Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

SPRITZMITTEL: Schönheit mit Nebenwirkungen

Um den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu verringern, sollten Bauern auf robuste Sorten setzen. Die Ansprüche an die Produkte sind aber sehr hoch. Kunden kaufen mit dem Auge, sagt die Migros.
Sabrina Bächi
Aussen schön, innen geschmackvoll: Die Ansprüche ans Obst sind hoch. (Bild: Hannes Thalmann)

Aussen schön, innen geschmackvoll: Die Ansprüche ans Obst sind hoch. (Bild: Hannes Thalmann)

Sabrina Bächi

sabrina.baechi

@thurgauerzeitung.ch

Ein blauer Schmetterling flattert nervös um die Blumen. Er kann sich nicht entscheiden, auf welcher er sich niederlassen will. Die Auswahl ist gross. Zwischen den Bio-Rebstöcken von Roland Lenz in Iselisberg kreucht und fleucht einiges. Dass das Thurgauer Grundwasser mit Pflanzenschutzmitteln kontaminiert ist (TZ vom 21. Juni), trifft ihn sehr. Sauberes Trinkwasser ist das wichtigste Gut, sagt Lenz. Dafür lohnt es sich zu kämpfen und innovativ zu sein. Schliesslich sei das Grundwasser die Basis unserer Gesundheit. Lenz ist sich sicher: «Aus Sicht der Konsumenten ist die biologische Landwirtschaft die Zukunft.»

Konsumenten, die Lebensmittel kaufen, welche mit Pflanzenschutzmitteln behandelt wurden, nehmen die Verschmutzung des Wassers in Kauf. Alles auf den Konsumenten abzuschieben, ist jedoch nicht fair, sagt Lenz. «Die Landwirtschaft und der Detailhandel brauchen mehr Mut», sagt der Biobauer. Mehr Mut für Alternativen, um aus der Misere herauszukommen, wie Lenz sagt. Zwei Strategien schweben ihm vor: «Der Detailhandel hat eine Schlüsselposition: Er hat die Aufgabe, den Konsumenten zu sensibilisieren, aufzuklären und neue Sorten anzubieten.» Dies schliesst die zweite Massnahme ein, die Lenz für wichtig hält: Pilzresistente Sorten.

Robuste Sorten im Kampf gegen Pestizide

Lenz hat mit robusten Reben sehr gute Erfahrungen gemacht. Die Sortenwahl ist jedoch auch im konventionellen Anbau entscheidend. Bauern, die sogenannte Piwi-Sorten, also pilzwiderstandsfähigere Sorten, an-bauen, brauchen automatisch weniger Pflanzenschutzmittel. Letztlich würde sich die Umstellung auf Piwi-Sorten also auch für die konventionelle Landwirtschaft bezahlt machen. Denn Pflanzenschutzmittel sind ein Kostenfaktor. Der Biobauer vom Iselisberg sagt klar: «Ein neues Pestizid ist ein Rückschritt, kein Fortschritt.»

«Robuste Sorten sind das A und O», sagt auch Urs Müller, Leiter Obst, Gemüse und Beeren am Berufsbildungszentrum (BBZ) Arenenberg. Den Vorteil robuster oder pilzwiderstandsfähigerer Sorten habe man in der Praxis erkannt. Je nach Art des Produktes ist es jedoch schwierig, sagt der Fachmann. «Beim Gemüse ist es anspruchsvoller als im Obst- und Rebbau», sagt Müller. Auch er weist auf die entscheidende Position des Detailhandels hin. «Die Anforderungen an die innere und äussere Qualität der Produkte sind sehr hoch.» Das geforderte Ergebnis erreichen die Bauern fast nur mit Pflanzenschutzmitteln, weiss Müller. Auch wenn die Anforderungen ans Gemüse schliesslich auf den Konsumenten zurückgeführt werden, verlangt auch Müller mehr Unterstützung vom Handel. «Der Konsument kauft mit dem Auge, und es ist ein Aufwand, neue Sorten zu verkaufen, die vielleicht nicht so schön aussehen, dafür eine bessere Ökobilanz aufweisen.»

Qualitätsanforderungen sind wichtig

«Grundsätzlich ist der Anbau resistenter oder robuster Sorten sinnvoll», schreibt die Migros Ostschweiz auf Anfrage. Am Markt können sich jedoch neue Sorten nur bewähren, wenn sie dieselben Qualitätsanforderungen wie die bisherigen Sorten aufweisen. «Es ist daher zwingend, dass beispielsweise der Geschmack mindestens dieselben Qualitäten aufweist.» Um die Landwirtschaft bei der Findung solcher neuen Produkte zu unterstützen, engagiere sich die Migros bei diversen Forschungsprojekten, mit dem Ziel, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln im Anbau zu reduzieren. Darunter würde unter anderem auch die Sortenprüfung fallen, schreibt der Detailhändler. Für die Migros lohnen sich die hohen Qualitätsansprüche, denn was dem Kunden nicht gefalle, verschwinde schnell wieder vom Markt. Und gerade bei frischen Produkten sei in erster Linie der optische Eindruck entscheidend für das Kaufverhalten. «Selbst nachhaltigkeitsaffine Konsumentinnen und Konsumenten, die beispielsweise Bioprodukte kaufen, haben hohe Qualitätsansprüche an Früchte und Gemüse», schreibt die Migros Ostschweiz. Von diesen Herausforderungen sei die gesamte Branche Detailhandel betroffen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.