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SPUREN: Volkszählung bei den Tieren

Für den neuen Säugetieratlas der Schweiz und Liechtensteins suchen Experten mit unterschiedlichen Methoden nach Hinweisen über das Vorkommen von Fuchs, Hase und Maus. Ein Einblick in ihre Arbeit.
Sabrina Bächi
Hannes Geisser (links) begutachtet mit Kim Krause und Joggi Rieder die Abdrücke auf dem Papier aus dem Spurentunnel. (Bild: Andrea Stalder)

Hannes Geisser (links) begutachtet mit Kim Krause und Joggi Rieder die Abdrücke auf dem Papier aus dem Spurentunnel. (Bild: Andrea Stalder)

Sabrina Bächi

sabrina.baechi@thurgauerzeitung.ch

Es sieht aus wie moderne Kunst. Ein weisser Papierstreifen auf einem Holzbrett, betupft mit lauter kleinen Punkten. Die Freude ist gross. Denn das, was wie Kunst aussieht, ist für Forscher der Nachweis lebendiger Natur. Es sind Pfotenabdrücke kleiner Säugetiere, die im Spurentunnel über das Stempelkissen getrippelt sind und ihre Unterschrift auf dem Papier hinterlassen haben.

Im Rahmen des Säugetier­atlas, der nach über 20 Jahren erneuert wird, suchen Experten nach Spuren und Hinweisen aller Säugetiere der Schweiz. Das Besondere am neuen Atlas ist jedoch, dass die Bevölkerung explizit um Mithilfe gebeten wird. «Wer etwa ein totes Tier findet, kann es beim Naturmuseum vorbeibringen», sagt Hannes Geisser, Direktor des Naturmuseums. Dort werden die Tiere identifiziert und in die Datenbank eingetragen. Die Thurgauer können aber auch gleich selber ihre Beobachtungen auf der Website eintragen und Fotos der Tiere hochladen. Das Projekt hat mehrere Ziele, erklärt Geisser: Man will die Verbreitungsdaten der Tiere erfassen, etwa für neue Bauprojekte. Es ist Basis für den Naturschutz, dokumentiert die Dynamik der Tiervorkommen und soll die Öffentlichkeit sensibilisieren. Damit sollen auch Wissenslücken gefüllt werden. Vor allem der Thurgau sei im heutigen Atlas ein unbeschriebenes Blatt. Dem wollen die Experten entgegenwirken.

Neuste Technik für die Tierzählung

Hannes Geisser betont, dass vor allem die mittleren und kleinen Säugetiere wie etwa Mäuse oder Igel schwierig nachzuweisen sind. Hier kommen die Experten mit Spurentunnels, Fotofallen und Drohnen zum Einsatz. Das Naturschutzgebiet rund um den Hüttwilersee ist ein besonders geeignetes Gebiet, um eine grosse Vielfalt an Tieren beobachten zu können. Seit 20 Jahren darf hier die Natur wachsen, wie es ihr gefällt, sagt Joggi Rieder von der Stiftung Seebachtal. Hier stellt Landschaftsökologe Kim Krause seine Fotofallen auf. Er dokumentiert damit nicht nur das Vorkommen von Rehen, Wildschweinen und Spaziergängern mit Hunden, sondern eben auch von Waldmaus, Hermelin oder Marder. Dabei greift Krause in die Trickkiste, um die flinken Waldbewohner anzulocken: «Eine PET-Flasche, gefüllt mit Fischsauce, hat sich als Lockstoff bewährt», sagt er.

«Bei Kleinsäugern weiss man extrem wenig über ihr Vorkommen und den Verbreitungsgrad», sagt Hannes Geisser. Dem soll auch mit einem Spurentunnel Abhilfe geschaffen werden. Die neugierigen Tiere gehen durch den Holzkasten, über ein Stempelkissen und hinterlassen ihre Spuren auf Papier. «Dreckige Füsse ist das Schlimmste, was ihnen dabei passiert», sagt Geisser lachend. Selbst Hobbybeobachter können einen Spurentunnel basteln und im Garten aufstellen. Das Naturmuseum hat auf seiner Homepage eine Anleitung dafür, verrät Geisser. Wer zu Hause Spuren sammelt, kann das Beweismaterial ans Museum schicken. Dort werden die Abdrücke von Spezialisten untersucht. «Vor allem für Schulklassen eignet sich diese Art der Beobachtung», sagt Geisser.

Wissenschafter Kim Krause fährt jedoch noch moderneres Geschütz auf: eine Drohne. Die Luftaufnahmen zeigen, wo sich überall Tiere bewegen. Die vielen Spuren zeigen dem Fachmann, wo er am besten die Fotofallen oder Spurentunnels positioniert. Die Experten hoffen jedoch nebst wissenschaftlicher Methodik auf möglichst viele Meldungen aus der Bevölkerung. Bis Ende 2018 werden die Daten gesammelt. Der Säugetieratlas soll zwei Jahre später erscheinen.

Hinweis

www.säugetieratlas. wildenachbarn.ch

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