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SPARMASSNAHME: Forschungsstandort Tänikon ist auf der Abschussliste

Der Bund will die landwirtschaftliche Forschung von Agroscope im Kanton Freiburg zentralisieren. Das hätte den endgültigen Rückzug aus dem thurgauischen Tänikon zur Folge.
Silvan Meile, Sebastian Keller
Im Stall am Standort Tänikon stehen Nutztiere im Zentrum der Forschung. (Bild: Donato Caspari)

Im Stall am Standort Tänikon stehen Nutztiere im Zentrum der Forschung. (Bild: Donato Caspari)

Silvan Meile, Sebastian Keller

thurgau@thurgauerzeitung.ch

Der Bundesrat pflügt das landwirtschaftliche Forschungsfeld vollständig um. Nach den Plänen von Johann Schneider-Ammann bleibt am Agroscope-Standort Tänikon kein Stein mehr auf dem anderen. Die wissenschaftlichen Arbeiten auf dem ehemaligen Klostergelände, wo die Eidgenossenschaft seit 1969 im Bereich der Landwirtschaft forscht, fallen dem Spardruck des Bundes zum Opfer. Von den Standorten der Agroscope soll nur noch jener im Kanton Freiburg erhalten bleiben.

«Agroscope wird auf den Standort Posieux konzentriert, die anderen Standorte – Tänikon, Liebefeld und Zürich-Reckenholz – fallen weg», sagte Jürg Jordi, Sprecher des Bundesamtes für Landwirtschaft, gestern gegenüber dem «Schweizer Bauer». Schneider-Ammann persönlich informierte am vergangenen Freitag die Agroscope-Mitarbeiter über seine Abbaupläne in einer Videobotschaft. Die Betriebskosten müssten gesenkt werden, erklärte der Agrarminister. Das dürfte bedeuten, dass Tänikon, wie andere Agroscope-Forschungsstandorte, in den nächsten Jahren auf eine «dezentrale Versuchsstation» zusammenschrumpft. «Die geplanten Massnahmen werden – sofern sie dann im Sommer vom Bundesrat definitiv beschlossen werden – Verschiebungen und Abbau von Stellen zur Folge haben», sagte Schneider-Ammann.

Der Bundesrat wird mit Vorstössen eingedeckt

Über die Pläne des Bundesrates ist Markus Hausammann nicht erfreut. «Im Bundeshaus war die Empörung gross, von links bis rechts», sagt der Thurgauer SVP-Nationalrat und Präsident des Verbandes Thurgauer Landwirtschaft. «Ich erachte es als überstürzt.» Der Bundesrat müsse mit einer Reihe Vorstösse rechnen. Selber hat er am Montag einen eingereicht: Darin fordert er, der Bund müsse sein Engagement in eine standortgerechte Pflanzenzüchtung inklusive der Sortenprüfung umgehend substanziell erhöhen, damit die Branche Herausforderungen, zum Beispiel Klimawandel und angepasster Pflanzenschutz, meistern könne. Und die Standortgerechtigkeit bedinge Forschung in mehreren Regionen.

Den Nationalrat ärgert, dass betroffene Verbände nicht konsultiert wurden. Vorläufiger Gewinner sei Freiburg, wo der Bund die Forschung zusammenziehen will. «Alle anderen sind leidtragende.» Der Thurgau inklusive. Er bezweifelt, dass die angestrebte Effizienz gewonnen werden kann. So sollen Versuchsfelder weiterhin an mehreren Standorten bewirtschaftet werden. Aber: «Die Wege in den Thurgau würden länger.» Eine Fahrt von Posieux nach Tänikon dauert zweieinhalb Stunden; es würden Ansprechpersonen vor Ort fehlen.

Regierungsrat Schönholzer von Meldung überrascht

Regierungsrat Walter Schönholzer schätzt die Pläne des Bundesrates weniger dramatisch ein. Längst ist hier zwar der Sparauftrag der Agroscope ein Thema. Doch genau deshalb verhandelte Schönholzers Departement für Inneres und Volkswirtschaft 2016 mit Agroscope, wodurch schliesslich das Bildungs- und Beratungszentrum Arenenberg den Landwirtschaftsbetrieb in Tänikon vom Bund übernahm. Damit entlastete der Kanton die Agroscope finanziell und verhinderte die bereits damals angedachte Abwanderung der rund 100 Forschungsarbeitsplätze nach Posieux. «Wir haben bereits viel zum Sparprogramm der Agroscope beigetragen sowie mit dem Bund vertraglich vereinbart, dass die Arbeitsplätze im Thurgau nun gesichert sind. Auch Investitionen in Gebäudesanierungen sind vom Bund vertraglich zugesichert worden», sagt Schönholzer. Für ihn ist klar, dass diese Vereinbarungen, die mit einem Zeithorizont von acht Jahren getroffen wurden, eingehalten werden müssen und somit der Forschungsstandort Tänikon erhalten bleibt. «Das sehe ich auch langfristig so.» Schönholzer denkt, dass hauptsächlich die zentrale Verwaltung von Agroscope sowie Forschungsarbeitsplätze der West- und der Zentralschweiz ins Freiburgische verschoben werden, Tänikon, als «ein starker Standort in der Ostschweiz» aber erhalten bleibe.

Nach der Stallübernahme 2016 gleiste der Kanton mit Industriepartnern die Swiss Future Farm auf. Das ist ein Projekt, bei dem der Thurgau am Bauernhof der Zukunft forscht. Die Einbindung von privaten Investoren sei in jeder Hinsicht vorbildlich, sagt Schönholzer. Dieses Projekt ist aber auch auf Synergien mit Agroscope angewiesen. SVP-Nationalrat Hausammann findet, dass der Bund das Engagement des Thurgaus nicht honoriert. Mit der Swiss Future Farm habe man sich ins Zeug gelegt. «Das hilft uns zwar mittelfristig über die Runden, langfristig besteht aber trotzdem die Gefahr, dass uns der Bund im Stich lässt.»

Freiburg habe offenbar erfolgreich beim Bund lobbyiert, vermutet Hausammann. Tatsächlich: Das Kantonsparlament sprach vor drei Jahren 65,8 Millionen Franken für einen Agroscope-Neubau in Posieux. Der Kanton baut, der Bund mietet sich ein. Mindestens für 25 Jahre.

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