, vernetzend und vielschichtig. Darum wird ihnen eine überdurchschnittliche Sprachfähigkeit nachgesagt. Eloquenz hat sie schon als Zweijährige bewiesen, als sie auf die Frage «Kannst du schon Mama, Papa und Auto sagen?» Begriffe wie «Achselhöhle» und «Schlüsselbein» aufzählte. Das hat ihr Vater einmal in einer Fernsehsendung verraten.

«Eines Tages stirbt man. An allen anderen Tagen nicht.» Die Tochter eines Neuropsychologen macht sich Gedanken über das Leben und die Vergänglichkeit, und findet, «statistisch betrachtet ist der Tod vernachlässigbar». Die 23-Jährige studiert nebenher Literaturwissenschaften und Philosophie in Zürich.

Dieses eine Spermium und diese eine Eizelle

Sie kennt keine Tabus. Wundert sich, dass bei ihrer Zeugung ausgerechnet dieses eine Spermium diese eine Eizelle getroffen hat. Ansonsten sässe jetzt eine andere Person da. Nicht die Hazel Brugger, die Mühe mit ihrem Vornamen hat. Diese Abneigung hat mit einem Besuch in ihrer Kindheit im Möbelhaus Ikea zu tun. Denn das verlorene Kind wurde am Lautsprecher mit «Esel» ausgerufen. Wer weiss, bei dem Hype um ihre Person fügt sich Hazel bald in die Liste der beliebtesten Vornamen zwischen Mia, Emma und Lara ein.

Die junge Frau nimmt kein Blatt vor den Mund. Filtert Szenen aus dem Alltagsleben. Leuchtet sie scharfsinnig aus, schweift ab und fordert die Zuschauer mit verqueren Wendungen heraus. Beschwichtigt Schwangere nach ihrer drastischen Erklärung des Geburtsvorganges: «Ich mein’ es gar nicht so, hab’ es auch erst gehört, als ich es gesagt habe.» Witzig und grotesk ist die Metapher mit dem Blumenstrauss vom Welken, dem stinkenden Wasser und die Erkenntnis: «Das ist Liebe: Dem anderen beim Zerfallsprozess zuzuschauen.»

Hinweisschilder wie «Baby an Bord» oder hölzerne Tiere mit dem Namen des Kindes im Vorgarten findet Brugger scheusslich. So wisse jeder, da wohnt das Kind mit dem Namen und dem Geburtsdatum. «Eine analoge Version von Google Maps für Pädophile.» Dem setzt sie noch eins drauf. Steht Patrick auf dem Schild am Heck, fährt sie extra nahe ran, weil sie wissen will, ob der Name mit k oder ck endet. Die Aussage «beim Aufprall federt der kleine weiche Körper ab» mildert sie ab. «Ich mache jeweils fünf Minuten in einem Programm, die nur ich lustig finde.»

Zum Abschluss gibt sie als ideale Variante, eine Beziehung zu beenden, einen für Postkarten geeigneten Zweizeiler zum Besten: «Das Wetter ist hier, ich wünschte, du wärst schön.»

Christine Luley

frauenfeld

@thurgauerzeitung.ch

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