Speedys zeigen nicht immer gleich viel an

Die Geschwindigkeitsmesser am Strassenrand sind nicht geeicht. Mit derselben Anzeige auf dem Tacho kann ein Autofahrer unterschiedliche Geschwindigkeitsanzeigen auf verschiedenen Speedys auslösen. Eine einheitliche Linie dürfte aber nicht durchsetzbar sein.

Christof Widmer
Drucken
Teilen
Speedys zeigen den Autofahrern, wie schnell sie unterwegs sind. (Bild: Reto Martin)

Speedys zeigen den Autofahrern, wie schnell sie unterwegs sind. (Bild: Reto Martin)

FRAUENFELD. Das Gesicht in der Leuchtanzeige des Geschwindigkeitsmessers an der Dorfstrasse ist traurig: Über 50 Kilometer pro Stunde hat der Speedy gemessen. Der Autofahrer wundert sich derweil. Die Tachonadel steht zwar tatsächlich zwischen 50 und 55. Normalerweise macht das aber nichts: Andere Speedys zeigen trotzdem eine korrekte Geschwindigkeit von 50 an. Denn die Tachos in den Autos müssen so eingestellt sein, dass sie eine höhere Geschwindigkeit anzeigen, als die Autos in Wahrheit fahren – und die Speedys messen.

«Unser Speedy ist scharf eingestellt», bestätigt Alois Hersche, Gemeindeammann von Thundorf. Dort überrascht ein Geschwindigkeitsmesser derzeit Automobilisten mit einem traurigen Gesicht. 53 Kilometer pro Stunde auf dem Tacho sind auch 53 in der Speedy-Anzeige.

Eichung gar nicht möglich

Dass es vorkommen kann, das der eine Speedy nicht dieselbe Geschwindigkeit anzeigt wie der andere, räumt die Kantonspolizei Thurgau ein. Von ihr stammt das Gerät in Thundorf. «Die Eichung von Speedys ist nicht vorgeschrieben und in den allermeisten Fällen auch gar nicht möglich», sagt Polizeisprecher Daniel Meili. Abweichende Anzeigen können demnach an der Grundkonfiguration der unterschiedlichen Hersteller liegen. Möglich sei auch, dass der Winkel, in dem das Gerät zur Strasse steht, zu Verzerrungen in der Messung führt.

Diese Erfahrung hat auch die Thurgauer TCS-Sektion gemacht. Sie vermietete vor Jahren eigene Speedys an die Gemeinden. Wenn eine solche Geschwindigkeitsanzeige nicht gut aufgestellt sei, könne es sein, dass die Radarstrahlen von Reflexionen verfälscht würden, sagt TCS-Sektionspräsident Marco Vidale.

Den Spiegel vorhalten

Der TCS hält die «Speedys» für eine gute Präventionsmassnahme. «Sie halten dem Automobilisten den Spiegel vor, ohne zu büssen», sagt Vidale. Aber es sei ungünstig, wenn verschiedene Speedys nicht dasselbe anzeigen. Das verwirre die Autofahrer mehr.

Eine einheitliche Linie dürfte aber nicht durchsetzbar sein – die wenigsten Speedys an Thurgauer Strassen stammen von der Kantonspolizei. Die meisten haben die Gemeinden selber gekauft.

Mit dem «scharfen» Speedy in Thundorf ist Gemeindeammann Hersche nicht unglücklich. Er erziehe die Autofahrer. Das Gerät mahne sie, nicht prinzipiell am obersten Limit durchs Dorf zu fahren.