ST. MARGARETHEN: Neues Leben aus altem Blech

Gerhard Weinhappl ist freischaffender Spengler und Sanitär. In seiner Werkstatt gestaltet er kunstvolle Figuren aus Recyclingmaterialien. So wie der Kopf eines Stieres – gestaltet aus alten Veloreifen.

Maya Heizmann
Merken
Drucken
Teilen
Gerhard Weinhappl mit seiner Blechskulptur «Selbstansicht». (Bild: Maya Heizmann)

Gerhard Weinhappl mit seiner Blechskulptur «Selbstansicht». (Bild: Maya Heizmann)

Für Gerhard Weinhappl üben Bleche und Metalle seit seiner Jugend eine grosse Faszination aus. Indem er die Bleche formt und zu einem neuen Gegenstand zusammenfügt, kann der 55-Jährige seine Kreativität ausleben. Mit seiner Firma «Hand-Werkstatt» bietet Weinhappl fachtechnische Lösungen im Bereich Sanitär und Spenglerei an.

Vor mehr als zehn Jahren wurde Weinhappl, der in St. Margarethen wohnt, von der Denkmalpflege des Kantons Thurgau angefragt, ob er in der Idda-­Kapelle in Fischingen einen neuen Dachwasser-Ausspeier in Drachenform anfertigen könne. Nach dem Vorbild der drei schon bestehenden Figuren schuf er in fünfzig Stunden Arbeit einen identischen Ausspeier. Diese Arbeit war der Start zu seiner Begeisterung fürs Kreieren von Kunstfiguren. Für seine gestalterische Recyclingkunst benützt er diverse Metalle aus Abfallresten und Alteisen. So erhalten Aluminium-Lochbleche, Bleche aus Titan-Zink oder Kupfer ein zweites Leben.

Gebrauchte Gegenstände erhalten neues Leben

Nun hat sich der Kunsthandwerker etwas Neues einfallen lassen. In seiner kleinen Werkstatt steht ein grosser Kopf eines Stieres oder eines Bisons. Anstelle von Altblechen hat er den Tierkopf mit alten Velopneus ausgestattet. «Die Pneus hatten einst für Energie gesorgt, sie ist verbraucht, doch nun lebt sie in der Stierskulptur wieder auf», sagt der Künstler. Seitdem ein Traktor bei einem Unfall seinen Gartenhag beschädigt hat, bewacht ein böser Drache mit spitzen Zähnen und mit Armen und Beinen aus lauter Nägeln den kleinen Gartenvorplatz. Gut geschützt vom Angst einflössenden Untier sitzt eine Frauenskulptur mit einem Buch in der Hand im Garten. Daneben thront eine Blechsonnenblumen. Hinter dem Haus stehen weitere Skulpturen, wie der Kopf eines studierenden Professors mit Zylinder, dessen offenes Hirn mit Rädern tickt. «Kunst braucht die Fantasie des Betrachters», sagt Weinhappl. Jeder sehe etwas anderes in seinen Figuren, so könne der Betrachter innehalten, seine Fantasie beflügeln lassen und für einen Moment der Geschwindigkeit entgegenwirken.

Maya Heizmann

hinterthurgau@thurgauerzeitung.ch

.