Staatsanwalt will in die Regierung

FRAUENFELD. Staatsanwalt Stefan Haffter hat bei der FDP sein Dossier für die mögliche Kandidatur als Thurgauer Regierungsrat eingereicht. Dasselbe machte der Kantonalparteipräsident. Die parteiinterne Frist läuft noch bis 15. August.

Silvan Meile
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Stefan Haffter Stellvertretender Generalstaatsanwalt, 48 Jahre (Bild: pd)

Stefan Haffter Stellvertretender Generalstaatsanwalt, 48 Jahre (Bild: pd)

Bei den Thurgauer Freisinnigen ist das parteiinterne Rennen um die Nachfolge ihres Regierungsrates Kaspar Schläpfer lanciert. Zwar können bei der Parteileitung offiziell bis Samstag noch Kandidaturen eingereicht werden, bereits jetzt ist aber klar: Die Nominationsversammlung vom 29. Oktober wird unter mehreren Interessenten den aus ihrer Sicht geeignetsten Kandidaten aussuchen müssen.

Von der Politik abgeschnitten

Mit Sicherheit wird sich Stefan Haffter den Parteimitgliedern zur Nomination als Regierungsrat empfehlen. «Ich habe mein Dossier eingereicht», sagt Haffter auf Anfrage. In seiner aktuellen Funktion als stellvertretender Generalstaatsanwalt blieb ihm zwar der Einsitz in den Grossen Rat verwehrt, trotzdem blickt der Weinfelder auf eine langjährige Politkarriere zurück: «Gründungsmitglied der Jungen FDP, acht Jahre im Gemeindeparlament Weinfelden und danach vier Jahre im Gemeinderat», zählt er auf.

Als Staatsanwalt verunmöglicht die Gewaltentrennung jedoch dem Sohn von alt Regierungsrat Arthur Haffter weitere politische Ämter. Dafür hat Haffter als Sprecher der Thurgauer Staatsanwaltschaft Erfahrung im Umgang mit Medien. Diese reicht – erst kürzlich wieder im Fall von Jan Ullrich – bis zum Auftritt vor den Kameras der Tagesschau.

FDP gibt keine Auskunft

Parteipräsident Walter Schönholzer hat ebenfalls ein Dossier eingereicht. Er bekundete sein Interesse an Schläpfers Nachfolge bereits kurz nach dessen Bekanntgabe im Februar, kein weiteres Mal zu kandidieren. Schönholzer ist seit 2006 Gemeindepräsident von Kradolf-Schönenberg und präsidiert seit zwei Jahren die FDP Thurgau. Im Jahr 2009 schaffte er den Sprung in den Grossen Rat. Sein Vorteil dürfte die grosse Bekanntheit und breite Vernetzung innerhalb der Thurgauer FDP sein.

Ob bisher noch weitere Kandidaturen bei der Partei eingereicht worden sind, war gestern von der Thurgauer FDP nicht zu erfahren. «Dazu geben wir keine Auskunft», sagt Vizepräsidentin Flandrina von Salis. Bei ihr werden die Dossiers eingereicht.

Max Vögeli verzichtet

Auch Weinfeldens Gemeindepräsident Max Vögeli wurde schon als möglicher Kandidat gehandelt. «Ich verzichte auf eine Kandidatur als Regierungsrat», lässt er verlauten: «Erstens haben mir die Weinfelder Stimmberechtigten bei der vor kurzem erfolgten Wiederwahl mit einem deutlichen Resultat ihr Vertrauen ausgesprochen. Zum zweiten bin ich der Meinung, dass in der Regierung jüngere Kräfte ans Ruder sollen», so der 57-Jährige.

Bon will in Romanshorn bleiben

Auch in Romanshorn wurde eine Kandidatur überlegt. Für David H. Bon kommt eine solche aber zum falschen Zeitpunkt. Deshalb nimmt er sich aus dem Rennen. «Ich stehe für eine interne Kandidatur zur Nomination eines Kandidaten oder einer Kandidatin der FDP für die Regierungsratswahlen im 2016 nicht zur Verfügung», schreibt Bon in einem Brief an die Parteileitung. So sehr den 48jährigen Romanshorner das Amt in der Kantonsregierung auch reizt, Bon fühlt sich weiterhin den Romanshornern in seinem für ihn «massgeschneiderten Amt als Stadtpräsident» verpflichtet. Seit 2011 bekleidet er dieses. «Ich habe hier noch viel zu tun», sagt Bon, auch wenn er wisse, dass die Möglichkeit einer Regierungsratskandidatur für ihn möglicherweise nie wieder so günstig sein wird.

Weil er das Vertrauen zur Romanshorner Bevölkerung nicht gefährden möchte, verzichtet er nun bereits zu diesem frühen Zeitpunkt, sagt er. «Verschiedene Anfragen innerhalb der FDP und aus der Bevölkerung haben mich aber sehr geehrt.» Mehrere Personen hätten ihn ausserdem gerne als Vertreter aus dem Oberthurgau in der Kantonsregierung gesehen. Seit dem Rücktritt von Claudius Graf-Schelling Ende Mai ist dieser Kantonsteil nicht mehr in der Regierung vertreten.

Walter Schönholzer Gemeindepräsident von Kradolf-Schönenberg, 49 Jahre (Bild: Nana do Carmo)

Walter Schönholzer Gemeindepräsident von Kradolf-Schönenberg, 49 Jahre (Bild: Nana do Carmo)