Ständerat: FDP sieht echte Chancen

FRAUENFELD. Mit dem Weinfelder Gemeindeammann Max Vögeli will die FDP ihren Ständeratssitz zurückerobern. Auf der Nationalratsliste ist Vögeli gleichzeitig Konkurrent von Gewerbeverbandspräsident Peter Schütz. Dieser aber nimmt es gelassen.

Marc Haltiner
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Will für die FDP in den Ständerat: Max Vögeli. (Bild: Nana do Carmo)

Will für die FDP in den Ständerat: Max Vögeli. (Bild: Nana do Carmo)

Die FDP machte es spannend. Während bei der CVP feststeht, dass sie mit Nationalrätin Brigitte Häberli den Ständeratssitz von Philipp Stähelin halten will, gab die FDP lediglich bekannt, dass sie am 4. April ihren Ständeratskandidaten nominieren will. Namen gaben die Liberalen nicht preis, gehandelt wurden der Weinfelder Gemeindeammann und Kantonsrat Max Vögeli und Hans Munz, der FDP-Fraktionschef im Grossen Rat. Klarer war die Ausgangslage bei der SVP: Ihre Delegierten wollen am 7.

April nominieren – und haben die Qual der Wahl zwischen Ex-Regierungsrat Roland Eberle und Kantonsrat Urs Schneider.

«Über Parteigrenzen hinaus»

Jetzt aber ist die Katze bei der FDP aus dem Sack: FDP-Kantonalpräsident Bruno Lüscher bestätigte gestern auf Anfrage, dass die FDP mit Vögeli den Ständeratssitz zurückholen will, den sie 1987 an SP-Herausforderer Thomas Onken verlor. «Wir wollen den Sitz auf die Seite der FDP holen und das voll durchziehen.

» Vögeli sei ein bekannter, geschätzter und profilierter Kandidat weit über die Parteigrenzen hinaus. Für Lüscher steht fest, dass Vögeli gute Wahlchancen hat, obwohl SVP und CVP ihre Ständeratsmandate mit politischen Schwergewichten verteidigen wollen.

Dass Vögeli gleichzeitig auch für den Nationalrat kandidiert, erachtet Lüscher nicht als Problem. Eine Doppelkandidatur (siehe Box) sei heute kein Handicap mehr.

Für die anderen Kandidatinnen und Kandidaten auf der FDP-Nationalratsliste seien Vögelis Präsenz und Auftrittsmöglichkeiten eine Herausforderung.

«Es braucht Praktiker in Bern»

Vögeli selber zeigte sich gestern voll motiviert, einen intensiven Ständeratswahlkampf zu betreiben. «Für mich ist es der richtige Moment, etwas in Bern zu bewegen.» Vögeli sieht sich denn vor allem als Vertreter von Kanton und Gemeinden.

Nach 19 Jahren im Grossen Rat und nach 10 Jahren als Gemeindeammann kenne er die Probleme dieser Ebenen, die die Bundesgesetze zu vollziehen hätten. «Diese sind aber oft kaum umsetzbar.» Es brauche deshalb Praktiker in Bern, die ihre Erfahrung in der Handhabung von Gesetzen einbringen könnten. Nur so bleibe die Bundespolitik realistisch und umsetzbar.

Vögeli lässt auch keinen Zweifel daran, dass er nach einer allfälligen Wahl in den Ständerat Gemeindeammann bleiben will. Städte- und Gemeindebehörden seien in Bern klar untervertreten. Seine Gespräche mit Gemeindeoberhäuptern im Bundesparlament hätten zudem gezeigt, dass beide Ämter zeitlich vereinbar seien. «Man muss das organisieren.» Die Frage der Entschädigung will Vögeli im Fall der Wahl mit der Gemeinde klären.

Für ihn sei es schwierig zu beurteilen, ob die Doppelkandidatur eher ein Vor- oder ein Nachteil sei, sagt der Weinfelder. «Ich höre beides.»

Für Vögeli steht der Ständerat nach eigenem Bekunden klar im Vordergrund. Es besteht aber die Möglichkeit, dass er stattdessen in den Nationalrat gewählt wird. Mit der Ständeratskandidatur erhält er zusätzliche Beachtung.

Herausforderer von Schütz

Die Nationalratsliste wird aber von FDP-Kantonsrat Peter Schütz angeführt, dem Präsidenten des Thurgauer Gewerbeverbandes, der mehrfach klarstellte, dass er sich auf die Nationalratskandidatur konzentrieren will. «Für mich ist die Doppelkandidatur Vögelis kein Problem», sagt Schütz. Er selber sei gut vernetzt, habe jahrelang profilierte Politik im Thurgau gemacht und habe mit dem Gewerbeverband und seinen Mandaten genügend Gelegenheit zum Auftritt und zum Wahlkampf.

Es liege in den Händen von Wählerinnen und Wählern, den Nachfolger von FDP-Nationalrat Werner Messmer zu bestimmen.

Ständeratskandidatur ist wahrscheinlich: Edith Graf-Litscher. (Bild: Reto Martin)

Ständeratskandidatur ist wahrscheinlich: Edith Graf-Litscher. (Bild: Reto Martin)