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SOMMERSERIE: MENSCHEN, KIRCHEN UND KAPELLEN (6): Die Glocke erklingt für die Toten

In der kleinen Kapelle findet noch ein- bis zweimal im Monat ein Gottesdienst statt. Das Weihwasser wie auch der Pfarrer werden von der Katholischen Kirchgemeinde Pfyn gestellt.
Rahel Haag
Rita Schürch, Präsidentin der Kapellgemeinde, vor der Kapelle Lanzenneunforn. (Bilder: Donato Caspari)

Rita Schürch, Präsidentin der Kapellgemeinde, vor der Kapelle Lanzenneunforn. (Bilder: Donato Caspari)

Rahel Haag

rahel.haag

@thurgauerzeitng.ch

Klein und unscheinbar steht sie mitten im Dorf. Rundherum ist es ruhig an diesem Morgen. Lediglich das Gackern einiger Hühnern ist zu hören. Die Türe ist verschlossen, bis Rita Schürch kommt. Sie ist Präsidentin der Kapellgemeinde und «hegt und pflegt» die Kapelle Lanzenneunforn seit rund sieben Jahren. Die Frage nach dem Warum beantwortet sie mit einem Lächeln und einem Schulterzucken. «Wenn niemand zum ‹Kapelleli› schaut, geht etwas Wichtiges verloren», sagt sie schliesslich. Gleichzeitig engagiert sich Schürch als Ortsvertreterin der Pro Senectute. Dort habe sie gemerkt, dass die Kapelle gerade für ältere Frauen wichtig sei. «Ausserdem bin ich katholisch.» Wieder ein Lächeln. Und ein Schulterzucken.

An ein bis zwei Donnerstagabenden pro Monat findet hier noch ein Gottesdienst statt. Dessen Vorbereitung ist ebenfalls Aufgabe von Rita Schürch. In einer kleinen mit einem Kreuz verzierten Glasflasche bewahrt sie das Weihwasser auf. «Sonst verdunstet es.» Das Weihwasser wird, wie auch der Pfarrer, von der Katholischen Kirchgemeinde Pfyn gestellt. Auch Taufen oder Hochzeiten wären hier möglich. «Das Kapelleli» sei für alle offen. Erlebt hat Schürch bisher jedoch weder das eine noch das andere.

Ursprünglich für die Schwachen und Alten

Eine grosse Gesellschaft würde im Innern denn auch keinen Platz finden. Rund 30 bis 35 Besucher passen auf die Bänke, schätzt Rita Schürch. Ursprünglich war die Kapelle auch nur für wenige gedacht. Einem Bericht aus dem ­alten Dekanat Frauenfeld-Steckborn von 1754 ist zu entnehmen, dass die Kapelle den Pfarreiangehörigen zum Rosenkranzgebet dienen solle, wenn sie wegen Schwäche, Alter oder Witterung die nächstliegenden Pfarrkirchen nicht besuchen könnten. Der ­Rosenkranz wird hier auch heute noch gebetet. «Wenn jemand stirbt und es von den Hinterbliebenen gewünscht wird, dann erklingt auch die Glocke. Danach rufen mich manchmal Leute aus dem Dorf an, um zu fragen, wer verstorben ist.»

Zusätzlich wird die Glocke bei jedem Gottesdienst geläutet. Dies übernimmt einer der beiden Ministranten. Die Kordel ist hinter der Tür an der Wand befestigt. «Die Älteren zeigen den Jüngeren jeweils, wie es geht», sagt Schürch und lächelt. Auch an Silvester erklingt die Glocke. Dann wird das alte Jahr aus- und das neue eingeläutet. Zwar gibt es nur eine Glocke, doch das soll nicht heissen, dass es immer gleich klingt. «Der Rhythmus ist je nach Anlass ein anderer.» Früher sei die Glocke dreimal am Tag erklungen. Um 6, 11 und 16 Uhr. «Und man hat sie weitherum gehört.» Eine ältere Frau habe ihr einmal erzählt, dass die Glocke eine Uhr ersetzte. «Wenn sie draussen auf dem Feld die Glocke hörte, wusste sie, dass es Zeit war, nach Hause zum Mittag­essen zu gehen», sagt sie. Um 16 Uhr habe das Geläut wiederum angezeigt, dass es Zeit war, von der Arbeit auf dem Feld zur Arbeit im Stall zu wechseln. Rita Schürch lächelt. Gerade solche Geschichten und Erinnerungen machen die Verbundenheit mit der Kapelle sichtbar.

Ein Altar aus dem Schloss Liebefels

Das Innere der Kapelle ist hell und schlicht gehalten. An den Wänden links und rechts zeigen 14 Bilder den Kreuzweg Jesu Christi. Der Altar aus dem 17. Jahrhundert stammt aus dem Schloss Liebefels, wie das kantonale Amt für Denkmalpflege im Hinweisinventar festhält. Ihn ziert ein Gemälde Mutter Gottes. Rechts daneben hängt das ewig brennende Totenlicht. «Eine Leihgabe aus Bussnang», sagt Rita Schürch. Seit den 90er-Jahren ist es bereits in der Kapelle Lanzenneunforn.

Für Schürch ist «das Kappeleli» ein Ruhepol. Die Gottesdienste nach Feierabend beschreibt sie als «Balsam für die Seele». Sie betreibt eine eigene Backstube. Das Backen sei für sie dem Glauben ähnlich: «Alles läuft durch einen hindurch, alles ist eins.» In der Backstube finde ihr Gottesdienst im Alltag statt, sagt sie lächelnd und mit leuchtenden Augen.

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