St. Gallen bleibt Biorender treu

MÜNCHWILEN. Die in Konkurs geratene Biorender erhält weiter Rückendeckung von der Stadt St. Gallen. Sie schliesst mit der neuen Mieterin der Biogasanlage, der Jakob Bösch AG, einen Vertrag ab – vorerst für ein Jahr.

Daniel Wirth
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Der Betrieb der Biorender ist bis Ende September 2015 gesichert. (Bilder: Luca Linder)

Der Betrieb der Biorender ist bis Ende September 2015 gesichert. (Bilder: Luca Linder)

Über diesen Schritt informierte der St. Galler Stadtrat Fredy Brunner, Vorsteher der Technischen Betriebe der Stadt St. Gallen, gestern an einer Pressekonferenz. Der Stadtrat wolle mit dem Konkursverwalter und der Jakob Bösch AG, einer Herisauer Biogasproduzentin, einen Abnahmevertrag für ein Jahr abschliessen, sagte Brunner. Die Abnahmemenge der Stadtwerke beträgt maximal 4,4 Gigawattstunden zu 35 Rappen pro Kilowattstunde; was maximalen Kosten von 1,7 Millionen Franken gleichkommt, wie Stadtrat Brunner vorrechnete.

Rückwirkend in Kraft getreten

Dieses Engagement beginne rückwirkend per Anfang Oktober und dauere bis Ende September nächsten Jahres, skizzierte Brunner die Rahmenbedingungen des Vertrages, der vom Stadtrat zwar noch nicht unterschrieben, aber im Grundsatz gutgeheissen wurde.

Die Vertragsdauer entspricht damit ungefähr dem ursprünglichen Vertrag, den die Stadt St. Gallen im Jahr 2009 mit Wil, Winterthur, Schaffhausen, Uzwil, Flawil und der Erdgas Ostschweiz AG eingegangen war. Wil kündigte diesen Vertrag schon Mitte vergangenen Jahres, und die Stadt Winterthur stieg in diesem Sommer aus. Fredy Brunner hielt sich gestern an der Medienkonferenz mit Kritik an den Behörden von Wil und Winterthur zwar zurück; er liess aber durchblicken, dass er wenig hält von solch politischem Verhalten.

Ohne Not Pickel hingeworfen

«Ich bin mir sicher, dass schon bald Biogas aus Münchwilen zu Marktpreisen hätte eingekauft werden können, wenn alle Vertragspartner aufrecht geblieben wären und nicht ohne Not den Pickel hingeworfen hätten», sagte Brunner sichtlich genervt.

Denn seit dem Mitwirken Jakob Böschs, der in Appenzell Ausserrhoden aus Speiseresten und Grünabfällen erfolgreich Biogas herstellt, habe die Produktivität der Biogas-Anlage in Münchwilen kontinuierlich gesteigert werden können, sagte Brunner.

Dass die Stadt St. Gallen der Jakob Bösch AG verhältnismässig teures Biogas abnimmt, ist von existenzieller Bedeutung, dass der Betrieb in Münchwilen vorerst weitergeführt und Arbeitsplätze erhalten werden können. Eine andere Erwägung des Stadtrats war gemäss Brunner: Die Stadtwerke benötigen in Zukunft eine steigende Menge hier produzierten Biogases, um die im Energiekonzept 2050 anvisierte Energiewende und den Ausstieg aus der Atomenergie zu schaffen – umso mehr, als das ambitiöse Geothermie-Projekt im Sittertobel gescheitert ist. Brunner sagte, die Abnahme von Biogas aus Münchwilen führe zu keiner Belastung der Gasrechnung der Stadtwerke und wirke sich auch nicht negativ auf die Erfolgsrechnung aus. Der ökologische Mehrwert des Biogases aus der Region werde schon heute solidarisch von einem grossen Teil der Gaskunden getragen, sagte Brunner.

Hoffnung für Gläubiger

Mit der Weiterführung der Biogas-Anlage in Münchwilen wird vorerst verhindert, dass Gesamtinvestitionen von rund 35 Millionen Franken in den Sand gesetzt werden. Darüber hinaus besteht eine Chance, dass mindestens einige Gläubiger im Konkursverfahren einen Teil ihrer Forderungen zurückerhalten.

Fredy Brunner Stadtrat St. Gallen (Bild: Luca Linder (Luca Linder))

Fredy Brunner Stadtrat St. Gallen (Bild: Luca Linder (Luca Linder))

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