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Sozialfirma Turgi AG am Ende

Vor zwei Jahren wurde die Turgi AG als eine der ersten Sozialfirmen im Thurgau gegründet. Ende Jahr stellt das Tochterunternehmen der Stiftung Zukunft Thurgau den Betrieb ein. Die Erwartungen waren viel zu optimistisch.
Markus Schoch
Hosen zusammenlegen: Die Sozialfirmen bieten einfache Arbeiten. (Archivbild: Susann Basler)

Hosen zusammenlegen: Die Sozialfirmen bieten einfache Arbeiten. (Archivbild: Susann Basler)

frauenfeld. Die Realität holte die Initianten schnell ein. Im Frühling 2006 vor dem Start der Turgi AG war die Rede davon, 40 Arbeitsplätze für Ausgesteuerte zu schaffen, besser sogar 50. Die Sozialfirma sollte mit diversen Servicearbeiten für die Industrie eine Millionen Franken Umsatz machen und selbsttragend sein. Der Betrieb wurde dann aber ein halbes Jahr später mit nur 20 Mitarbeitern aufgenommen. Und die Umsatzerwartungen wurden im ersten Jahr auf 100 000 Franken zurückgeschraubt.

Die hochgesteckten Ziele sind bis heute nicht erreicht worden. Mehr als 30 Personen arbeiteten nie in einer der Werkstätten der Turgi AG, die zuletzt nur noch am Standort Frauenfeld tätig war. Die Rechnung ging so aber nicht auf. Das Aktienkapital von 400 000 Franken ist mittlerweile zu einem guten Teil aufgebraucht. Der Verwaltungsrat zieht darum jetzt die Notbremse und schliesst Ende Jahr den Betrieb. Die Aktiengesellschaft bleibt aber erhalten.

Falsche Voraussetzungen

«Wir gingen von falschen Voraussetzungen aus», muss Verwaltungsratspräsident Markus Thalmann in nachhinein eingestehen. «Wir dachten, es gebe genügend Ausgesteuerte, die froh um eine neue Chance sind und sich entsprechend einsetzen.»

Konkret rechneten die Verantwortlichen mit rund 100 Zuweisungen durch die Gemeinden. Es waren dann aber viel weniger. Und längst nicht alle Mitarbeiter erwiesen sich als willig oder fähig, erinnert sich Thalmann. Dass die Nachfrage nach den sogenannten teilwirtschaftlichen Arbeitsplätzen so klein blieb, erklärt er sich unter anderem mit der guten Wirtschaftslage in den letzten zwei Jahren. Zudem hätten viele Gemeinden eigene Angebote für die Ausgesteuerten vor Ort entwickelt.

Als Misserfolg will Thalmann das Experiment aber nicht verstanden wissen. «Wir sind mit der Turgi AG vorausgegangen und haben die Gründung anderer Sozialfirmen im Kanton angestossen.» Zudem hätten sie zumindest vorübergehend einigen Menschen eine neue Perspektive gegeben. Ein Teil von ihnen habe sogar wieder Fuss im ersten Arbeitsmarkt fassen können.

Markt war übersättigt

Dass die Turgi AG jetzt aufhöre, heisse nicht, dass sie schlechter gearbeitet habe als die anderen Sozialfirmen, betont Thalmann. Diese hätten alle «auch irgendwo zu kämpfen», aber teilweise ein anderes Finanzierungsmodell. Für sie werde es jetzt aber sicher einfacher zum Überleben, wenn es die Turgi AG nicht mehr gebe. «Der Markt war übersättigt», sagt Thalmann.

Mit den Mitbewerbern ist er jetzt in Gesprächen. Denkbar ist, dass sie «ein Paket oder Teilpaket» der Turgi AG übernehmen. «Es könnte ihnen nützen», sagt Thalmann. Parallel dazu sucht der Verwaltungsrat nach Lösungen für die 6 Angestellten und aktuell noch 15 Mitarbeiter. Und es sieht nicht schlecht aus. «Für die meisten zeichnet sich auf den 1. Januar eine neue Perspektive ab», sagt Thalmann. «Das ist uns das wichtigste.»

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