SPORTFERIEN: Wo die Eltern wedelten

Die traditionellen Skilager haben sich gewandelt und sind nicht überall obligatorisch, doch ihre ­Bedeutung ist ungebrochen – und sei es für den sozialen Aspekt.

Katharina Brenner, Marcel Elsener
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Katharina Brenner, Marcel Elsener

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Skilager lassen sich praktischerweise am besten im eigenen Ferienheim durchführen. Doch besitzen nur wenige Ostschweizer Gemeinden eigene Berghäuser. So hat die Stadt St. Gallen, die jährlich über 150 Skilager durchführt, selber kein einziges Ferienheim. Und manche Gemeinde, die ein Haus besass, hat es aus Kostengründen aufgegeben – oft nach langen Debatten und Abstimmungen. Ein bekannter umstrittener Fall ist Arbon, das 2013 entschied, seinen «Rossfall» in Urnäsch zu verkaufen. Am Haus hingen Emotionen von Generationen: Die Primarschulgemeinde hatte es 1914 bauen lassen. Ein anderes Beispiel ist Uzwil, das über 50 Jahre das Hotel Alpenblick im Safiental führte. Nachdem der Betrieb einige Jahre rote Zahlen geschrieben hatte, verkaufte die Gemeinde das Haus. Die Schule Rorschach hatte ihr Ferienheim in Bever im Engadin bereits Mitte der 90er-Jahre verkauft – wie in Arbon nach einer emotionalen Debatte.

Gemeinschaftssinn und Selbstbewusstsein stärken

Viele Ostschweizer haben schöne Erinnerungen an die Ferienheime und wünschen sich, dass ihre Kinder dieselben Erfahrungen machen. In einigen Gemeinden ist dies möglich, etwa in Rorschacherberg. Die Schulgemeinde betreibt das Ferienheim Tarasp im Engadin. 2014 sprach sich die Gemeinde für dessen Erhalt aus. «Es läuft gut», sagt Schulsekretär Manuel Gygax. «Wir vermieten das Haus an andere Schulen und an Privatpersonen.» Kein Wunder, muten die Verhältnisse doch paradiesisch an: Das Haus liegt idyllisch am Schlosshügel, in der Nähe gibt es einen See zum Schlittschuhlaufen, einen Übungslift, 70 Kilometer Pisten, 60 Kilometer Loipen und eine Schlittelbahn. Diese Woche nutzen 24 Oberstufenschüler aus Rorschacherberg dieses Angebot in einem freiwilligen Skilager. «Wir hatten nie Probleme, genug Schüler zu finden», sagt Gygax. Und zum Glück fänden sich stets Lehrer, die für eine Leiterentschädigung gern mitmachten. Die Kinder kostet das Lager je 450 Franken. Eltern, denen das zu teuer ist, werden von der Schule unterstützt. In der Mittelstufe ist eine Woche Skilager verpflichtend; auch da seien die Schüler motiviert.

Auch Goldach hat ein Ferienheim: Das Gonda in Ladir gehört der politischen Gemeinde. Das Haus sei nicht schlecht und regelmässig vermietet, heisst es bei der Gemeinde. Die Schule Goldach habe bei der Belegung stets Vorrang. In der Oberstufe verbringen die Schüler eine Woche im obligatorischen Skilager. «Es findet während der Schulzeit statt, mit Kursen in unterschiedlichen Niveaus», sagt Schulsekretär Stefan Sieber. Die Finanzierung laufe über das Schulamt, ­jedes Kind zahle für die Woche ­ 75 Franken. Die Schüler seien motiviert, es habe in jüngster Zeit keine Probleme gegeben.

Der Goldacher geht mit dem Rorschacherberger Schulsekretär einig, dass Skilager den Gemeinschaftssinn stärken sowie das Selbstbewusstsein jedes einzelnen Schülers. Ausserdem sei Bewegung im Winter draussen wichtig. Und Manuel Gygax fügt hinzu: «Irgendwie gehört der Wintersport auch zur Schweiz dazu.»

Schlitteln oder Schwimmen als Alternative

Nun ist Skifahren aber längst nicht mehr der «Sport der Nation», wie er es zu Zeiten des Schlagers «Alles fährt Ski» noch war. Entsprechend haben die meisten Schulgemeinden das Angebot der Skilager erweitert: Wer nicht auf die Skis oder Boards will, geht langlaufen, schlitteln, schneewandern, schwimmen oder curlen. Oder sie erklären das Skilager aus Kosten- oder anderen Gründen für freiwillig und bieten, wie etwa die Oberstufen in Uzwil und Wil, für die Daheimgebliebenen Sonderwochen an. Die Teilnehmerzahlen besagen in der Regel, dass Skilager alles andere als Schnee von gestern sind: Oft nehmen 60 bis 70 Prozent der Schülerinnen und Schüler am Lager in den Bergen teil. Und in den meisten Gemeinden, jedenfalls auf dem Land, will die Mehrheit Ski fahren, wie das Beispiel Marbach im Rheintal zeigt: Von 200 Schulkindern verzichtet dort in diesem Januar nur ein Dutzend auf den Brettersport.