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SOMMERSERIE: MENSCHEN, KIRCHEN UND KAPELLEN (7): Ziel einer Schnitzeljagd

Die Kapelle soll ein lebendiger Treffpunkt sein. Dass das zutrifft, zeigt sich jeweils am letzten Sonntagabend im Monat beim Gottesdienst. Auch bei Hochzeitspaaren ist sie beliebt – und bei Esoterikern.
Rahel Haag
Sie tragen schon seit Jahren Sorge zur Kapelle Gerlikon: Messmerin Maya Kübler, Pfarrer Christian Herrmann und Vize-Messmerin Verena Meier. (Bilder: Reto Martin)

Sie tragen schon seit Jahren Sorge zur Kapelle Gerlikon: Messmerin Maya Kübler, Pfarrer Christian Herrmann und Vize-Messmerin Verena Meier. (Bilder: Reto Martin)

Rahel Haag

rahel.haag

@thurgauerzeitung.ch

Früher, bevor es Handys gab, kam es ab und zu vor, dass Auswärtige ohne Nachricht zu spät zur Trauung in die Kapelle Gerlikon kamen. Beispielsweise wenn sie im Stau standen. «Dann musste man einfach warten», sagt Pfarrer Christian Herrmann. Ein Paar ist ihm besonders in Erinnerung geblieben. In den 80er-Jahren habe er einmal auf eine Hochzeitsgesellschaft gewartet, die niemals kam. «Nach einer halben Stunde bin ich mit dem Töffli nach Hause gefahren, um anzurufen», erzählt er. Am anderen Ende der Leitung war die Braut, die sich entschuldigte und die Hochzeit absagte. Am Tag zuvor hätte die zivile Trauung stattfinden sollen, doch der Bräutigam ist nicht aufgetaucht. «Die Braut wär völlig aufgelöst», erinnert sich Herrmann. Er sei also zur Kapelle zurückgefahren und habe alle nach Hause geschickt. Er zuckt mit den Schultern. Von jenem Paar habe er nie wieder ­etwas gehört.

Politisch gehört Gerlikon seit fast 20 Jahren zu Frauenfeld, kirchlich jedoch immer noch zu Gachnang. Das hat Auswirkungen auf Paare, die den schöns­ten Tag im Leben in der Kapelle feiern möchten. Für Einheimische, also Gachnanger und Gerliker, ist eine Hochzeit in der Kapelle kostenlos. «Auswärtige müssen bezahlen», sagt Herrmann. Seit 2014 ist jedoch eine neue Kirchenordnung in Kraft. Seither werden die Kosten, zumindest für Thurgauer Paare, von der Kirchgemeinde übernommen, der sie angehören.

Der dritte Pfarrer in 100 Jahren

Seit 1985 ist Herrmann Pfarrer der Evangelischen Kirchgemeinde Gachnang. Erst der neunzehnte in 500 Jahren, und der dritte in den vergangenen hundert Jahren. «Das gibt es sonst nirgends», sagt er stolz. In dieser Zeit hat er zahlreiche Paare getraut. Früher habe es allein in Gerlikon rund 15 Hochzeiten pro Jahr gegeben. «Ich kann mich noch erinnern, dass es teilweise drei an einem Samstag waren», sagt Vize-Mesmerin Verena Meier. Schon ihre Mutter war während 40 Jahren Mesmerin. «Als Kind musste ich manchmal helfen.» 1961 hat sie selbst in der Kapelle geheiratet. Heute seien es jährlich drei bis vier Trauungen. «In diesem Jahr gab es erst eine, im Januar», sagt Herrmann. Mesmerin Maya Kübler wohnt seit rund 50 Jahren direkt hinter der Kapelle. Wenn es bei einer Hochzeit regnet, besteht die Möglichkeit, den Apéro in den Anbau ihres Hauses zu verlegen. «Das ist immer schön.»

Jeweils am letzten Sonntagabend des Monats findet ein Gottesdienst statt. Mit einem anschliessenden Apéro. Zusätzlich wird jeder zweite Feiertag in der Kapelle begangen. Er versuche, sie als lebendigen Treffpunkt zu behalten, sagt Herrmann. Und sie sei tatsächlich immer gut ­besucht. Wenn der Kirchenchor singt, müssten gar zusätzliche Stühle aufgestellt werden, sagt Maya Kübler. Und es kämen nicht nur Gerliker, «sondern auch viele Frauenfelder». Auf die Frage nach dem Warum, zuckt Herrmann mit den Schultern. Seine beiden Helferinnen wissen es dagegen genau: «Das liegt am guten Pfarrer.» Der winkt ab, doch die Frauen nicken bestimmt.

Geocacher nehmen die Mauer auseinander

Auch andere werden von der Kapelle beinahe magisch angezogen – mit unschönen Auswirkungen. «Vor rund drei Wochen mussten wir das Fundament mit sieben Kübeln Spezialmörtel neu auffüllen», sagt Herrmann. Schuld seien die sogenannten Geocacher. Bei einer Art Schnitzeljagd machen sie sich mit einem GPS-Gerät auf die Suche nach «Caches». Dabei handelt es sich um kleine Gegenstände, die ein Logbuch enthalten. In Gerlikon ist es ein ausgehöhlter Stein, der neben der Kapelle liegt. Doch es kommt immer wieder vor, dass sich die Geocacher auf ihrer ­Suche an der Mauer zu schaffen machen und Steine herauslösen. Maya Kübler geht voraus und hebt das Objekt der Begierde auf, zeigt es herum. Herrmann kann es kaum glauben. «Und wegen diesem Stein machen sie unsere Mauer kaputt?» Kübler nickt. Herrmann schüttelt verständnislos den Kopf. «Manche nehmen auch Steine aus der Mauer mit.» Wieder Kopfschütteln.

Doch nicht nur bei Geocachern, auch bei Esoterikern sei die Kapelle beliebt. «Ich habe mir sagen lassen, dass es sich um einen Kraftort handelt», sagt Herrmann. Vor rund zwei Jahren sei eine Gruppe ­Leute mit Wünschelruten hier umhergegangen. Er sei dann mit ihnen ins Gespräch gekommen. «Ich habe es sogar ausprobiert.» Doch bei ihm sei nichts passiert. Auf ein Zucken in der Wünschelrute habe er vergebens gewartet. Zwei Stunden lang habe er es versucht. «Ach, du hast doch einfach nicht dran geglaubt», sagt Meier und lacht.

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