Stadt wählte Sax und Schläpfer

Ginge es nach den Frauenfeldern, würde der Thurgau andere Nationalräte nach Bern schicken. Die FDP hätte auf Kosten der SVP einen zweiten Sitz erobert. Bei der SP erhielt Marianne Sax mehr Stimmen als Edith Graf-Litscher.

Markus Zahnd
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Kaspar Schläpfer (Mitte) studiert mit den beiden GLP-Vertretern Klemenz Somm und Andreas Schelling die Resultate der eidgenössischen Wahlen. (Bild: Andrea Stalder)

Kaspar Schläpfer (Mitte) studiert mit den beiden GLP-Vertretern Klemenz Somm und Andreas Schelling die Resultate der eidgenössischen Wahlen. (Bild: Andrea Stalder)

FRAUENFELD. Er war der Favorit. Viele gingen davon aus, dass Regierungsrat Kaspar Schläpfer für die FDP in den Nationalrat einziehen wird. Doch am Sonntag kam es anders. Schläpfer, der 2016 nicht mehr zu den Regierungsratswahlen antreten wird, belegte auf der FDP-Liste lediglich Platz drei, stattdessen darf Hermann Hess für die Freisinnigen nach Bern.

Der Unternehmer aus Amriswil wäre auch in den Nationalrat gewählt worden, wenn man nur die Resultate der Stadt Frauenfeld berücksichtigt. Dies aber nur, weil die FDP in Frauenfeld auf Kosten der SVP einen zweiten Sitz erlangt hätte. Denn gegen Kaspar Schläpfer hatte Hess in der Hauptstadt keine Chance, der Regierungsrat erhielt in seinem Wohnort mit 2033 fast doppelt so viele Stimmen wie Hess.

Böhni und Hausammann weg

Die Mitte-Verbindung hätte zumindest in Frauenfeld ihr Ziel erreicht und der SVP den dritten Sitz abgejagt, Markus Hausammann hätte die Wiederwahl verpasst. Gleiches gilt für Thomas Böhni. Die Grünliberalen und Böhni selber erzielten in Frauenfeld zwar kein schlechtes Resultat, aber ein Sitzgewinn war ausser Reichweite. Denn der dritte Sitz im Mitte-Bündnis ging unbestritten an Christian Lohr, der auf der CVP-Liste dominierte und annähernd so viele Stimmen erhielt wie die anderen fünf CVP-Kandidaten zusammen.

Am meisten Stimmen erhielt auch in Frauenfeld Hansjörg Walter (2693), gefolgt von Verena Herzog (2543). Deren Partei, die SVP, erhielt zudem die meisten Parteistimmen (12 801). Doch die Listenverbindung mit FDP, CVP, GLP, BDP und EVP erzielte letztlich fast 4000 Stimmen mehr als die SVP/EDU-Verbindung. Und selbst das rotgrüne Bündnis kam bis auf 3000 Parteistimmen an die rechtsbürgerliche Verbindung heran.

CH-Stimmen für die SP

Zu mehr als einem Sitz hätte es der SP aber auch in Frauenfeld nicht gereicht. Den Sitz hätte allerdings nicht die Bisherige Edith Graf-Litscher gewonnen, sondern Marianne Sax. Sie erhielt sieben Stimmen mehr als die Nationalrätin, die ebenfalls in Frauenfeld wohnt. Dass die SP im Gegensatz zu den Gemeinderatswahlen im April gut abgeschnitten hat, liegt auch daran, dass es auf der linken Seite weniger Konkurrenz gab. Denn im Gemeinderat hat die lokale Gruppierung Chrampfe & Hirne (CH) die Sozialdemokraten mittlerweile als stärkste linke Kraft abgelöst. Diese Stimmen gingen bei den eidgenössischen Wahlen vor allem an die SP. Am besten verkörpert das Sax selber, sie gehörte zu den Gründern der CH und sass für die Partei auch fast zehn Jahre im Gemeinderat.

Der Blick auf die Frauenfelder Ergebnisse zeigt, dass die einheimischen Kandidaten auf den Listen oftmals am meisten Stimmen erhalten haben. Das gilt für Christian Mader bei der EDU, Roland A. Huber bei der BDP, Wolfgang Ackerknecht bei der EVP, Peter Wildberger auf der Seniorenliste der Grünen, Thomas Böhni bei der GLP oder Gina Rüetschi bei den Grünen.

Häberli vor Eberle

Während es bei den Nationalratswahlen in Frauenfeld im Vergleich zu den kantonalen Ergebnissen einige Verschiebungen gegeben hätte, sieht das Resultat im Ständerat wie erwartet aus: Brigitte Häberli erzielte mit 5099 am meisten Stimmen, gefolgt von Roland Eberle (SVP, 4239). Herausforderer Klemenz Somm (GLP) erhielt 2645 Stimmen.

Nationalratswahlen. Resultate in Frauenfeld, Rangliste nach Stimmen: 1. Hansjörg Walter (SVP), 2693 Stimmen. 2. Verena Herzog (SVP), 2543. 3. Marianne Sax (SP), 2244. 4. Edith Graf-Litscher (SP), 2237. 5. Diana Gutjahr (SVP), 2132.