Starker Franken engt Spielraum ein

Das Thurgauer Gewerbeforum befasst sich mit der Frage, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit Schweizer Firmen in Deutschland erfolgreich Fuss fassen können.

Christof Lampart
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Sie diskutierten darüber, was es für Thurgauer Firmen braucht, um erfolgreich in Deutschland Geschäfte zu führen: Hansjörg Brunner, Marcel Räpple, Joachim Kunz, Thomas Bornhauser und Sonja Zeiger-Heizmann. (Bild: Christof Lampart)

Sie diskutierten darüber, was es für Thurgauer Firmen braucht, um erfolgreich in Deutschland Geschäfte zu führen: Hansjörg Brunner, Marcel Räpple, Joachim Kunz, Thomas Bornhauser und Sonja Zeiger-Heizmann. (Bild: Christof Lampart)

Wie hoch sind die rechtlichen und administrativen Hürden, die ein Schweizer Unternehmen überspringen muss, wenn es beim Auslandsengagement in Deutschland nicht ins Straucheln geraten möchte? Um dieses Thema drehte sich gestern das Thurgauer Gewerbeforum, zu dem der kantonale Gewerbeverband und der kantonale Baumeister-Verband im «Thurgauerhof» in Weinfelden eingeladen hatten. Wie dabei bekannt wurde, halten sich die Regularien beim Auslandsengagement in Grenzen – wenn man nicht gerade grenzüberschreitend in Gesundheitsberufen oder im Bauhauptgewerbe tätig ist. Ist jedoch Letzteres der Fall, dann drohen selbst bei den geringen Verstössen happige Bussen.

Dies musste der Weinfelder FDP-Kantonsrat und Inhaber der Bornhauser AG Holzbau, Thomas Bornhauser, am eigenen Leib erfahren, konnte er doch bis ins Jahr 2014 jährlich mehrere Dutzend Fertighäuser jenseits der Grenze zusammen mit einem deutschen Partner erstellen. Als einmal ein Mitarbeiter krank wurde und er jemand anderes schickte, ohne diesen Wechsel rechtzeitig zu melden, fingen die Mühlen der Justiz rasch an zu mahlen: «Ich musste auf dem Weinfelder Polizeiposten Auskunft geben und in Deutschland gab es eine persönliche Untersuchung gegen mich wegen der <vorsätzlichen Verletzung des Entsendungsgesetzes> und eine Strafandrohung von bis zu 500 000 Euro.» Schliesslich wurden es 1300 Euro Busse. Doch nicht diese hätten ihm die Lust am grenznahen Geschäft genommen, sondern der starke Franken.

«Die Preisdifferenz von 30 Prozent können wir nicht wettmachen. Wir haben seit 2015 kein Haus in Deutschland mehr verkauft», sagte Bornhauser. Dennoch würde er gerne wieder im Nachbarland bauen, denn Bornhauser schätzt den Realitätssinn deutscher Bauherren: «Die Deutschen wissen, wenn sie einen VW bestellen, dass sie dann keinen Mercedes erhalten; ganz im Gegenteil zu vielen Schweizern», so Bornhauser.

Betriebsübernahme ist die beste Option

Laut Joachim Kunz, Fachbereichsleiter der Handwerkskammer Konstanz, gibt es jährlich rund 80 Anfragen von Schweizer Firmen, die wissen wollen, welche rechtlichen und administrativen Voraussetzungen erfüllt sein müssen, um in Deutschland zu arbeiten. Wer damit liebäugle, in Deutschland eine Niederlassung zu gründen, könne auch eine Firmenübernahme ins Auge zu fassen. «Bei 36 Prozent aller Mitgliedsbetrieben der Handwerkskammer Konstanz sind die Inhaber älter als 55. In den nächsten zehn Jahren stehen rund 3000 Betriebe – davon etwa 2200 Meisterbetriebe – zur Nachfolge an. Jedoch werden nur noch 40 Prozent aller Betriebe innerhalb der Familie übergeben. Wenn Sie beabsichtigen, ein Standbein in Deutschland zu haben, wäre das für mich die erste Option», fasste Kunz zusammen.

Fast immer unproblematisch sei es, wenn Schweizer Firmen Arbeiter ins Deutsche entsenden. Denn die gesetzlichen deutschen Mindestanforderungen (Tarifvertrag, Mindestlohn, Urlaubstage) seien in der Schweiz in der Regel mindestens so hoch. «Ich nehme nicht an, dass Sie Arbeitnehmer nach Deutschland schicken, die weniger als 8.50 Euro Stundenlohn erhalten», sagte Sonja Zeiger-Heizmann, Fachbereichsleiterin Wirtschaftsförderung der Handwerkskammer Konstanz.