STADT FRAUENFELD: Zahlen sind weniger rot als befürchtet

Die Stadtverwaltung hielt sich im vergangenen Jahr finanziell gut. Ein Minus von 1,7 Millionen Franken war budgetiert. Nun schliesst die Rechnung fast 1,3 Millionen besser ab. Sogar schwarze Zahlen wären möglich gewesen.

Mathias Frei
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Finanzchef Reto Angehrn und Stadtpräsident Anders Stokholm präsentieren die städtische Rechnung 2016. (Bild: Mathias Frei)

Finanzchef Reto Angehrn und Stadtpräsident Anders Stokholm präsentieren die städtische Rechnung 2016. (Bild: Mathias Frei)

Wolkenlos: So zeigt sich auf der Powerpoint-Präsentation der Himmel über dem Schloss. Wenn es an der Rechnungs-Pressekonferenz vom Dienstag nach Stadtpräsident Anders Stokholm gegangen wäre, hätte es auch ein paar Wölkchen geben dürfen. Das hätte besser zum Rechnungsabschluss der Stadtverwaltung gepasst. Denn eitel Sonnenschein herrscht noch nicht. Aber nachdem das Budget noch mit einem mittleren Gewitter rechnete, ist es nun in der Rechnung zumindest trocken geblieben, inklusive einiger sonniger Abschnitte.

In Zahlen: Die Stadtverwaltung schliesst das Rechnungsjahr 2016 mit einem Minus von 384000 Franken ab, dies bei einem Umsatz von 82,52 Millionen Franken. Budgetiert war ein Defizit von 1,66 Millionen. Das bedeutet ein um 1,27 Millionen besseres Ergebnis. Bereits das erste HRM-2-Rechnungsjahr 2015 schloss besser ab als budgetiert. Damals resultierte letztlich ein Defizit von 840'000 Franken.

«Relativ gut im Vergleich zu Budget und Vorjahr»

In Sachen Abschluss 2016 spricht Stadtpräsident Stokholm denn auch von «einem relativ guten Ergebnis im Verhältnis zum Budget und zum Vorjahr». Man hätte gerne eine ausgeglichene Rechnung präsentiert. Dieses Ergebnis sei aber auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung.

«Wir versuchen, möglichst nahe an der Realität zu budgetieren», sagt Stokholm. Gleichwohl: Das Resultat hätte problemlos in die eine oder andere Richtung ausschlagen können. Sprich: Wenn der Zufall gewollt hätte, wären für das Jahr 2016 sogar schwarze Zahlen möglich gewesen. So belasteten Liegenschaften-Neubewertungen das Ergebnis mit knapp 900'000 Franken. Im Finanzvermögen waren Liegenschaften mit Baurechten gemäss externer Schätzer um die besagte Summe überbewertet. Wie Finanzchef Reto Angehrn sagt, könnten diese Liegenschaften zwar auch wieder an Wert gewinnen. Dies würde sich jedoch nicht in der Erfolgsrechnung niederschlagen.

Andererseits ist für Stokholm auch unbestritten: «Mit dem Agro Food Innovation Park und ohne die Mehreinnahmen bei den Grundstückgewinnsteuern hätten wir eine Punktlandung geschafft.» Das heisst: Die Rechnung hätte im Rahmen des Budgets abgeschlossen, also mit einem Minus von 1,66 Millionen Franken. So waren im Bereich der Standortförderung Ausgaben von 240000 Franken für das Innovationsparkprojekt vorgesehen, die mit dem Abstimmungs-Nein obsolet wurden. Zugleich erreichte der Anteil an den kantonalen Grundstückgewinnsteuern einen Rekordwert von 2,08 Millionen Franken. Budgetiert war ein mehrjähriger Mittelwert von 1,2 Millionen. Auch insgesamt konnten zwar mehr Steuern eingenommen werden als im Vorjahr, nämlich 36,7 Millionen Franken. Budgetiert waren aber 37,3 Millionen.


Doppelt so viele Investitionen umgesetzt

Der Umsetzungsgrad der Investitionen normalisierte sich im vergangenen Jahr wieder bei über 73 Prozent. Das entspricht Nettoinvestitionen von 11,5 Millionen Franken. 2015 konnten gerade einmal knapp 38 Prozent der Investitionsvorhaben realisiert werden, nicht zuletzt aufgrund der Blockade durch die ausserordentliche Budgetabstimmung Ende April. Die Selbstfinanzierung wurde besser, lag bei 4,69 Millionen. Budgetiert waren 2,69 Millionen. Dies war zum einen im besseren Rechnungsabschluss begründet, zugleich fielen die Abschreibungen tiefer aus als budgetiert.

Investitionen von 3,4 Millionen sind noch nicht als Restbuchwert aktiviert, weil sie sich noch im Bau befinden respektive noch nicht abgerechnet sind. Ein Beispiel dafür ist laut Finanzchef Angehrn der Murg-Auen-Park. Für die Zukunft gibt’s von Angehrn den Mahnfinger: «Die Abschreibungsquote wird kontinuierlich steigen.» Im Gegensatz zur besseren Selbstfinanzierung respektive dem tieferen Finanzierungsfehlbetrag von 6,81 Millionen (Budget: 12,96 Millionen) fällt der Selbstfinanzierungsgrad schlechter aus. Das liegt an den höheren Nettoinvestitionen im Jahr 2016 verglichen mit 2015.

Der Bilanzüberschuss sank um das Rechnungsdefizit von 384000 Franken und betrug per Ende 2016 über 69,5 Millionen Franken. Das Eigenkapital dagegen wuchs aufgrund der positiven Entwicklung der Spezialfinanzierungen (plus 1,92 Millionen) und Fonds (plus 547000 Franken) auf 96,81 Millionen Franken.

Der Gemeinderat befindet an seiner Sitzung vom Mittwoch, 7. Juni, über die Rechnung 2016. Die Sitzung ist öffentlich und beginnt um 17 Uhr.

Werke klotzen dank Reserven

Die Werkbetriebe haben im Vergleich zum Budget sowohl ihren Umsatz als auch ihren Gewinn gesteigert. Anstatt der budgetierten 59,7 Millionen Franken resultierte ein Gesamtumsatz von rund 65,3 Millionen Franken. Der Gewinn liegt bei insgesamt 11,5 Millionen Franken und liegt klar über demjenigen aus dem Vorjahr 2015, als ein Plus von rund 2,5 Millionen Franken resultierte. «Die Werkbetriebe verzeichnen einen sehr guten Abschluss und sind ein Erfolgsmodell», resümierte Stadtpräsident Anders Stokholm. Der deutliche Überschuss ergibt sich einerseits aus der Umsatzsteigerung, aber auch aus ausserordentlichen Erträgen wie etwa aufgelösten Reserven in der Höhe von 4,4 Millionen Franken. «Die Reserven sind im vergangenen Jahr auf ihre Richtigkeit überprüft worden», sagt Finanzchef Reto Angehrn. Das seien etwa Arbeitspreisreserven oder Spezial- und Vorfinanzierungen, die nicht innert der nächsten fünf Jahre zur Ausführung kommen. Verbrauch von Strom und Gas legt zu, Wasser sinkt Der Stromverbrauch liegt mit 1,9 Prozent über dem Vorjahr neu bei 156 Gigawattstunden. Der Gewinn aus dem Elektrizitätswerk ist gegenüber dem Vorjahr um drei Millionen Franken gestiegen. Ebenfalls mehr verkauft wurde Gas, der Verbrauch stieg von 430 auf 442 Gigawattstunden. Dennoch sank der Ertrag gegenüber dem Budget um 2,2 Millionen Franken. Der Wasserverbrauch liegt mit 2,25 Millionen Kubikmeter rund fünf Prozent tiefer als im Vorjahr. Der Gewinn stieg dennoch um rund 400000 Franken auf 5,2 Millionen. Investitionen waren 2016 für insgesamt 6,9 Millionen Franken geplant. Tatsächlich investiert wurden schliesslich 3,7 Millionen Franken. Trotz insgesamt sehr gutem Jahr übt sich Stadtpräsident Stokholm in Durchhalteparolen: «Wir müssen dranbleiben.» (sko)

Knappe Punktlandung bei AZP dank höheren Tarifen

Die Rechnung 2016 des Alterszentrums Park (AZP) schliesst mit einem Überschuss von 449000 Franken ab, dies bei einem Umsatz von insgesamt 19,3 Millionen Franken. Stadtpräsident Anders Stokholm spricht von einer knappen Punktlandung, denn budgetiert waren ursprünglich 31000 Franken weniger Gewinn. Dass sich die AZP-Zahlen wieder im schwarzen Bereich befinden, ist vor allem der vom Gemeinderat bewilligten Erhöhung der verschiedenen Tarife zuzuschreiben. In der Erfolgsrechnung mit den vier Teilrechnungen hat Finanzchef Reto Angehrn nur «marginale Abweichungen zum Budget» ausgemacht. Der wesentlichste Unterschied resultiert beim Alters- und Pflegeheim Ergaten/Talbach, wo Ausgaben für Unterhaltung und Reparaturen an Immobilien und Anlagen eingespart werden konnten. Dieser Gewinn fliesst in Rückstellungen für kommende Investitionen. Die Auslastung aller AZP-Angebote liegt bei über 90 Prozent. Gemäss Finanzchef Angehrn liegen die grössten Herausforderungen bei der Besetzung der Zweibett-Zimmer im «Ergaten/Talbach» und den Einzimmerwohnungen in der Parksiedlung Talacker. (sko)