SPORT: Ein Jahrgang schwächelt

Die Thurgauer sind beim Fitnesstest der militärischen Rekrutierung nicht mehr so weit vorne dabei wie in den Vorjahren. Das zeigen die neusten Zahlen aus Magglingen. Beim Kanton heisst es: Kein Grund zur Beunruhigung, wichtiger sei die Tauglichkeitsquote.

Sebastian Keller
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Der Rumpfkrafttest ist eine der fünf Disziplinen bei der Rekrutierung der Schweizer Armee. (Bild: KEY/Gaetan Bally)

Der Rumpfkrafttest ist eine der fünf Disziplinen bei der Rekrutierung der Schweizer Armee. (Bild: KEY/Gaetan Bally)

Sebastian Keller

sebastian.keller@thurgauerzeitung.ch

Rundlauf, Weitsprung, Einbeinstand: Die Schweizer Armee will wissen, wie fit ihre zukünftigen Soldaten sind. Der Fitnesstest ist Teil der Rekrutierung und entscheidet auch darüber, ob jemand Grenadier oder Buchhalter wird. Oder gar untauglich ist. Das Bundesamt für Sport (Baspo) in Magglingen wertet diesen Test aus. Auf dieser Basis lässt sich eine Rangliste der Kantone erstellen. In der neusten Auswertung für das Jahr 2016 findet sich der Thurgau auf dem 15. Rang. Das war auch schon anders: In den Jahren 2014 und 2015 belegten die jungen Thurgauer jeweils den zweiten Platz; 2012 sogar den ersten. Zuoberst auf dem Podest landet im Jahr 2016 Graubünden. In den Vorjahren war jeweils Zug Goldmedaillenträger.

Die in der Regel 19-jährigen Thurgauer erreichten 2016 im Schnitt 69,4 von 125 möglichen Punkten. Damit sind sie knapp unter dem Schweizer Durchschnitt von 69,7 Punkten. Im Jahr zuvor, als die Thurgauer auf dem zweiten Platz rangierten, waren sie mit 73,7 Punkten über dem Landesdurchschnitt von 71,1 Punkten.

Kein Alarmismus beim Kanton Thurgau

Dass der Thurgau im Jahr 2016 keinen Spitzenplatz beim militärischen Fitnesstest belegt, versetzt Hans Peter Schmid nicht Alarmbereitschaft. «Bei der Auswertung handelt es sich um eine Momentaufnahme», sagt der Chef des kantonalen Amtes für Bevölkerungsschutz und Armee. Wären die Zahlen über mehrere Jahre unter dem helvetischen Durchschnitt, würden man dies mit dem Sportamt diskutieren. «So weit ist es aber noch lange nicht», betont Schmid.

Zu den aktuellen Zahlen bemerkt er die überdurchschnittliche Teilnahme aus dem Thurgau: Im Jahr 2016 absolvierten 83 Prozent der stellungspflichtigen Thurgauer den Fitnesstest vollständig, der Landesdurchschnitt lag bei 81 Prozent. Aus Graubünden waren es 77 Prozent. Das Baspo verweist in der Anleitung zur Auswertung darauf, dass die Zahlen mit Vorsicht zu geniessen seien. Die Anzahl Stellungspflichtige der einzelnen Kantone variiere stark, was bei der Interpretation zu berücksichtigen sei.

Schmid sieht in der Übungsanlage einen weiteren Faktor, der die Resultate beeinflussen kann. In Rüti, wo die Thurgauer rekrutiert werden, wird der Ausdauerlauf in der Halle absolviert. In einigen der fünf weiteren Rekrutierungszentren werden die Laufschuhe draussen geschnürt. «Das kann zu unterschiedlichen Punktzahlen führen», sagt der Chef des Amtes für Bevölkerungsschutz und Armee.

Die Stellungspflichtigen wissen, was sie beim Fitnesstest erwartet. Das erfahren sie am Orientierungstag, dem ersten obligatorischen Termin im Leben eines zukünftigen Soldaten. «Wir zeigen am Orientierungstag einige Übungen vor und geben Trainingstipps, damit sie sich auf die Rekrutierung vorbereiten können.» Auch werden die jungen Leute darauf hingewiesen, dass für militärische Funktionen wie Grenadiere oder Pontoniere erhöhte körperliche Leistungsfähigkeit Voraussetzung ist.

Für Hans Peter Schmid ist der Fitnesstest isoliert betrachtet ohnehin nicht zentral. Wichtiger sei die Tauglichkeitsquote. «Der Thurgau weist eine überdurchschnittliche Quote aus», sagt er. Im vergangenen Jahr waren 72 Prozent aller Thurgauer Stellungspflichtigen militärdiensttauglich – 66,3 Prozent betrug der Landesdurchschnitt. Die tiefste Quote weist das Wallis mit 58,7 Prozent aus. «Unser Ziel ist es, die Armee mit möglichst vielen fähigen Männern und Frauen aus dem Thurgau versorgen zu können», betont Schmid. Doch der Einfluss ist begrenzt. Denn: Wer militärdiensttauglich ist, kann auch auf den Zivildienst umschwenken – diese Leute fehlen aber der Armee. «Unser Ziel ist es, die Abwanderung Richtung Zivildienst möglichst tief zu halten», sagt Schmid.

Drei Viertel erfüllen die Empfehlungen des Bundes

Im Jahr 2016 bot die Armee 39884 Stellungspflichtige, davon 258 Frauen, zur Rekrutierung auf. 81 Prozent haben den Fitnesstest komplett absolviert, im Jahr zuvor waren es 76,9 Prozent. Dies geht aus der Auswertung hervor. Die Stellungspflichtigen wurden auch zu ihrem Sport- und Bewegungsverhalten befragt. Das Ergebnis: 73,8 Prozent erfüllen nach eigenen Aussagen die Empfehlungen des Bundes, 2015 waren es 76,2 Prozent. Empfohlen wird pro Woche mindestens 150 Minuten schnelles Gehen, Velofahren oder Gartenarbeit. Erfüllt hat auch, wer zweimal wöchentlich Fussball spielt oder zwei Lauftrainings absolviert.