Solaranlagen brauchen keine Bewilligung

Der Kanton hat die Richtlinie für den Bau von Solaranlagen überarbeitet. Nötig wurde dies, weil der Bund das Bewilligungsverfahren vereinfacht hat. Weiterhin muss eine Fachkommission die Solarpläne für denkmalgeschützte Bauten beurteilen.

Christof Widmer
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Für viele Solaranlagen entfällt die Baubewilligungspflicht. (Bild: key/Martial Trezzini)

Für viele Solaranlagen entfällt die Baubewilligungspflicht. (Bild: key/Martial Trezzini)

FRAUENFELD. Wer eine Solaranlage auf sein Dach bauen will, braucht dafür keine Bewilligung mehr. Diese Vereinfachung hat der Bund auf den 1. Mai 2014 eingeführt. Der Kanton hat die Neuregelung inzwischen in seine Richtlinien zum Bau von Solaranlagen aufgenommen, wie er gestern mitteilte. Demnach bleiben die denkmalgeschützten Gebäude eine Ausnahme: Soll auf ein Baudenkmal kantonaler oder nationaler Bedeutung eine Solaranlage gesetzt werden, braucht es weiterhin eine Bewilligung. Das sehe auch das Bundesgesetz vor, sagt Martin Müller, Sachbearbeiter in der kantonalen Abteilung Energie.

Das vor fünf Jahren eingeführte Vorgehen bei denkmalgeschützten Häusern habe sich bewährt, sagt Müller. In diesen Fällen gibt es einen Ortstermin mit Vertretern der Abteilung Energie, der Denkmalpflege, der Gemeinden und der Bauherrschaft. Die beiden kantonalen Stellen einigen sich dabei auf eine einheitliche Stellungnahme. Bisher habe nur selten ein Gesuch abgelehnt werden müssen, sagt Müller. Erklärtes Ziel sei, dass wo immer möglich Solaranlagen rasch und unkompliziert realisiert werden können.

Vorgaben klar aufgelistet

Die neuen Richtlinien geben eine klarere Prioritätenliste, wie Solaranlagen in historisch wertvolle Gebäude und Siedlungen einzupassen sind. So sollen Solarpanels nicht auf dem Hauptgebäude, sondern auf einem Nebengebäude oder einer Trennmauer angebracht werden.

Bewilligungsfrei sind in den Bau- und Landschaftszonen laut Bundesgesetz Solaranlagen nur auf dem Dach und nur, wenn sie «genügend angepasst» sind. Was das genau bedeutet, führen die neuen Richtlinien das Kantons ebenfalls aus. Demnach müssen sie kompakt angebracht sein und dürfen sich nicht in mehreren Teilen über das Dach verteilen. Sie dürfen seitlich nicht über die Dachfläche hinausragen und höchstens 20 Zentimeter höher als das Dach sein. Wer eine Anlage baut, die keine Bewilligung benötigt, muss sie der Gemeinde spätestens 20 Tage vor Baubeginn melden.

Keine Aussage zum Anschluss

Nicht Bestandteil des Baubewilligungsverfahrens, das die Richtlinien beschreiben, ist der Anschluss der Anlagen ans Stromnetz. Der Installateur muss diesen dem lokalen Elektrizitätswerk melden. Gerade grössere Solaranlagen können dazu führen, dass das Stromnetz verstärkt werden muss.

Die Gemeinden und ihre Elektrizitätswerke haben darum keine Freude, dass es keine Baubewilligung mehr braucht, weil ihnen so die Vorlaufzeit für die Netzverstärkung fehlt (Ausgabe vom 29. Oktober 2014). Walter Marty, Präsident des Verbands Thurgauischer Elektrizitätsversorgungen, bekräftigte gestern auf Anfrage, dass hier ein Problem besteht. Nötig sei, dass die Installateure offensiv informiert werden, damit sie dem lokalen Werk so früh wie möglich eine neue Solaranlage anzeigen.

www.solaranlagen-richtig-gut.tg.ch