St. Gallen schützt sein Welterbe

Mittels eines Managementplans wird das Weltkulturerbe besser gepflegt und geschützt. Damit erfüllen katholische Kirche, Kanton und Stadt St. Gallen eine Unesco-Forderung – als Pionierort in der Schweiz.

Marcel Elsener
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Die Verantwortlichen des Stiftsbezirks mit dem Präsidenten der Schweizer Unesco-Kommission, Jean-Bernard Münch (3. v. r.). (Bild: Urs Bucher)

Die Verantwortlichen des Stiftsbezirks mit dem Präsidenten der Schweizer Unesco-Kommission, Jean-Bernard Münch (3. v. r.). (Bild: Urs Bucher)

Zwei Polizisten patrouillieren in den Gassen vor der St. Galler Kathedrale, derweil in einem ihrer Nebengebäude – im Dekanatsflügel – die Spitzen des Kantons, der Stadt und der katholischen Kirche den verstärkten Schutz des sakralen Barockbaus und seines Ensembles feiern. Sinniger Zufall: Die Anwesenheit der Polizei gilt nicht der Begleitung der St. Galler Regierungsleute und ihrer prominenten Gäste wie dem Präsidenten der Schweizer Unesco-Kommission, Jean-Bernard Münch, sondern dem täglichen Betrieb im Stiftsbezirk. Der trägt zwar das bedeutende Label eines Unesco-Weltkulturerbes, ist aber auch ganz normal belebter Schweizer Stadtraum. Umso mehr gilt es, den Stiftsbezirk und seine einzigartigen Kulturgüter vermehrt zu schützen und Friktionen vorzubeugen.

Seit 2005 fordert die Unesco, dass ihre weltweit 1050 Kultur- und Naturdenkmäler einen sogenannten Managementplan erhalten, in dem die Zuständigkeiten und die Anstrengungen zum Erhalt und zur Pflege festgehalten sind. In der Schweiz gehörte der Stiftsbezirk St. Gallen 1983 zu den ersten drei Stätten, die das Label «Unesco-Weltkulturerbe» zugesprochen bekamen. Und nun ist die Gallusstadt der erste von heute zwölf Orten im Land (inklusive den 2016 neu aufgenommenen Bauten von Le Corbusier), der diesen Plan vorlegen kann. Entsprechend stolz zeigen sich die Hauptträger des Stiftsbezirk bei der Vernissage des Massnahmenplans, Regierungspräsident Martin Klöti, Stadtpräsident Thomas Scheitlin und der Präsident des katholischen Konfessionsteils Martin Gehrer, die Richtlinien der Unesco für ihre «einzigartige Schatzkammer der europäischen Überlieferung» erfüllen zu können.

Mit ihnen feiern gut 80 Vertreter der weiteren Akteure, namentlich Bistum, Dompfarrei, katholische Kirchgemeinde, St. Gallen-Bodensee Tourismus und Bund.

Ein 80seitiger Plan mit 37 Massnahmen

Als Hausherr (der tatsächlich auch hier wohnt) erinnert Bischof Markus Büchel im «Herzstück» des Stiftsbezirks, dem einstigen Refektorium der Mönche mit der Galerie der Fürstäbte, an die nach der Aufhebung des Klosters und Rückgabe an die Stadt 1809 in Stein gemeisselte Verpflichtung: «Für die Pflege der Religion, Wissenschaft und Kunst ehrerbietig zurückgegeben», besagt der lateinische Satz auf der Tafel.

Ihren Pflichten sind die Verantwortlichen des Stiftsbezirks in den 200 Jahren gut nachgekommen, wie es im 80 Seiten umfassenden Managementplan heisst: «Insgesamt ist das Weltkulturerbe in einem guten Erhaltungszustand. Die Eigentümer haben sich verantwortungsvoll um Bauten und Kulturgüter gekümmert.» Den Willen der St. Galler, ihre Bemühungen nun zu verstärken, würdigte Jean-Bernard Münch, der aus Genf angereist war (verspätet, wie er anmerkte: «Die SBB versuchten mich vergeblich davon abzuhalten…»). Münch erinnerte daran, dass die Welterbestätten «uns allen» gehörten und insbesondere die Jugend für diese sensibilisiert werden müsse.

Dabei ist der Schutz des Kulturerbes nicht selbstverständlich: Syrische Flüchtlinge ermahnten derzeit daran, dass «die Überlieferung bedroht ist», sagte Martin Klöti. In St. Gallen war es kein Krieg, sondern 2014 «nur» ein Wasserschaden, der laut Klöti die Notwendigkeit von Schutzmassnahmen für die Schätze wie den St. Galler Klosterplan («unsere Mona Lisa») unterstrichen habe. Der Managementplan ist das Resultat der intensivierten Zusammenarbeit der Stiftspartner, die 2015 mit einer Exekutivvereinbarung besiegelt wurde. Koordiniert werden die Schutzbemühungen von dem von Kulturamtsleiterin Katrin Meier präsidierten Verein Weltkulturerbe Stiftsbezirk. Was aber bedeutet der Plan konkret? Eine neue Signalisation etwa, die den Stiftsbezirk besser sichtbar machen soll, wie Martin Gehrer eine von 37 vorgesehenen Massnahmen für die Jahre 2017 bis 2010 beschrieb. Von den Friktionen der vielfältigen Nutzung war am Donnerstag nicht die Rede, doch diskutieren die Gremien immer wieder aufs Neue, was bei allem Respekt vor dem Weltkulturerbe an Leben möglich ist.

www.stiftsbezirk-sg.ch