Spital: Beschwerde verzögert Baubeginn

Es dürfte Monate dauern, bis das Verwaltungsgericht sein Urteil zur Auftragsvergabe für den Neubau des Kantonsspitals Frauenfeld fällt. Damit wird der bisher auf Ende Jahr angesetzte Baubeginn für das Grossprojekt unwahrscheinlich.

Christof Widmer
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Legende (Bild: Donato Caspari)

Legende (Bild: Donato Caspari)

FRAUENFELD. Die Beschwerde des Generalunternehmers HRS wirft den Zeitplan für den Neubau des Kantonsspitals Frauenfeld über den Haufen. Baubeginn des Grossprojekts hätte Ende dieses Jahres sein sollen. Der Rechtsstreit um die Vergabe des Auftrags an den Generalunternehmer Steiner AG macht diesen Termin unrealistisch. Die Konkurrentin HRS hat am Freitag bestätigt, dass sie beim Verwaltungsgericht Beschwerde eingelegt hat (Ausgabe vom Samstag).

«Eher Monate als Wochen»

Das Verwaltungsgericht dämpft die Hoffnungen auf ein baldiges Urteil. «Es dauert eher Monate als Wochen», sagt Gerichtspräsident Richard Weber. Zum konkreten Fall macht er keine näheren Angaben. Der Ablauf sei aber jeweils so, dass die beiden Parteien zunächst Gelegenheit haben, Stellung zu nehmen. In dieser Phase habe das Gericht wenig Einflussmöglichkeiten. Es schreite jeweils nur ein, wenn eine Partei über Gebühr lange für die Stellungnahme braucht. Es kann aber auch sein, dass es nicht bei einer Stellungnahme bleibt, sondern dass es noch zu Repliken kommt.

Die Richter müssen sich nach Abschluss dieses Schriftenwechsels in den Fall einarbeiten. Das Gericht werde in einer Fünferbesetzung über den Fall urteilen, sagt Weber. Auch diese Vorbereitung werde Zeit in Anspruch nehmen. «Wir bemühen uns aber, die Verfahren beförderlich zu behandeln.»

Das Urteil des Thurgauer Verwaltungsgerichts muss nicht das letzte sein. Die unterlegene Partei könnte den Fall ans Bundesgericht weiterziehen. In diesem Fall dürfte das Bauprojekt nochmals einige Zeit verzögert werden.

Nicht ganz überrascht

Die kantonseigene Thurmed AG, zu der die Kantonsspitäler gehören, macht sich darauf gefasst, dass sie nicht schon Ende Jahr mit dem Bau beginnen kann. «Die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass der Baubeginn verzögert wird», sagt Marc Kohler, CEO der Thurmed AG und der Spital Thurgau AG. Um wie viele Monate, lasse sich zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht sagen. Ganz überrascht von der Beschwerde der HRS ist Kohler nicht. «Bei Vergaben in dieser Grössenordnung muss man damit rechnen, dass es Einspruch gibt.» Inhaltlich äussert er sich nicht zum laufenden Verfahren.

Der Neubau für das Kantonsspital Frauenfeld gilt als der grösste Bauauftrag im Kanton. Die Kosten belaufen sich auf über eine Viertelmilliarde Franken. Nach Angaben aus der Branche hatten die Generalunternehmer, die sich für den Auftrag bewarben, allein für die Teilnahme am Wettbewerb Auslagen von je einer halben Million Franken. Vorgesehen ist, dass ein neuer Bettentrakt und neue Operationssäle entstehen. Der heutige Bettenturm wird anschliessend abgerissen.

Marc Kohler CEO Thurmed AG und Spital Thurgau AG (Bild: Reto Martin)

Marc Kohler CEO Thurmed AG und Spital Thurgau AG (Bild: Reto Martin)

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