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SOMMERSERIE: MENSCHEN, KIRCHEN UND KAPELLEN (4): Kein Museum unterm Zwiebelturm

Die katholische Kirche ist klein, aber voller Leben und Spiritualität. Franziskanerbrüder vom Inseli Werd predigen hier. Mit seinen 700-jährigen Fresken ist das Gotteshaus auch kunsthistorisch wertvoll.
Désirée Wenger
Das Innere der Kirche mit den Fresken am Chorbogen.

Das Innere der Kirche mit den Fresken am Chorbogen.

Désirée Wenger

desiree.wenger@thurgauerzeitung.ch

«Es ist kein Museum, sondern der Ort einer lebendigen Glaubensgemeinschaft», sagt Thomas Mauchle. Er ist Gemeindeleiter von Gündelhart, Pfyn, Homburg und Steckborn. Obwohl Gündelhart eine kleine Pfarrei sei, fände hier kirchliches Leben statt. Dies habe damit zu tun, dass man sich hier kenne. «Aber auch Zugezogene werden gut im Dorfleben aufgenommen», sagt die Seel­sorgerin Pia Holenstein. «Die Kirche hat einfach eine tolle ­Atmosphäre mit einer eigenen ­Spiritualität. Es ist ein Ort zum Verweilen», sagt Mauchle. Nicht selten würden Velofahrer und Wanderer eine Pause bei der kleinen Kirche mit dem auffälligen, dicken Zwiebelturm einlegen. Auch Holenstein, die hier auf­gewachsen ist, kann dies bestä­tigen. «Ich hatte meine Taufe, meine Erstkommunion, meine Hochzeit sowie die Taufen meiner Kinder hier und beobachtete, dass sich die Leute wohlfühlen in der Kirche.»

Für Hochzeiten und Taufen ist die Gündelharter Kirche beliebt. Von Mai bis September finden jährlich fünf bis acht Hochzeiten statt und über das Jahr ­verteilt ungefähr ebenso viele Taufen. Es seien hauptsächlich Gündelharter, die ihre Kinder hier taufen liessen, aber zum ­Heiraten kämen auch viele Leute aus der Region. «Für mich sind die Hochzeiten immer ein Höhepunkt», sagt Holenstein.

Nach dem Pfingstfeuer auf der Strasse tanzen

Ein weiterer Höhepunkt sei das Pfingstfeuer, sagt Holenstein. Die Jungwacht und Blauring (Jubla) Homburg-Gündelhart helfe immer mit bei der Organisation. «Nach dem Gottesdienst gibt es ein ­Feuer, und es wird auf der Strasse getanzt», sagt Holenstein. Auch engagiere sich die Jubla beim Sternsingen, beim Suppentag oder am Palmsonntag. Dieser ist für Mauchle besonders schön, weil es einen grossen Einzug durch die Kirche gäbe. «Es stimmt nicht, dass Junge sich nicht für die ­Kirche interessieren. Kirche ist mehr als Gottesdienste feiern, und durch die Jubla werden junge Leute im Kirchenleben sozialisiert», sagt Mauchle.

Gündelhart hat nicht nur eine ökumenisch organisierte Jubla, sondern auch sechs Ministranten. Allgemein sei die Gemeinde demografisch recht gut durchmischt. «Gerade die älteren Leute schätzen es, dass wir hier ein Gotteshaus haben», sagt Holenstein. Sie seien hier verwurzelt und wollten in ihrem eigenen Dorf zum Gottesdienst gehen. Dieser wird zweimal pro Monat von Mitgliedern des Franziskanerordens des Inseli Werd gehalten, ansonsten von Mauchle geleitet. Die Franziskaner würden hier auch Sakramente erteilen, wie zum Beispiel Krankensalbung oder Erstkommunion. «Speziell hier in der Kirche ist das Sichtbarmachen der Vergangenheit in der Gegenwart», sagt Mauchle. Der Kirchenpatron Mauritius ziert die Aussenwand über dem Kircheneingang und erinnert mit den 700 Jahre alten Freskenfragmenten am Chorbogen an vergangenen Glanz. «Die Menschen vertrauten damals demselben Gott wie wir heute. Die Architektur und ­Malerei der Kirche erinnern uns an die Glaubensgemeinschaft, die sich über Zeit und Raum erstreckt», sagt Mauchle. «Besonders schön ist auch das Relief von Jesus auf dem Ölberg, in der Nacht vor seiner Festnahme», sagt Holenstein. Das über 200-jährige Relief hängt in der Seitenkapelle. Wichtiger als Kirchenschmuck sei jedoch, präsent zu sein, und das nicht nur in ­Notsituationen. «Wir begleiten Menschen. Einige wollen einen Segen oder gemeinsam beten, andere wollen einfach reden.» Den Leuten sei bewusst, dass sie beide Seelsorger und weder ­Ärzte noch Therapeuten seien. «Es geht um die Begegnung. Die Leute vertrauen sich uns an, gerade weil wir von der Kirche sind. Wir garantieren die Schweigepflicht», sagt Mauchle. «Hier sehe ich den Auftrag der Kirche, sich um das seelische Wohl der Menschen zu kümmern, und das lässt ihr auch heute noch eine bedeutende Rolle zukommen.»

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