Splitter, Prügel und der Typhus

Aus dem Publikum: Die Badanstalt Frauenfeld hat sich in den letzten Tagen eines grossen Andrangs erfreut. Doch machte sich wieder einmal der Mangel an jeglichem Verbandstoff unangenehm bemerkbar.

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Aus dem Publikum: Die Badanstalt Frauenfeld hat sich in den letzten Tagen eines grossen Andrangs erfreut. Doch machte sich wieder einmal der Mangel an jeglichem Verbandstoff unangenehm bemerkbar. Wie leicht kann man sich auf den rauen Brettern durch einen Holzsplitter eine Verwundung zuziehen, die leicht ernstere Folgen haben kann, da keine Gelegenheit besteht, die Wunde sachgemäss auszuwaschen und zu verbinden! Wäre diesem Mangel durch Anschaffung eines Verbandkoffers nicht abzuhelfen?

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Verhandlung in der Kriminalkammer: Wenig Schwierigkeiten bot die Beurteilung des Deliktes, das dem Angeklagten Ettore Bonazzo, Schuhmacher, von Verona, Italien, zur Last gelegt wurde. Das Vorleben des Angeklagten bot keinen Anlass, besondere Milde walten zu lassen, hatte er doch schon sieben Vorstrafen wegen Diebstahls, worunter eine von 19 Monaten Zuchthaus verbüsst. Auch über die Täterschaft konnte kein Zweifel herrschen; denn der Angeklagte war auf frischer Tat ertappt worden.

Er hatte sich nämlich Samstag, den 11. Februar dieses Jahres, etwa halb 8 Uhr abends, in das Metzgereiverkaufslokal des Joh. Schmid zum «Alten Garten» in Romanshorn eingeschlichen, angeblich um Speck zu kaufen. Da aber niemand zugegen war, obwohl das elektrische Licht brannte, nahm er statt des Specks die Schublade des Ladentisches samt der darin befindlichen eisernen Geldkassette mit etwa 200 Fr. Inhalt mit.

Dabei machte er aber etwas zu viel Geräusch. Man entdeckte den Diebstahl. Die Metzgerburschen des Schmid verfolgten den Dieb, fingen ihn und händigten, nachdem sie den Angeklagten durch eine Tracht Prügel über den Unterschied von Mein und Dein belehrt hatten, die Geldkassette dem Meister, den Dieb aber der Polizei aus. Mit Rücksicht auf diese Verumständungen blieb ihm nichts anderes übrig, als die Tat zu gestehen.

In der Untersuchung ergaben sich dann gewichtige Indizien dafür, dass dieser Diebstahl nicht der einzige war, den der Angeklagte sich hatte zu Schulden kommen lassen, sondern dass er mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit einer Bande angehörte, die im Grossen «arbeitete». Da man ihm dies aber nicht bestimmt nachweisen konnte, musste er einstweilen wegen dieses einen Diebstahls verurteilt werden. Er erhielt dafür eine Arbeitshausstrafe von 5 Monaten unter verhältnismässigem Abzug der Haft und eine zehnjährige Landesverweisung.

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Müllheim: Hier ist der Typhus ausgebrochen. Es sollen bereits fünf festgestellt sein. Drei Kranke, zwei Frauen und ein Mädchen, sind ins Krankenhaus Frauenfeld transportiert und dort im Absonderungshaus untergebracht worden. Der Herd der Krankheit wird in einem Hause erblickt, wo noch ein Ziehbrunnen besteht.