Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

START-UP: «Für eine eigene Firma muss man brennen»

Die 25-jährige Hinterthurgauerin Tiziana Ferigutti übernimmt die Geschäftsführung des Startnetzwerks Thurgau. Sie vermittelt interessierten Jungunternehmern Coaches. Als Politologin setzt sie sich auch für passende Rahmenbedingungen ein.
Larissa Flammer
Die neue Startnetzwerk-Geschäftsführerin Tiziana Ferigutti. (Bild: Reto Martin)

Die neue Startnetzwerk-Geschäftsführerin Tiziana Ferigutti. (Bild: Reto Martin)

Interview: Larissa Flammer

Vor fünf Jahren gründeten die Industrie- und Handelskammer (IHK) Thurgau, das Amt für Wirtschaft und Arbeit, der kantonale Gewerbeverband und die Thurgauer Kantonalbank das Startnetzwerk Thurgau. Am Donnerstag übergab IHK-Direktor Peter Maag die Geschäftsführung der Organisation an seine Mitarbeiterin Tiziana Ferigutti.

Tiziana Ferigutti, wer ist der durchschnittliche Start-up-Gründer?

Es sind überhaupt nicht nur junge Personen, die den Schritt in die Selbstständigkeit wagen. Europaweit sind es im Durchschnitt drei Personen, die gemeinsam eine Firma gründen. Und es sind mehrheitlich Männer – das ist auch im Thurgau so.

Jetzt übernehmen Sie als junge Frau die Geschäftsführung des Startnetzwerks Thurgau. Sind Sie damit ein Vorbild für Frauen im Unternehmertum?

Ein Vorbild weniger. Ich denke, der gesellschaftliche Wandel hin zu mehr Frauen in der Geschäftswelt geschieht langsam von allein. Die Wirtschaft ist auf die Frauen angewiesen.

Dann spielt das Geschlecht in der Geschäftswelt keine Rolle mehr?

Ein Thema ist es sicher. Man versucht ja überall, mehr Frauen in Vorstände und Führungspositionen zu bekommen. Woran es liegt, dass Frauen dort untervertreten sind, weiss ich nicht genau. Ich denke, die Lösung liegt auch bei uns Frauen selber.

Betrifft diese Genderthematik Ihre Arbeit?

Nein, für mich spielt das gar keine Rolle. Ich bin es gewohnt, in einem Umfeld mit vielen Männern zu arbeiten. Das darf gar keine Rolle spielen. Weder für mich, noch für die anderen.

Was wird Ihre Aufgabe als Geschäftsführerin sein?

Ich führe die Erstgespräche, bevor unsere Coaches die Beratung übernehmen. So sehe ich, in welchen Bereichen jedes Start-up Unterstützung benötigt und kann den passenden Coach anfragen.

Sind diese Coaches vom Startnetzwerk angestellt?

Nein, das sind Thurgauer Unternehmer, die ehrenamtlich diese Beratungen übernehmen. Mit diesen in Kontakt zu treten, gehört auch zu meinen Aufgaben.

Wie sind Sie zum Startnetzwerk gekommen?

Während des Studiums habe ich mit einem 50-Prozent-Pensum für die IHK Thurgau gearbeitet. Ich habe Politik studiert und deshalb eine Arbeit mit Interessenvertretung und Politikbezug gesucht. Während der Arbeit dort bin ich ins Startnetzwerk hineingerutscht, das ja der IHK angegliedert ist. Seit zwei Jahren sitze ich auch schon im Geschäftsleitungsausschuss. Jetzt, da ich das Studium abgeschlossen habe, stocke ich mein Pensum auf und kann so die zusätzlichen Aufgaben im Startnetzwerk übernehmen.

Dann bleiben Sie weiterhin auch für die IHK tätig?

Genau. Das finde ich eine sehr spannende Kombination. Auf der einen Seite die erfahrenen Unternehmer bei der IHK und auf der anderen Seite die Start-ups. Diese Abwechslung gefällt mir sehr gut.

Haben Sie einen persönlichen Bezug zum Unternehmertum?

Mein Vater ist auch Unternehmer. Hauptsächlich bin ich aber durch den Job bei der IHK in Kontakt zur Geschäftswelt gekommen.

Was für ein Unternehmen würden Sie gründen?

Ich hatte schon ein paar Ideen, habe diese dann aber wieder verworfen. Aber sag niemals nie. Für ein eigenes Unternehmen muss man schon «brennen», um die schwierige Anfangsphase zu überstehen. Da kann man nicht einfach eine Blitzidee umsetzen. Es braucht Mut und Überzeugung.

Kommen zum Startnetzwerk Leute mit Ideen, bei denen Sie sagen müssen: «Das wird sicher nichts»?

Unsere Coaches sind sicher ehrlich und sagen, wenn etwas nicht klappen kann. Dass sie aber sagen «Diese Idee hat keine Chance» kommt nicht vor. Sie unterstützen dann die Unternehmer eher dabei, einen anderen Weg zu suchen.

Wie weit geht die Hilfe des Startnetzwerks?

Die Coaches begleiten, beraten und geben ihre Erfahrungen weiter. Sie nehmen den Unternehmern aber nicht die Arbeit ab und vermitteln ihnen auch keinen Kundenstamm. Neben dem Coaching bieten wir auch Kurse an. Zum Beispiel zu den Rechtsformen, der Versicherung und der beruflichen Vorsorge. Ein eher neues Angebot ist das Start-up-Forum an der Wega, das sofort zum Erfolg geworden ist. Auch der «Start award», der dieses Jahr wieder an der GV der IHK verliehen wird, ist von uns.

Gibt es eine bestimmte Richtung, die Sie als Geschäftsführerin dem Starknetzwerk geben möchten?

Es laufen schon einige Entwicklungen, die ich aber nicht allein gestalte. Im März bieten wir zum Beispiel zum ersten Mal einen Kurs zu Unternehmensnachfolge an. Selbstständig werden kann man ja auch, indem man eine Firma übernimmt. Das Rad muss nicht immer neu erfunden werden. Viele denken da aber gar nicht dran.

Wie viele Thurgauer wollen denn ein eigenes Unternehmen gründen?

Im vergangenen Jahr haben unsere Coaches rund 50 Start-ups begleitet. Viele versuchen es vermutlich aber auch ohne uns. Der Thurgau ist jedoch speziell. Es gibt hier neben der PH keine Uni und keine Fachhochschulen, an denen Start-ups oft entstehen. Unser Angebot ist daher nicht vergleichbar mit dem in anderen Kantonen. Für das Thurgauer Umfeld passt unser Angebot aber gut.

Was ist das Wichtigste im Unternehmertum?

Die Kontakte sind meiner Meinung nach das Wichtigste. Ich habe selber bei der IHK so viele Leute kennen gelernt. Deshalb haben wir auch das Start-up-Forum eingeführt. Dort können sich Personen, die sich in verschiedenen Phasen der Firmengründung befinden, austauschen. Auch die Coaches sind dort, und jeder kann seine Idee bekannt machen.

Sie haben Politik studiert. Welchen Einfluss hat diese auf das Unternehmertum?

Einen grossen. Die IHK vertritt ja die Interessen der Unternehmen in der Politik. Wir wollen möglichst günstige Rahmenbedingungen für Firmen schaffen und haben uns deshalb zum Beispiel bei der Teilrevision des Richtplans stark eingesetzt, um die Entwicklungsmöglichkeiten für die Unternehmen zu erhalten.

Welche politischen Rahmenbedingungen sind für Start-ups wichtig?

Der Gründungsprozess sollte so unbürokratisch wie möglich sein. Gerade junge Unternehmen haben nicht viel Manpower für administrative Aufgaben zur Verfügung und sollten nicht schon zu Beginn vor einem riesigen Berg Arbeit sitzen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.