Sozialausgaben steigen massiv

Die Anzahl Sozialhilfebezüger bleibt gleich, doch die Kosten steigen an. Beim Verband der Thurgauer Gemeinden löst dieser Trend Sorgen aus. Frauenfeld, Kreuzlingen und Arbon sind stark betroffen, Weinfelden hingegen überhaupt nicht.

Ralf Rüthemann
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4018 Personen haben letztes Jahr im Thurgau Unterstützung von der Sozialhilfe erhalten – und die Gemeindekassen insgesamt mit 28,4 Millionen Franken belastet. Im Vorjahr waren es noch 65 Personen mehr. Der Anteil der Sozialhilfebezüger liegt im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung bereits seit vier Jahren bei 1,6 Prozent. Und trotzdem steigen die Sozialausgaben jedes Jahr.

Im Jahr 2012 war der Anstieg massiv, berichtete gestern das kantonale Fürsorgeamt. Die Kosten stiegen im Vergleich zum Vorjahr um fast einen Viertel, nämlich um 5,2 Millionen Franken.

Reiner Zufall

«Die hohen Mehraufwendungen sind einerseits auf gestiegene Auszahlungen, andererseits auf spärlicher fliessende Rückvergütungen zurückzuführen», sagt Florentina Wohnlich, Leiterin des Fürsorgeamtes Thurgau. Rückvergütungen müssen die Sozialhilfeempfänger teilweise erbringen, wenn sie in der Arbeitswelt wieder Fuss gefasst haben. «Das ist aber reiner Zufall. Denn die Ausgaben variieren immer wieder.» Was aber auf die Entwicklung der Sozialausgaben in Zukunft eine grosse Auswirkung habe, seien die Änderungen bei den vorgelagerten Sozialversicherungen: «Durch die Revision der Arbeitslosenversicherung und die strikte Haltung der Invalidenversicherung werden mehr Personen auf das unterste Netz des sozialen Systems fallen. Und deshalb steigen die Sozialausgaben der Gemeinden auch in Zukunft.»

In 32 der 80 Thurgauer Gemeinden seien die Ausgaben im Jahr 2012 rückläufig gewesen. Die Hälfte aller Sozialhilfeausgaben machten die Städte Frauenfeld mit 4,9 Millionen, Kreuzlingen mit 4,6 Millionen, Arbon mit 2,9 Millionen und Amriswil mit 1,9 Millionen Franken aus. Verteilt auf den ganzen Kanton gaben die Gemeinden pro Einwohner durchschnittlich 111 Franken für Sozialhilfe aus, was 19 Franken mehr als im Vorjahr ausmacht. Erstaunlich gut abgeschnitten hat Weinfelden (siehe Grafik). «Warum Weinfelden so wenig Ausgaben hatte, ist mir schleierhaft», sagt Florentina Wohnlich. «Weinfelden hatte einfach Glück, wie es scheint.»

Gegen die stetig ansteigenden Ausgaben könne man nicht viel unternehmen. «Natürlich versuchen die Fürsorgeämter der Gemeinden, ihre Kunden von Anfang an gut zu betreuen, so dass diese Menschen möglichst schnell wieder den Weg in die Arbeitswelt finden. Aber das hat man schon immer so gemacht.» Neu ist in der aktuellen Auswertung der Sozialhilfe des Jahres 2012, dass die Anzahl fürsorgebeziehender Ausländer sinkend statt steigend war. «Wir registrierten 50 Ausländer weniger als im Vorjahr.»

Keine Entspannung in Sicht

Besorgt über die steigenden Kosten ist Kurt Baumann, Präsident des Verbandes der Thurgauer Gemeinden: «Trotz der starken Konjunktur in der Schweiz wirkt sich das leider nicht auf die Sozialhilfekosten aus. Das ist beunruhigend.» Seitens der Gemeinden gebe es einfach das normale Beschäftigungsprogramm, das dafür sorgt, dass die Kunden wieder eine Arbeit finden. Solche Projekte werden laut Baumann noch wichtiger. «Leider ist momentan aber keine Entspannung in Sicht. Im Gegenteil, auch die Gesundheitskosten steigen an.»

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