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Standesinitiative aus dem Biberkanton

WEINFELDEN. Der Grosse Rat will Landeigentümern helfen, die vom Biber geschädigt werden. Der Regierungsrat muss eine Standesinitiative ausarbeiten, die den Bund zu Beitragsleistungen verpflichtet. Der Nationalrat hat erst im Juni einen ähnlichen Vorstoss verworfen.
Thomas Wunderlin
Ein Viertel der Schweizer Biber lebt im Thurgau. (Bild: Daniel Hubacher)

Ein Viertel der Schweizer Biber lebt im Thurgau. (Bild: Daniel Hubacher)

500 Biber leben im Thurgau – ein Viertel aller Schweizer Biber. «Der Thurgau ist das Biberparadies der Schweiz», erklärte Paul Koch (SVP, Oberneunforn). Da nur noch ungeeignete Reviere frei seien, besiedle der Biber zunehmend aussergewöhnliche Plätze, zum Beispiel mitten in Dörfern und an Strassen. Schäden an Entwässerungsanlagen und Infrastrukturen nähmen zu. Die Eigentümer haben Anrecht auf Entschädigung, findet Koch. Der Thurgau soll deshalb beim Bund eine Standesinitiative zur Änderung des Jagdgesetzes einreichen. Gegen den Antrag der Regierung erklärte der Grosse Rat Kochs Motion mit 63 Ja zu 46 Nein für erheblich. Der Regierungsrat muss nun einen Initiativtext ausarbeiten und nochmals dem Grossen Rat vorlegen, bevor die Standesinitiative nach Bern geht.

Entwertete Standesinitiative

Dort hat man sich zuletzt im Juni mit einer gleichlautenden Motion beschäftigt; der Nationalrat lehnte sie klar ab. Laut Regierungsrat Claudius Graf-Schelling wird deshalb die geforderte Standesinitiative lediglich das Instrument der Standesinitiative entwerten.

Die Biberschäden betragen laut Graf-Schelling weniger als 20 000 Franken pro Jahr. Wenn der Bund die Betroffenen entschädigt, müsste der Kanton einen Beitrag leisten. Der Regierungsrat will angesichts der Leistungsüberprüfung keine weiteren Ausgaben auf sich nehmen. «Es geht auch um Ihre Glaubwürdigkeit», sagte Graf-Schelling an die Adresse der Sparpolitiker.

Detailliert schilderte Urban Brütsch (CVP, Diessenhofen) die Probleme der Biberschäden. So könne beispielsweise eine Flurstrasse nicht einfach von einem Fluss verlegt werden, damit sie nicht mehr unterhöhlt wird. Die Spaziergänger wollten nahe des Wassers gehen, der Bauer wolle die Strasse nicht in seinem Acker. Der Bund habe den Biber unter Schutz gestellt, dafür stehe er in der Pflicht.

Laut Motionär Koch sind die Schäden höher als 20 000 Franken. Schon ein einzelner Schadensfall könne diesen Wert erreichen. Auch Thomas Bornhauser (FDP, Weinfelden) erklärte, die Schäden seien höher als 20 000 Franken. Die Geschädigten seien meistens die Gemeinden. Er sei gegen die Motion, da die Forderung erst kürzlich in Bern abgelehnt worden sei und wegen des zusätzlichen Verwaltungsaufwands.

Cornelia Komposch (SP, Herdern) fand den Zeitpunkt ebenfalls ungeeignet. Rudolf Bär (EVP, Kreuzlingen) lehnte den Vorstoss ab, forderte aber eine Begrenzung der Biberzahl.

Edith Wohlfender (SP, Kreuzlingen) wollte den Grundeigentümern helfen, denn ein Wiesenbord könne nicht mit einem Drahtgeflecht geschützt werden.

Bei den Lengwiler Weihern habe Pro Natura für 14 000 Franken ein massives Armierungseisen in einen Damm einbauen müssen, sagte Toni Kappeler (GP, Münchwilen). Wenn die Schäden nicht abgegolten würden, verliere der Biber die Akzeptanz.

Andreas Guhl (BDP, Oppikon) stiess sich daran, dass in der regierungsrätlichen Antwort der Gewässerraum bis 20 Meter vom Ufer dem Biber zugeschlagen wird: «Bisher sind wir davon ausgegangen, dass er bei der Landwirtschaft bleibt.» Ruedi Zbinden (SVP, Mettlen) wies daraufhin, dass der Biber wie der Bär und der Luchs national geschützt ist. Der Biber beschädige als einziges Tier Strassen und Böschungen.

Tödliche Falle

Jost Rüegg (GP, Kreuzlingen) erinnerte an den Fall Thundorf 2011, wo ein Landeigentümer eine Falle stellte, die einen Biber hätte töten können. Wie die kantonale Jagd- und Fischereiverwaltung mit Biberschäden umgehe, sei «absolut unzureichend». Es sei nicht einzusehen, weshalb Schäden an den landwirtschaftlichen Kulturen entschädigt werden, Schäden an der Infrastruktur jedoch nicht.

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