Spätgeburt feiert 10. Geburtstag

Das Verkehrssicherheitszentrum Thurgau feiert Jubiläum. Seit zehn Jahren absolvieren Neulenker dort obligatorische Kurse. Nebenbei finden auch freiwillige Schulungen zur Erhöhung der Sicherheit der anderen Verkehrsteilnehmer statt.

Samuel Koch
Merken
Drucken
Teilen
Ein VSZ-Auto vor einem Fahrsicherheitstraining auf der Piste an der Dufourstrasse 76 in Weinfelden. (Bilder: Samuel Koch)

Ein VSZ-Auto vor einem Fahrsicherheitstraining auf der Piste an der Dufourstrasse 76 in Weinfelden. (Bilder: Samuel Koch)

WEINFELDEN. Das Verkehrssicherheitszentrum (VSZ) Thurgau ist eine Spätgeburt. Im Geburtsjahr 2006 hätte das VSZ eigentlich bereits im März eröffnen und erste Neulenker schulen sollen. Seit dem 1. Dezember 2005 sind die Fahrkurse nämlich schweizweit für alle Neulenker obligatorisch.

Die Infrastruktur samt Fahrpiste, Schulungsräumen, Büros und Cafeteria stand bereit, aber das Wetter machte den Eltern – den Thurgauer Sektionen des ACS und TCS – einen Strich durch die Rechnung. «Vor der Eröffnung am Montag schneite es übers Wochenende über einen halben Meter Schnee auf die Anlage», sagt Geschäftsführer Marco Vidale. So musste die Eröffnung kurzerhand um zwei Monate verschoben werden.

Marco Vidale Geschäftsführer VSZ Thurgau AG

Marco Vidale Geschäftsführer VSZ Thurgau AG

Zwei Kurstage für Neulenker

Heute durchlaufen jährlich rund 4000 Neulenker die zwei VSZ-Kurs-Tage. Die sogenannten WAB-Kurse sind in der dreijährigen Probezeit nach der praktischen Fahrprüfung zu absolvieren. «Kurz nach der VSZ-Geburt arbeiteten 4 Fachleute für uns – heute sind es 17», sagt Vidale. Am ersten Kurstag lernen die Teilnehmer in Theorie und Praxis, wie gefährliche Verkehrssituationen entstehen können. Am zweiten Tag liegt der Fokus auf den eigenen Fähigkeiten mit Feedback-Fahrten sowie ökologischem Fahren. «Primär geht es darum, die Sicherheit im Verkehr zu erhöhen», sagt Vidale. Dazu gehen die Fachleute mit den Teilnehmern auch auf die Fahrpiste oder auf die Strasse. Das VSZ in Weinfelden ist das einzige im Thurgau. «Der Markt ist aber frei», sagt Verwaltungsratspräsident Urs Reinhardt. Wer seine Kurse im Kanton St. Gallen oder Zürich absolvieren möchte, könne das problemlos tun. «Die freien Plätze sind jeweils rasch ausgebucht», sagt Reinhard. Das könne zu Ausweichmanövern an andere Standorte führen.

Auffallend sei, dass sich in den vergangenen Jahren der negative Grundtenor gegenüber der Kurse relativiert habe. «Wir bekommen vermehrt positive Feedbacks, obwohl die Kurse obligatorisch sind, und die Teilnehmer sie selber berappen müssen», sagt Chefmoderatorin Yvonne Gasser. Zu verdanken sei das vor allem dem hohen Standard. «Wir legen viel Wert auf hohe Qualität unserer Kurse, aber auch auf jene der Infrastruktur und der Verpflegung», sagt Reinhardt.

Urs Reinhardt Verwaltungsratspräsident VSZ Thurgau AG

Urs Reinhardt Verwaltungsratspräsident VSZ Thurgau AG

Für Auto, Töff oder E-Bike

Nebst den WAB-Kursen organisiert das VSZ auch freiwillige Weiterbildungskurse. «Ob Auto-, Töff-, E-Bike- oder Nothelferkurse – dafür kommen alle Altersgruppen zu uns», sagt Reinhardt. Auch ältere und unsichere Lenker besuchten die Kurse immer öfter. Zwar arbeite das VSZ stets mit dem Strassenverkehrsamt zusammen. «Meldungen machen wir aber keine», sagt Reinhardt. Auch für Ausweisentzüge sei das VSZ nicht zuständig. «Wer in der Probezeit zweimal den Ausweis abgegeben hat, muss die WAB-Kurse wiederholen.»